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Berlusconi verurteilt: Hausarrest? Ok. Aber in welchem Haus?

Es ist tatsächlich passiert: Silvio Berlusconi wurde verurteilt, und nun droht ihm Hausarrest. Doch der Cavaliere hat elf üppige Anwesen und fragt sich: Für welche Villa gilt die Strafe?

Von Niels Kruse

31 Mal stand er vor Gericht. 31 Mal ist nichts passiert. Nun, nach rund 400 Millionen Euro, die er für Anwälte ausgegeben haben will, nach selbstgeschnitzten Gesetzen, die ihm den Gang in den Knast ersparten, nach umstrittenen Justizreformen und viel Wehklagen ("Italien ist ein Scheißland"), wird Silvio Berlusconi morgens als verurteilter Mann aufwachen. Nicht im Gefängnis, dafür ist er zu alt. Stattdessen könnte er Hausarrest bekommen. Ein paar Monate lang. Und da fängt das nächste Problem an.

Denn der Ex-Regierungschef, AC-Mailand-Besitzer und Multimilliardär hat sich als Bauunternehmer den Beinamen "König der Ziegelsteine" erworben und ein paar Klinker für eigene Zwecke abgezweigt. Elf üppige Anwesen sind daraus erwachsen. Angesichts dieser Auswahl dürfte Berlusconis drängendste Frage an seine Verteidiger daher lauten: 'Für welche Villa gilt der Hausarrest eigentlich?'

Eine Villa mit 30 Zimmern? Nicht groß genug

Wenn man einmal davon ausgeht, dass der Mann nicht auf die Schnelle eine Privat-U-Bahn zwischen seinen diversen Gütern bauen lässt (sie erstrecken sich als eine Art Dreieck zwischen den Bermudas, Norditalien bis runter nach Lampedusa), dann bleibt ihm im Zweifel nichts anderes übrig, als sich für ein Haus zu entscheiden. Die Frage ist dabei: Was kann es so? Da wäre etwa die Villa Certosa am Lago Maggiore. Die hat 30 Zimmer, und also nicht mal genug Platz für die Spieler seines Fußballklubs nebst Trainerstab, medizinische Betreuer, Berater und Prostituierten. Das Anwesen scheidet schon einmal aus.

Bekanntlich ist Berlusconi ein großer Pflanzenfreund. Stundenlang kann er, so erzählen es Menschen, die Leute kennen, die seine unzähligen Gärtner kennen, über Bäume, Blumen und Sträucher monologisieren. Der Palazzo Grazioli fällt daher auch aus der Auswahl, denn der Barockbau steht mitten im antiken Zentrum Roms und ist damit so gut wie gartenlos. Ebenfalls Streichkandidaten wegen langweiliger Vegetation dürften des Cavalieres Datsche auf den Bermudas sowie der Palazzo Pisani Moretta in Venedig sein.

Lampedusa? Zu viele ungebetene Gäste

Was bleibt da eigentlich noch? Beziehungsweise: Was macht der Kerl eigentlich den ganzen Tag, außer seinen Okkasionen nachgehen, welcher Art die auch immer sein mögen? Singen soll er ja auch gerne. Dafür braucht man Orte der Ruhe und Muße. Die Insel Lampedusa, wo Berlusconi gerne entspannt, wäre vielleicht ein guter Platz, doch leider liegen da ständig ungebetene Menschen am Strand herum.

Vermutlich bleibt dem alten Mann nichts anderes übrig, als sich an seinem Stammsitz einsperren zu lassen. Auch wenn die Bedingungen dort gewöhnungsbedürftig sind: Bei den 145 Zimmern der Villa San Martino in Arcore bei Mailand, fällt die Entscheidung schwer, in welchem der Räume er die Nacht verbringen will. Wo der morgendliche Espresso einzunehmen ist, wo die gebügelten Zeitungen ausliegen und wo er eigentlich dieses verdammte Handy liegen lassen hat. Trost für die nächsten Wochen in der heimischen Hölle: Der Garten ist rund 250 Hektar groß. Das reicht für zwei Umrundungen am Tag bei gemütlichem Tempo.

Im Herbst geht es weiter mit den Urteilen

Dann geht es vorbei an Plastiken von Michele Cascella. Vorbei an der Familiengruft, wo er der Ahnen gedenken kann und runter zum Fluss Lambro laufen, in den er gemütlich seine nackten Füße steckt. Wo er seinen Gram über den Umgang Italiens mit "seinen besten Bürgern" sacken lassen kann. Will, kann, darf man so leben? Selbst als verurteilter Steuersünder? Es ist ja nicht nur das Eingesperrt sein, es könnte auch gemeinnützige Arbeit dazukommen. Der Gedemütigte selbst sagte kurz vor dem Urteil noch: Hausarrest? Sozialarbeit? Da gehe ich lieber in den Knast. Das kann er haben: Im Herbst werden zwei weitere Urteile gegen ihn erwartet.