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Berufungsverfahren: Milliardenzocker Kerviel muss ins Gefängnis

4,9 Milliarden Euro hat der Börsenhändler Jérôme Kerviel verzockt. Jetzt muss er deshalb hinter Gitter. Das Geld soll er seinem einstigen Arbeitgeber, der Großbank Société Générale, zurückzahlen.

Der als "Milliardenzocker" bekanntgewordene Börsenhändler Jérôme Kerviel muss hinter Gitter. Im Berufungsverfahren um einen der größten Spekulationsverluste aller Zeiten bestätigte ein Pariser Gericht am Mittwoch das Urteil aus erster Instanz. Kerviel muss damit drei Jahre ins Gefängnis, zwei weitere Jahre Haft werden zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss der Banker seinem ehemaligen Arbeitgeber, der Großbank Société Générale, Schadenersatz in Höhe von 4,9 Milliarden Euro zahlen. Damit wurde ein Urteil vom Herbst 2010 gegen den Banker bestätigt, der mit hochriskanten Geldgeschäften die Großbank Société Générale fast in den Ruin getrieben hätte.

4,9 Milliarden Euro verzockt

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der heute 35-Jährige eigenmächtig 4,9 Milliarden Euro verzockte. Das Berufungsgericht hielt auch an dem Schadenersatz von 4,9 Milliarden Euro fest, der dem Verlust entspricht, den Kerviel der Bank in dem Anfang 2008 bekannt gewordenen Skandal zugefügt hatte. Dieses Urteil hat jedoch nur symbolischen Charakter, da der Verurteilte kein größeres Vermögen besitzt. Die Staatsanwaltschaft hatte fünf Jahre Haft ohne Bewährung gefordert, die Verteidigung einen Freispruch für den 35-Jährigen.

Wusste die Großbank von den Spekulationsgeschäften?

Kerviel hatte im Berufungsverfahren beteuert, dass sein früherer Arbeitgeber von den Spekulationsgeschäften wusste und sie tolerierte. Sein Anwalt David Koubbi nannte den Prozess eine große Vertuschungsaktion zum Schutz der Finanzindustrie und hatte einen Freispruch gefordert. Er sprach von einer "Ungerechtigkeit" und kündigte an, das Urteil womöglich vor dem Kassationsgerichtshof anfechten zu wollen.

Die Société Générale hatte die Vorwürfe von Kerviel und seinem Verteidiger stets zurückgewiesen. Sie traf nach dem Milliardenverlust zahlreiche Vorkehrungen, um Fälle wie diesen zukünftig unmöglich zu machen. Die Affäre riss das Finanzinstitut in eine tiefe Krise und kostete etliche Top-Manager den Job.

pas/AFP/DPA / DPA