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Unfruchtbar statt trächtig: Pferdebesitzerin klagt nach misslungener Deckung

Das hatte man sich aber gänzlich anders vorgestellt: Nicht nur, dass der angedachte Erfolg bei der Paarung zweier Island-Pferde ausblieb, am Ende war die Stute sogar der eigenen Fruchtbarkeit beraubt.

Die geplante Befruchtung einer Islandstute (Symbolbild) erzielte nicht den gewünschten Erfolg

Die geplante Befruchtung einer Island-Stute (Symbolbild) erzielte nicht den gewünschten Erfolg und sorgte stattdessen für Rechtsstreitigkeiten

Die Richter am Oberlandesgericht München sahen sich unlängst mit einem eher unkonventionellen Fall konfrontiert. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, bemühte die Eigentümerin einer Island-Stute die Justiz des Freistaats, um eine Entschädigung für einen misslungenen Deckungsversuch zu erstreiten. Entgegen der ursprünglichen Planung wurde das Pferd nämlich nicht durch den Deckhengst geschwängert. Viel schlimmer noch: Ihr Tier ist nun sogar empfängnisunfähig. Der Hengst soll die Stute mit einer Geschlechtskrankheit infiziert haben.

Die beiden Pferdebesitzer hatten für ihre Schützlinge ein amouröses Tête-à-Tête über drei Tage arrangiert, an dessen Ende eine Befruchtung der Stute stehen sollte. Bei der tierärztlichen Untersuchung im Nachgang kam allerdings heraus, dass sie keineswegs trächtig geworden war. Vielmehr wurde festgestellt, dass die Stute sich eine bösartige Bakterien-Infektion eingefangen hatte. Für die sich daraus entwickelnde Uterus-Entzündung sah der behandelnde Veterinär keinerlei Genesungschancen – und musste der Pferde-Dame ihre Gebärmutter zu entfernen.

Experten-Urteil sorgt für Aufklärung

Die Klägerin warf ihrem Züchterkollegen vor, keine zuchthygienische Untersuchung durchgeführt zu haben, "die zwar nicht tierzucht- und tiergesundheitsrechtlich vorgeschrieben, aber dennoch fachlich angezeigt gewesen wäre". Ihre Schadensersatzforderung in Höhe von insgesamt 8100 Euro wies der Beschuldigte, der 350 Euro "Decktaxe“ kassiert hatte, indes von sich. Stattdessen drehte er kurzerhand den Spieß um: Die Stute soll bereits vor der Deckung unfruchtbar gewesen sein.

Das zuständige Gericht konsultierte daraufhin einen Sachverständigen, um die komplexe Thematik bewerten zu können. Nachdem dieser ausführte, dass auch beim Decken durch gesunde Hengste Keime in die Gebärmutter eindringen können und die bei den beiden Tieren vorgefundenen Erreger nachweislich von verschiedenen Gattungen abstammen, wies das Gericht die Klage in erster Instanz ab. Weil es nicht möglich sei nachzuweisen, dass der Hengst zum besagten Zeitpunkt tatsächlich geschlechtskrank gewesen sei, riet es der vermeintlich Geschädigten, ihre Klage auf Schadensersatz zurückzuziehen. Die Klägerin zeigte sich nach zuvor eingelegter Berufung schließlich doch noch einsichtig, folgte der Empfehlung der bajuwarischen Justiz und beendete so den ungewöhnlichen Rechtsstreit.

 

 

lst
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