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Betonmordprozess: Täter wollte alle Ex-Freunde töten

Aus Eifersucht habe der 19-jährige Hauptangeklagte im Betonmordprozess Yvan S. umgebracht. Das gestand er nun über seinen Anwalt. Für E. sei es unvorstellbar gewesen, dass seine Freundin zuvor etwas mit anderen Jungs gehabt habe. Auch ihre anderen Ex-Freunde habe er töten wollen.

Im Prozess um den Eifersuchtsmord an einem 19-jährigen Schüler hat der Hauptangeklagte ein Geständnis abgelegt. Anwalt Maximilian Pauls sagte vor dem Stuttgarter Landgericht, sein Mandat stehe zu der Tat. Hintergrund sei seine Liebesbeziehung zu einem Mädchen gewesen. "Es gab in seinem Leben nur noch sie." Wegen einer psychischen Erkrankung sei es Deniz E. nicht möglich, selber Angaben zumachen. Den insgesamt vier Angeklagten im Alter zwischen 17 und 23 Jahren wird gemeinschaftlicher Mord an dem aus Frankreich stammenden Schüler vorgeworfen. Auch die drei anderen Angeklagten hatten Geständnisse abgelegt. Anwalt Pauls sagte, Deniz E. schäme sich sehr. "Er will dazu stehen ohne Wenn und Aber."

Yvan S. wurde am 21. August vergangenen Jahres in Rommelshausen im Remstal erschlagen. Später zerstückelten die Täter die Leiche, betonierten Körperteile ein und warfen die Teile in den Neckar und den Rumpf in ein Waldstück. Deniz E. war laut Anklage auf den ihm völlig unbekannten jungen Mann eifersüchtig, weil seine damals 16-jährige Freundin ihm gesagt hatte, sie sei früher mit ihm liiert gewesen. Der Anwalt gab die Erklärung unter Ausschluss der Öffentlichkeit ab, weil Deniz E. die Unterbringung in der Psychiatrie droht.

"Er war zu keinem klaren Gedanken mehr fähig"

Pauls sagte, für Deniz E. sei es unvorstellbar gewesen, dass das Mädchen zuvor mit anderen Jungs etwas gehabt habe. "Er hat sich immer weiter reingesteigert. Er war zu keinem klaren Gedanken mehr fähig." Die ganze Sache sei für Deniz E. unerträglich gewesen. Das Ganze habe einen Weg genommen, der "in einer tragischen Katastrophe" geendet habe.

Deniz E. sei erst nach der Tat wieder zu sich gekommen und aufgewacht. Erst danach habe er begriffen, was passiert sei. Laut Anklage soll Deniz E. im Sommer den Entschluss gefasst haben, alle früheren Freunde seiner Freundin zu töten. Sie habe ihm die Namen von mehreren Jungen genannt. Das Mädchen habe ihm fälschlicherweise erzählt, es sei früher mit Yvan S. intim gewesen. Mit seinen Freunden soll der junge Mann dann den Mord geplant haben.

Unter einem Vorwand hergelockt

Laut Anklage lockte die Freundin den Gymnasiasten unter einem Vorwand in ein abgelegenes Gebiet in Rommelshausen. Auf einem Feldweg sollen Deniz E. und ein 18-Jähriger auf den Ahnungslosen mit einem Baseballschläger eingeschlagen und auch eingetreten haben, bis er starb. Das Mädchen habe die Tötung des Schülers beobachtet. Gemeinsam hätten sie die Leiche in eine Halle nach Stuttgart transportiert. Dort wurde sie später mit einem Beil und einer Säge zerteilt. Der älteste Angeklagte hatte erklärt, es sei seine Idee gewesen, die Leiche zu zerstückeln.

Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft auch Anklage gegen eine 23-Jährige erhoben. Ihr werde versuchte Strafvereitelung vorgeworfen, sagte eine Sprecherin. Sie habe den mutmaßlichen Mördern ihre Wohnung überlassen. Dort sollen die Leichenteile einbetoniert worden sein. Sie habe von der Tat Kenntnis gehabt, weil sich die ganze Sache über mehrere Tage hingezogen habe. Ein Verhandlungstermin gegen die junge Frau vor dem Amtsgericht stand zunächst nicht fest.

AP / AP
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