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Betrugsprozess um "Hatun & Can": "Andreas Becker" vor Gericht

Wegen Betrugs steht seit Freitag der ehemalige Vorsitzende des Vereins "Hatun & Can" in Berlin vor Gericht. Er soll zwischen 2007 und 2010 Spendengelder für seinen Lebensunterhalt verwandt und sich und seinen Freunden Essen, Kleidung sowie Reisen und ein Auto finanziert haben.

Emma"-Chefredakteurin Alice Schwarzer hatte die Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Spendenbetrüger ausgelöst: Seit Freitag muss sich der Vorsitzende des Frauennothilfe-Vereins Hatun & Can vor dem Berliner Landgericht wegen Betrugs verantworten. Noch bevor die Anklage verlesen wurde, wies sein Verteidiger die Vorwürfe zurück und bezeichnete die Richter als befangen. Darüber soll binnen einer Woche entschieden werden, dann geht der Prozess weiter.

Der Vereinschef soll 690 000 Euro Spendengeld erschlichen haben. Einen Teil davon soll er für Genussmittel, Bekleidung, Elektrogeräte, die Wohnungsrenovierung bei einer Freundin sowie Urlaub in Spanien ausgegeben haben. Etwa 380 000 Euro stellten die Ermittler sicher, ebenso ein 63 000 Euro teures Auto. Der Wagen war laut Anklage auf den Verein zugelassen, sei aber nur privat gefahren worden.

Die Staatsanwaltschaft meint, dass der heute 41-Jährige nach dem sogenannten Ehrenmord an der Deutsch-Türkin Hatun Sürücü den Verein 2006 nur gründete, um sich zu bereichern. Auf Flugblättern hatte der Verein damals von Zwangsheirat und Gewalt bedrohten Frauen Hilfe angeboten. Der Verein wurde nach dem Mordopfer und dessen kleinem Sohn Can benannt, der nach dem Verbrechen in eine Pflegefamilie kam. Der Angeklagte will eng mit Sürücü befreundet gewesen sein und auch Fluchtpläne für sie vorbereitet haben.

In der Öffentlichkeit wollte der Vereinschef seinen richtigen Namen nicht preisgeben, weil das zu gefährlich sei. Er nannte sich Andreas Becker und gab mit diesem Pseudonym auch Interviews, in denen er um Spenden warb. Ende März dieses Jahres wurde der mutmaßliche Betrüger verhaftet, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Haftbeschwerden wurden abgelehnt.

Auch die Frauenrechtlerin Schwarzer gehörte zu den Spendern. Sie hatte eine halbe Million Euro auf das Vereinskonto überwiesen, die sie bei einer Prominentenausgabe der RTL-Show "Wer wird Millionär?" gewann. Als sie auf spätere Anfrage keine Auskunft über die Verwendung ihrer Spende bekam, zeigte sie den Vereinsvorsitzenden an.

"Die Berliner Justiz hat Alice Schwarzer einen roten Teppich ausgelegt", sagte Dreyling in der knapp zweistündigen Begründung seines Befangenheitsantrags. Der Verteidiger bezeichnete die Anklage als "absurd, boshaft und abenteuerlich". Der Angeklagte habe sich nicht bereichert, sondern in erbärmlichen Verhältnissen gelebt. Er habe viele Helfer, die Hartz- IV-Leistungen bezogen, in bar und schwarz bezahlt. Das seien mehr als 100 000 Euro gewesen.

Zudem hätten Frauen finanzielle Hilfen bekommen, manche mussten aus von weiter her mit dem Auto abgeholt und in Sicherheit gebracht werden. Der Verein habe drei Schutzwohnungen unterhalten. "Es gab keine Gelder, die er sich hätte in die Tasche stecken können", versicherte der Anwalt.

Der Vereinschef sei Vertrauensmann des Landeskriminalamtes (LKA) gewesen und in dieser Funktion in Bordellen und Bars unterwegs gewesen, führte Anwalt Dreyling aus. In dem Zusammenhang verwies er darauf, dass sein Mandant im Beisein eines LKA-Mitarbeiters am Flughafen eine Spende von mehr als 1000 Euro einer bedrohten Frau übergeben habe, die dann Deutschland verlassen habe.

Der Anwalt warf der Anklagebehörde auch vor, sich auf einen kriminell belasteten Kronzeugen gestützt zu haben. Die Staatsanwaltschaft wies den Vorwurf der willkürlichen Anklage zurück.

Es ist nicht der erste Fall in der Hauptstadt, bei dem Führungskräfte ihre gemeinnützigen Vereine ins Zwielicht bringen. Bundesweites Aufsehen hatte auch die Maserati-Affäre bei der Treberhilfe erregt. Der Verein Hatun & Can will nach Angaben von Anwalt Hubert Dreyling weiterarbeiten.

AFP/DPA / DPA
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.