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Bettina Wulff beim Wulff-Prozess: "Wenn er es krachen lassen will, bestellt er Bananensaft"

Beim Wulff-Prozess steht auch eine Männerfreundschaft vor Gericht - und Bettina Wulff ist die Kronzeugin. Die Gattin des Angeklagten gab Szenen ihrer Ehe zum Besten, half aber ansonsten nicht weiter.

Von Niels Kruse, Hannover

Wir sehen uns vor Gericht, ist einer dieser Sätze, die unter Ehepaaren eher Unbehagen auslösen. Das wird bei den Wulffs nicht anders sein, auch wenn Bettina und Christian nur noch auf dem Papier verheiratet sind. Doch nichts dergleichen. "Von Hass kann keine Rede sein", sagt Bettina, kurz nachdem sie um 10.34 Uhr den Saal 127 des Hannoveraner Landgerichts betreten hat. Mit weißer Bluse, enorm großer Schleife am Hals und schwarzem Stiftrock. Den großen Auftritt beherrscht sie immer noch. "Mein Name ist Bettina Wulff, ich bin 40 Jahre alt und PR-, äh, -Beraterin", gibt sie zu Protokoll, als müsste sie erst einmal überlegen, wie man das eigentlich nennt, womit sie ihr Geld verdient.

Und wegen des Geldes ist es ja hier, das ehemalige erste Paar des Landes. Genauer gesagt, wegen rund 700 Euro, die Filmproduzent David Groenewold bei einem Oktoberfestbesuch 2008 für den damaligen Ministerpräsidenten Niedersachsens, seiner Gattin sowie den gemeinsamem Sohn bezahlt haben soll. Es geht um eine Hotelzimmerrechnung, Champagner, den keiner getrunken haben will, und einen erstaunlich teuren Babysitter. Eigentlich steht hier eine Männerfreundschaft vor Gericht, und Bettina Wulff ist die Kronzeugin.

"Und, wie ist ihr Verhältnis so?"

Richter Frank Rosenow genießt offenbar den Rummel, den Bettina Wulff auslöst. Als Noch-Ehefrau muss sie nicht aussagen, tut es aber trotzdem. Sicherheitshalber hat sie ihren Anwalt dabei. Wie denn das Verhältnis der beiden zueinander sei, will Rosenow wissen. "Freundschaftlich, wir sehen uns und telefonieren, nicht nur wegen des gemeinsamen Kindes." Und dann referiert sie freimütig, wie das damals war, mit dem Oktoberfestbesuch, der Hotelübernachtung, was sie gegessen haben, aber nicht getrunken, wer wie wann die Rechnung bezahlt habe und wie das Verhältnis sei, zwischen dem Filmproduzenten und dem Ministerpräsidenten.

Um es vorweg zu nehmen: Richtig voran kommt Richter Rosenow an diesem Donnerstag nicht. Dabei würden ein paar handfeste Informationen diesem Prozess durchaus guttun, denn besonders erhellend waren die bisherigen Verhandlungstage nicht. Bettina Wulff aber bestätigt, was auch schon andere Zeugen ausgesagt haben: Das Christian und David Freunde gewesen seien. Enge Freunde sogar. "Die beiden haben, wann immer es ging, versucht sich zu treffen. Was angesichts der Termindichte nicht leicht gewesen sei. "Privates kam bei uns immer an zweiter Stelle", sagt sie.

Mit Kind und Kegel gen Süden

An einem Januarabend 2008 jedenfalls seien bei den Wulffs einmal David Groenewold und Maria Furtwängler zu Gast gewesen. "Da haben wir uns überlegt, gemeinsam aufs Oktoberfest zu gehen. David hatte ein Platzkontingent, es ist ja immer schwer da etwas zu bekommen." Die nächsten Monate geschah nichts, erst im September war klar, dass sie auf die Wiesn gehen würden. Mit Kind und Kegel fuhren die Wulffs also gen Süden. Christian habe am Tag der Ankunft noch einen Wahlkampftermin mit der CSU gehabt, sie sei mit dem quengelnden Sohn ins Hotel gegangen, erzählt sie. Am nächsten Tag stand dann der Besuch des Käferzelts auf dem Programm.

Mehr als 3000 Euro soll der Abend gekostet haben, diverse Flaschen Champagner seien geflossen. Die Frage ist bloß, wer die getrunken hat? Bettina will nur ein Gläschen genommen haben. "Ich habe damals ja noch gestillt." Und ihr Mann? "Er trinkt so gut wie keinen Alkohol. Wenn Christian es krachen lassen will, bestellt er einen Bananensaft." Das sagt sie im vollen Ernst und es klingt so ganz anders als vor rund einem Jahr, im stern-Interview. Da deutete sie noch an, Christian Wulff sei eher verkappter Rock'n'Roller als nüchterner Hannoveraner.

Ein Babysitter für 110 Euro

Drei, vier Stunden seien die beiden auf der Wiesn gewesen. Kurz vor Mitternacht zurück im Hotel, habe man noch den Babysitter gesehen. "Ein attraktiver Babysitter, wie Christian erzählte." Am nächsten Morgen nach dem Frühstück sei Wulff zum Auschecken heruntergegangen - und habe mutmaßlich bar bezahlt. Es ist Bettina wichtig zu erwähnen, dass ihr Mann "eine natürliche Aversion gegen Kreditkarten hat", weshalb er immer mehrere hundert Euro cash mit sich herumtrage. In Erinnerung sei ihr nur noch, dass er 110 Euro für den Babysitter bezahlt hatte, was er erstaunlich teuer fand. Verständlich. Zumal die Kinderbetreuung laut des Hotels nur zehn Euro die Stunde kostet - aber die Wulffs gar nicht so lange auf dem Jahrmarkt gewesen sein wollen. "Das waren ja wertvolle vier Stunden, die wir weg waren", soll Christian danach noch gesagt haben.

Ob, was und wie viel David Groenewold noch zu dem Abend beigetragen hat, darüber verliert Bettina kein Wort. Nur so viel: "Wir waren gut befreundet und haben öfter gegenseitig unsere Rechnungen bezahlt, wenn wir einmal essen waren. Das war ein Geben und Nehmen, wie es unter Freunden üblich ist." Auch sonst konnte sie nur Gutes über den Hausfreund berichten: "Er war sehr offen, schon fast extrovertiert. Ein fröhlicher Mensch - er und Christian haben sich gut ergänzt." Das war der Moment, in dem der Altbundespräsident rot anlief - und im Gerichtssaal schallendes Gelächter ausbrach.