Bischof unter Prügelverdacht Bischofskonferenz glaubt Mixa


Die Vorwürfe wiegen schwer: Als Stadtpfarrer soll der heutige Augsburger Bischof Walter Mixa Heimkinder verprügelt haben. Während die Laienorganisation "Wir sind Kirche" eine persönliche Stellungnahme Mixas fordert, sieht die Bischofskonferenz keinen Grund, an der Unschuld ihres Bruders zu zweifeln.

Die katholische Laienorganisation "Wir sind Kirche" hat den Augsburger Bischof Walter Mixa aufgefordert, persönlich Stellung zu den Misshandlungsvorwürfen zu nehmen. "Es reicht nicht aus, wenn Mixa eine Unschuldserklärung über seine Pressestelle veröffentlichen lässt. Er selbst muss sich äußern", sagte der Sprecher der Organisation im Bistum Augsburg, Herbert Tyroller. Er kritisierte, dass sich der Bischof wegen der Vorwürfe zivil- und strafrechtliche Konsequenzen vorbehalten habe. Durch solche Drohungen würden die Opfer eingeschüchtert, das sei nicht der "richtige christliche Weg".

Unterstützung erhielt Mixa unterdessen vom Generalsekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer. "Ich glaube erst mal, dass hier Behauptung gegen Behauptung steht", sagte er dem Deutschlandfunk zu den Vorwürfen. "Zum gegenwärtigen Zeitpunkt steht eine Behauptung vieler Menschen, mehrerer Menschen in der 'Süddeutschen Zeitung' gegen die Entlastung, die das Bistum Augsburg seinem Bischof gibt. Ich glaube ihm." Er denke, dass das Bistum die richtigen Schritte gemacht habe, "dass es zu einem klärenden Prozess kommt, dass über die Dinge weiter gesprochen wird".

Vorwürfe "absurd und erfunden"

Im Kinder- und Jugendhilfezentrum St. Josef in Schrobenhausen soll Mixa als Stadtpfarrer vor rund 30 Jahren Kinder geprügelt haben, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Das Ordinariat hat diese eidesstattlich erklärten Vorwürfe von Betroffenen als "absurd und erfunden" zurückgewiesen. Inzwischen hat sich ein weiteres ehemaliges Heimkind gemeldet und erklärt, von Mixa damals brutal geschlagen worden zu sein. Der Sprecher der Regierung Oberbayern sagte am Donnerstag, über die angeblichen Vorfälle sei in den Akten von damals nichts zu finden. Damit sei die Angelegenheit für die Regierung Oberbayern erledigt.

Insgesamt erheben sechs ehemalige Heimkinder in der "SZ" schwere Vorwürfe gegen Mixa, sie sind heute zwischen 41 und 48 Jahre alt. Mixa war ab 1975 Stadtpfarrer in Schrobenhausen, später auch Dekan. Neben Mixa werden auch Nonnen beschuldigt, in den 70er- und 80er-Jahren geprügelt zu haben. Eine Betroffene sagte der Nachrichtenagentur DPA, sie sei mehrfach mit einem Besenstil und einem Stock geschlagen worden. Einmal habe ihr eine Nonne einen Schlüsselbund an den Kopf geworfen und sie dadurch verletzt. "Ich habe ein Loch im Kopf gehabt, das war schon grausam, was ich da erlebt habe", sagte die Frau. Eine der beschuldigten Nonnen soll bis heute in dem Heim tätig sein.

Die Regierung von Oberbayern prüft inzwischen als Heimaufsichtsbehörde Misshandlungsvorwürfe in dem Kinder- und Jugendhilfezentrum aus jüngerer Zeit. Dabei geht es um mögliche Fälle, die noch nicht verjährt sind. Ein Übergriff habe sich 1999 in der Schrobenhausener Einrichtung ereignet. Ein Heim-Mitarbeiter habe einem Kind einen Kinnhaken verpasst und sei daraufhin entlassen worden. Bisher unbekannte Vorwürfe, es habe noch vor fünf Jahren Züchtigungen in dem Heim gegeben, würden überprüft. Das Haus in Schrobenhausen war bis 1990 von Franziskanerinnen der Mallersdorfer Kongregation geführt worden und ist jetzt unter weltlicher Leitung.

APN/DPA DPA

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