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Bischof Williamson verurteilt: Holocaust-Leugner kommt billiger davon

Der Holocaust-Leugner und umstrittene Bischof Richard Williamson ist in Regensburg wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe von 6500 Euro verurteilt worden. Die Strafe ist 3500 Euro niedriger als in der ersten Instanz, weil sich Williamson erfolgreich arm gerechnet hat. Ob er jemals zahlen wird, ist trotzdem fraglich.

Der katholische Bischof Richard Williamson muss eine Geldstrafe von 6500 Euro zahlen, weil er den Holocaust geleugnet hat. Das Landgericht Regensburg verurteilte den 71-Jährigen in einem Berufungsprozess zwar ebenfalls wegen Volksverhetzung, erhob aber ein geringeres Strafmaß. Vom Amtsgericht Regensburg war Williamson zuvor zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro verurteilt worden.

Das Landgericht senkte das Strafmaß, weil Williamsons Anwälte erfolgreich darlegen konnten, dass ihr Mandant mittellos ist. Nach Angaben der Piusbruderschaft lebe er inzwischen vollkommen zurückgezogenen im Haus der Brüder in London. Statt 100 Euro Tagessatz, wie noch in erster Instanz entschieden, soll er nur noch 65 Euro für jeden der hundert als Strafe festgesetzten Tage zahlen. Williamson hat dem Urteil nach keine nennenswerten Einnahmen mehr. Er erhalte Kost und Logis sowie ein Taschengeld von 300 bis 400 Euro im Monat.

Verteidiger kündigen Revision an

Williamsons Verteidiger haben bereits angekündigt, auch gegen dieses Urteil Revision einzulegen. "Es gilt weiterhin die Unschuldsvermutung nach Artikel 19 der Menschenrechtskonvention", erklärten die Anwälte für ihren Mandanten, der selbst vor Gericht nicht anwesend war. Dabei bestreiten nicht einmal die Verteidiger, dass Williamson den Holocaust geleugnet hat.

Der konservative Bischof hatte in einem Priesterseminar nahe Regensburg dem schwedischen Fernsehen gesagt: "Ich glaube, es gab keine Gaskammern." Er glaube auch nicht, "dass sechs Millionen Juden vergast wurden". Die Leugnung des Holocausts sei objektiv gegeben, sagte Richterin Birgit Eisvogel in ihrer Urteilsbegründung. Dies bestreiten auch nicht Williamson und seine Verteidiger. Doch weil die Äußerungen für das schwedische Fernsehen gemacht wurden und in Schweden solche Aussagen im Gegensatz zu Deutschland nicht strafbar sind, halten die Verteidiger Williamson für unschuldig.

Zahlung Williamsons bleibt fraglich

Doch selbst wenn Williamson irgendwann rechtskräftig verurteilt werden sollte, ist zweifelhaft, ob das Geld je bei der Staatskasse ankommt. Wie Oberstaatsanwalt Wolfhard Meidl am Rande des Prozesses sagte, ist nicht sicher, ob die britische Justiz das Geld eintreiben würde. In dem Fall würde die deutsche Justiz dann einen Vollstreckungshaftbefehl erlassen, der allerdings nur bei einer Einreise Williamsons in Kraft gesetzt würde. Doch dass der Brite noch einmal deutschen Boden betritt, scheint kaum vorstellbar - selbst bei den deutschen Piusbrüdern ist er inzwischen unerwünscht.

Der Fall hatte die katholische Kirche in eine schwere Krise gestürzt. Denn exakt zu der Zeit, als das Fernsehinterview mit der Holocaust-Leugnung publik wurde, hatte der Vatikan die Aufhebung der Exkommunikation von Williamson und drei weiteren Bischöfen der Bruderschaft bekanntgegeben. Der Papst soll aber von den Interviewäußerungen nichts gewusst haben.

mai/AFP/DPA / DPA