Bizarrer Kannibalen-Prozess Aß er sie oder aß er sie nicht?


Ein Gericht in Koblenz hat einen mutmaßlichen Kannibalen für schuldig befunden, ihn aber dennoch freigesprochen. Der 26-Jährige soll seine Cousine ermordet und aufgegessen haben. Ob das stimmt oder nicht, ist unklar.

Ein mutmaßlicher Kannibale ist in einem Revisionsprozess des Mordes schuldig gesprochen, wegen einer Gesetzeslücke aber dennoch wie erwartet freigesprochen worden. Der 26-jährige Elektriker, der seine 22-jährige Cousine erstickt, die Leiche zerstückelt und Teile davon in seinem Backofen erhitzt und gegessen haben soll, muss nach dem Urteil des Koblenzer Landgerichts weiterhin in der Psychiatrie bleiben, wie Gerichtssprecher Ingo Steinhausen erklärte.

Das ungewöhnliche Urteil folgt einer Revision beim Bundesgerichtshof. Der Mord und die nachfolgenden Prozesse stellen einen der ungewöhnlichsten Kriminalfälle der rheinland-pfälzischen Justizgeschichte dar. Da nur der Angeklagte Revision eingelegt hatte, nicht jedoch die Staatsanwaltschaft, durfte das Urteil im zweiten Prozess für den Angeklagten nicht schlechter ausfallen als das erste. Da der Mann aber im ersten Prozess vom Totschlagsvorwurf freigesprochen worden war, konnte jetzt auch in der Zweitverhandlung kein Schuldspruch erfolgen.

Ohne ersichtlichen Grund die Cousine umgebracht

Der damals 21-jährige Elektriker soll im Januar 2002 ohne ersichtlichen Grund seine mit ihm in einer Wohnung lebende ein Jahr ältere Cousine erstickt, zerlegt und große Teile der Leiche im Backofen erhitzt haben. Einige Leichenteile blieben verschwunden, an den Resten fand die Polizei viele Reiskörner. Ob es sich tatsächlich um einen Fall von Kannibalismus handelt, blieb unklar. Der Angeklagte äußerte sich bis zum Urteil nicht zu den Vorfällen.

Im ersten Verfahren vor der Dritten großen Strafkammer des Koblenzer Landgerichts war der Mann am 1. Dezember 2003 als schuldunfähig vom Vorwurf des Totschlags freigesprochen und in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen worden. Der Angeklagte hatte allerdings Revision gegen das Urteil eingelegt. Wegen schwerwiegender Mängel im Gutachten hatte der Bundesgerichtshof das Urteil im Januar 2005 aufgehoben. Seit Juni 2005 hatte nun die Zweite große Strafkammer erneut über den bizarren Fall verhandelt, wobei wegen der Gesetzeslage von vorneherein klar war, dass der Prozess wieder mit einem Freispruch enden musste. Allerdings sprach das Gericht den Mann diesmal des Mordes für schuldig.

Damit folgte es dem Antrag der Staatsanwaltschaft: Oberstaatsanwalt Peter Schmickler hatte zuvor eine Verurteilung wegen Mordes gefordert, wie Steinhausen erklärte. Zudem sei der Angeklagte nicht schuldunfähig, sondern lediglich vermindert schuldfähig. Schmickler hatte für eine Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus plädiert.

Der Vertreter der Nebenklage hatte lediglich an den 26-Jährigen appelliert, sein Schweigen zu brechen und im Interesse der Mutter der Toten zur Aufklärung des Falles beizutragen. Der Angeklagte hatte sich nie zu den Vorwürfen geäußert, auch die Möglichkeit zu einem letzten Wort nahm er laut Steinhausen nicht wahr. Die Verteidigerin des Angeklagten, Gabriele Steck-Bromme, hatte laut Steinhausen erklärt, die Gutachten seien nicht aussagekräftig und es sei kein Tatnachweise geführt worden: Es sei unklar, wann, wo und wie die Tat abgelaufen sei. Es gebe keine ausreichenden Indizien für eine Täterschaft ihres Mandanten.

AP AP

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