HOME

BKA untersucht Verdachtsfälle: Möglicherweise weitaus mehr Opfer rechter Gewalt

Nach dem Versagen der Sicherheitsbehörden im Fall des NSU hat das BKA 3300 ungeklärte Tötungsdelikte auf rechte Tatmotive untersucht. Das Ergebnis erschreckt sogar Experten.

Die Zahl der Opfer rechter Gewalt könnte deutlich höher sein als bisher bekannt. Wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" ("NOZ") berichtet, hat das Bundeskriminalamt 3300 vollendete und versuchte Tötungsdelikte aus den Jahren zwischen 1990 und 2011 untersucht. Demnach gibt es in 746 Fällen Hinweise darauf, dass die Taten rechtsextremistisch motivert gewesen sein könnten. Bei diesen Verbrechen gab es 849 Opfer.

Bisher spricht die Bundesregierung von 60 Todesfällen, für die Neonazis verantwortlich sind. Dazu werden auch die zehn Opfer des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) gezählt. Im November 2011 war bekannt geworden, dass die Terrorzelle über Jahre unbemerkt gemordet hatte. Unentdeckt bleib der rechtsextreme Hintergrund lange Zeit, weil Ermittler zunächst eine rechtsextremistische Motivation der Taten ausgeschlossen hatten. Diesen Fehler scheinen die Sicherheitsbehörden nachträglich beheben zu wollen: Sie haben laut "NOZ" einen Indikatorenkatalog entwickelt, mit dem bisher ungelöste Fälle gefiltert wurden.

Zweifel an den offiziellen Zahlen gibt es schon lange. Recherchen des "Tagespiegels" und der "Zeit" hatten erst Anfang des Jahres ergeben, dass es seit der Wiedervereinigung mindestens 152 Todesopfer rechter Gewalt gab. Trotzdem erschreckt das Ergebnis Rechtsextremismus-Experten. So wird in einem Blogbeitrag auf "Publikative.org" befürchtet, das abschließende Ergebnis könnte "eine neue Dimension rechtextremistischer Gewalt offenbaren".

she