Blutbad in Sittensen Ahnte Danny F. die Bedrohung?

Der ermordete Wirt des Chinarestaurants in Sittensen wusste nach stern.de-Informationen vermutlich von der Bedrohung. Als ein Mitarbeiter abtauchte, soll er von "Mafia" gesprochen haben; zudem wollte er sein Restaurant verkaufen.
Von Kerstin Schneider

Nach dem mysteriösen Verschwinden seines Mitarbeiters soll der chinesische Wirt Danny F. einem Bekannten gegenüber den Verdacht geäußert haben, dass hinter dem Abtauchen des Mannes "die Mafia" stecke. Jetzt konzentriert sich die Kripo allerdings genau auf diesen Mitarbeiter als dritten Verdächtigen. Seine Handynummer stand auf einem Zettel, der im Mietwagen der beiden verhafteten Vietnamesen gefunden wurde. Nach Berichten der "Nordsee-Zeitung" ist inzwischen ein dritter Verdächtiger festgenommen worden. Ob es sich um den ehemaligen Angestellten von Danny F. handelt, ist unklar.

Sicher scheint inzwischen, dass Danny und Anny F. das China-Restaurant in Sittensen aufgeben wollten. Anny F. wollte sich in Hamburg als Schuhverkäuferin bewerben. Dafür hatte sie auch schon Bewerbungsfotos machen lassen. Darüber hinaus inserierte das Ehepaar sein Restaurant in einer kleinen chinesischen Zeitung für eine Ablösesumme von 200.000 Euro. stern.de sprach mit einer Interessentin, die sich, um das Angebot zu prüfen, die Buchhaltungsunterlagen angesehen hatte. Im vergangenen Jahr, so die Angabe der Frau, sei das Geschäft zwar noch gut gelaufen, allerdings nicht mehr so gut, wie in den Vorjahren.

Zeuge hat angeblich nichts gehört

Wie berichtet, wurden Danny und Anny F. mit fünf ihrer Mitarbeiter vor anderthalb Wochen tot in ihrem Chinarestaurant "Lin Yue" in Sittensen aufgefunden. Nach Informationen von stern.de lagen die Opfer in verschiedenen Räumen. Zwei Leichen lagen auf dem Flur, zwei hinter der Theke, eine im Vorratsraum des China-Restaurants. Zwei Opfer wurden in einem anderen Stockwerk des Hauses in zwei unterschiedlichen Wohnungen gefunden. Ein Zeuge, der sich in der Mordnacht in dem Haus befand, surfte im Internet und gab bei der Polizei an, nichts gehört zu haben.

Die beiden Vietnamesen, die von der Polizei kurz nach der Tat festgenommen, bestreiten jegliche Tatbeteiligung. Sie seien am Tatabend in einer Bremer Spielhalle gewesen, sagten sie aus. Dort hätten sie verabredet, mit Hilfe des Mietwagens einen Umzug zu organisieren. Die Anwälte der Verhafteten D. und V. Wilfried Behrendt und Matthias Koch aus Bremen warnten ausdrücklich davor, ihre Mandanten vorzuverurteilen. "Viele Vietnamesen kennen sich unter einander", sagte Strafverteidiger Wilfried Behrendt. Außerdem kritisieren die Anwälte, dass Ihnen die Akten nur unvollständig zugegangen seien. So hätten sie den Zettel mit der Handynummer des ehemaligen Mitarbeiters bislang nicht zu sehen bekommen.

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