Blutbad in Sittensen Triaden - die Black-Box der Kriminalistik


Das Blutbad in Sittensen bleibt mysteriös. Die Hintergründe der Tat sind ungeklärt, die Behörden schweigen. stern.de sprach mit zwei Experten für Organisierte Kriminalität. Fazit: Über chinesiche Triaden, die verdächtigt werden, weiß man wenig.

Wer ist für das Blutbad in Sittensen verantwortlich? Ein Familiendrama war es wohl nicht. "Mit Eifersucht hat das Ganze nichts zu tun", so Jürgen Roth, Publizist und Experte für Organisierte Kriminalität. Wahrscheinlicher ist, dass in Sittensen Triaden gegeneinander kämpften oder an den Inhabern wurde ein Exempel statuiert wurde- vielleicht geht es um Schutzgelderpressung? In jedem Fall deutet das Verbrechen auf die Organisierte Kriminalität. Das glauben sowohl Roth als auch Robert F. J. Harnischmacher, Chef des Beratungsunternehmens International Security and Media Consulting und Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Kriminologie der Ruhr-Universität Bochum.

Allein der Ort - ein Restaurant in der Ortsmitte - ließe darauf schließen, dass es den Tätern darum gegangen sei, öffentlich ein Zeichen zu setzen, so Hirschmacher. "Das organisierte Verbrechen braucht in manchen Fällen die Öffentlichkeit wie der Fisch das Wasser." Die Wirkung, die erzeugt werden soll, sei ähnlich der Wirkung terroristischer Anschläge. Und da es sich hier um ein China-Restaurant handelt, könnten Triaden involiert sein - die fernöstliche Variante der Mafia.

Erforschung der Triaden eingeschlafen

Im Gegensatz zu terroristischen Aktivitäten, die seit 2001 im Fokus der Ermittlungen liegen, sind die Machenschaften asitischer Clans aus dem Blickfeld geraten. Die Strukturen und Methoden der verschiedenen Triadenclans in Deutschland - das waren bis gestern Themen aus der Vergangenheit. Vor allem in den 80er und 90er Jahren waren China-Restaurants immer wieder als Umschlagplätze für Rauschgift, als Geldwaschbetriebe oder als Tatorte für Schutzgelderpressung im Gespräch. Das BKA hatte eine eigene Abteilung, die sich mit den Machenschaften der Triaden, Yakuza und anderen asiatischen Gangstern beschäftigte. Aber seit den 90er Jahren ist es ruhig geworden. "Seit Jahren gibt es keine Ermittlungen mehr in diesem Bereich", sagt Jürgen Roth.

Ähnlich argumentiert Harnischmacher. Weil Ruhe herrsche, wisse man wenig über die aktuellen Strukturen und Geschäfte der chinesischen Mafia - obwohl davon auszugehen sei, dass im wirtschaftlich prosperierenden China die Macht der Triaden gewachsen sei und sich dies auch in Westeuropa bemerkbar machen müsse. Man könne gleichwohl davon ausgehen, dass chinesische Restaurants wichtige eine wichtige Rolle für die Triaden spielten.

Aufklärung extrem schwierig

Hinsichtlich der Aufklärung der Sittenser Blutbades erwartet Harnischmacher große Probleme - sollten Triaden dahinter stecken: "In diesem Milieu hat man es nicht nur mit den verschiedensten chinesischen Dialekten zu tun; vielfach wird auch auf Gebärdensprache als Kommunikationsmittel zugegriffen." Zudem bedienten sich Triaden und andere asiatischen Gruppen vielfach der Strukturen anderer krimineller Organisationen, beispielsweise aus Osteuropa. Dadurch wisse man nie, auf welchen Wegen Geld, Drogen oder Menschen unterwegs seien.

Tim Braun

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker