Blutbad von Sittensen Ein Tatverdächtiger ist polizeibekannt

Einer der beiden Tatverdächtigen des Blutbads von Sittensen ist der Polizei schon länger bekannt. Gegen den Vietnamesen D. wurde schon wegen Körperverletzung und Erpressung ermittelt. Sein Anwalt hat Haftbeschwerde eingelegt. stern.de sprach mit den letzten Gästen des Restaurants.
Von Kerstin Schneider

Die Polizei hat im Zusammenhang mit dem siebenfachen Mord in Sittensen zwei verdächtige Vietnamesen festgenommen. Die beiden Männer D. und V. sind 31 und 29 Jahre alt, wohnen seit mehreren Jahren in Bremen. Während der Verdächtige V. bei der Polizei bislang nicht in Erscheinung getreten ist, wurde gegen D. schon wegen Körperverletzung und Erpressung ermittelt. Der Anwalt von D. Wilfried Behrendt aus Bremen hat bereits Haftbeschwerde eingelegt. “Mein Mandant ist entsetzt. Er weiß gar nicht, warum er verhaftet wurde”, sagte er zu stern.de.

Gegen die beiden Männer wurde Haftbefehl wegen Mordes erlassen. Autobahnpolizisten hatten routinemäßig den blauen VW-Polo gestoppt. Den Beamten war das Kennzeichen aufgefallen. Da es mit den Buchstaben "DN" begann, hatten die Polizisten den Verdacht, dass es sich um einen Mietwagen handeln könnte. Der Fahrer konnte sich nicht ausweisen. In einer Tasche fanden die Polizisten eine geringe Menge Kokain. Außerdem sei ein handgeschriebener Zettel gefunden worden, bei dem es sich um eine Skizze vom Tatort handeln könnte.

Den letzten Gästen im "Lin Yue" fiel nichts Ungewöhnliches auf. "Es war wie immer", sagte Susanne K. stern.de. Gegen 20 Uhr kam die Hausfrau mit ihrem Mann Carsten K. am Tatabend in das chinesische Restaurant in Sittensen. Susanne K. bestellte Garnelen, die eigentlich mit Tomatensauce serviert werden. Doch Danny machte, wie sooft für seine Stammkundin eine Ausnahme und ließ ihr für sie eine besondere Spezialität zubereiten: eine Ingwer-Soja-Sauce nach Art des Hauses. Ihr Mann Carsten entschied sich für eine Platte mit Hühnerfilet. Die Stimmung im Restaurant war gut. Danny scherzte mit einer Bedienung, sprach ihren Namen absichtlich falsch aus. "Das waren so nette Hänseleien, es wurde gelacht", erinnert sich Susanne K. Die zweijährige Tochter von Anny und Danny war auch im Restaurant. Lief ihrem Vater immer hinterher. "Da tut einem richtig das Herz weh, wenn man jetzt daran denkt", sagt Susanne K.

Nach und nach verabschiedeten sich die Gäste. Am Ende saßen nur noch Susanne und Carsten K. im Restaurant. Anny und Danny setzten sich zu ihren Gästen. Carsten K. sprach mit Danny über einen chinesischen Film, den er gesehen hatte. Anny wollte Kinderlieder für ihre Tochter auf CD brennen, hatte jedoch Probleme mit dem Format. Carsten K. versprach, ihr zu helfen. Gegen 22.30 Uhr verließ das Ehepaar das Restaurant. Zuhause setzte sich Carsten K. gleich an den Computer. Es dauerte nicht lange, bis er eine Lösung für Anny fand. Er schrieb der Gastwirtin eine mail, rief noch einmal an. "Die wirkten auch am Telefon völlig normal. Man hat keinerlei Spannungen gespürt", erinnert sich Susanne K. Kurz darauf waren der Wirt und seine Frau tot. "Das waren sehr liebe Leute, die man nie vergessen wird."


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