Bluttat in Liverpool Polizei nimmt Mord-Verdächtige fest


Weitere Festnahmen nach dem grausamen Mord an dem elfjährigen Rhys Jones in Liverpool: Fünf Jugendliche im Alter von 15 bis 19 wurden verhaftet. Auch Mädchen sind darunter. Aber die Polizei kämpft gegen eine Mauer des Schweigens.

Nach dem Mord an einem elf Jahre alten Jungen in Liverpool hat die Polizei fünf weitere Jugendliche festgenommen. Darunter seien auch zwei Mädchen im Alter von 15 und 18 Jahren, teilte die Behörde mit. Außerdem handle es sich um 15, 16 und 19 Jahre alte Jungen aus der Nachbarschaft. "Wir sind zuversichtlich, dass wir dieses Verbrechen aufklären werden, und wir wollen das so schnell wie möglich tun", sagte Superintendent Chris Armitt zuvor. "Wir werden den Killer überführen."

Ein 15-Jähriger, der bereits am Freitag festgenommen worden war, wurde am Samstag noch verhört. Der Junge Rhys Jones war am Mittwoch auf dem Heimweg vom Fußballspielen in dem Liverpooler Stadtviertel Croxteth mit einem Schuss in den Nacken niedergestreckt worden. Der Täter entkam auf einem BMX-Fahrrad. Es wird vermutet, dass es sich um einen Jugendlichen handelt. Ob die insgesamt sechs Festgenommenen als mögliche Täter oder Zeugen verhört werden, war unklar. Nach Angaben des "Daily Mirror" hatten mindestens 15 Kinder und Jugendliche den Mord genau gesehen.

Gangprobleme in Croxteth

In Croxteth gibt es Probleme mit rivalisierenden Jugendgangs. Die Anwohner müssten "sich erheben" und gegen den Killer und "die Banden-Kultur" aufstehen, sagte Armitt. Alle, die Informationen zu der Tat haben, "müssen sich selbst anschauen und ihr Gewissen befragen". Es gebe mehr Menschen, die etwas über den Fall wissen, kritisierte er, "wir wollen diese Informationen so schnell wie möglich". Die Zeugen würden anonym und geschützt bleiben.

In der Gegend, in der der fußballbegeisterte Junge getötet wurde, herrschte nach Angaben von mehreren Zeitungen ein "Bandenkrieg" unter den Teenagern der Viertel Croxteth und Norris Green. Dabei gehe es vor allem um Drogengeschäfte und Fragen von Respekt und Ehre, schreibt die "Times". Waffen seien sehr leicht zu besorgen und einzusetzen, sagte ein Gangmitglied dem "Guardian". Die Polizei betonte, in der Gegend seien bis 2004 Drogenbanden unterwegs gewesen, danach hätten sie sich zerschlagen. "99,9 Prozent der Anwohner sind gesetzestreu", sagte Armitt.

Die Polizei bekam unter anderem die Erlaubnis, die Menschen auf den Straßen in und um Croxteth zu durchsuchen. Die Zeitung "The Sun" schrieb 100 000 Pfund (150 000 Euro) für Hinweise auf den Täter aus. Zwei gleich nach der Tat Festgenommene wurden schon am Tag danach wieder freigelassen worden.

Die Polizei plante am Abend einen weiteren Aufruf vor bis zu 40 000 Fußballfans. Vor dem Spiel von Rhys’ Lieblingsclub Everton gegen die Blackburn Rovers sollte zudem eine Schweigeminute gehalten werden. Auch Rhys’ Familie wollte zu dem Spiel kommen. Am Tag zuvor hatten Mutter und Vater Jones am Tatort Blumen niedergelegt, mit dem Schriftzug "Gute Nacht und Gott segne Dich, bis wir uns wieder sehen. All unsere Liebe und Küsse, von Mami, Papi und Owen (Rhys’ Bruder)." Auch Freunde und Anwohner legten Blumen, Stofftiere und Botschaften nieder. Auf vielen stand lediglich "Warum?".

Unterdessen erschütterte eine weitere Bluttat die Stadt. Zwei Türsteher in Liverpool wurden in der Nacht zum Samstag angeschossen und schwer verletzt. Die beiden Taten stehen aber wahrscheinlich nicht im Zusammenhang.

AP/DPA AP DPA

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