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Bluttat von Lörrach: Amokläuferin erstickte ihren Sohn

Die Amokläuferin von Lörräch hat ihren Sohn zunächst bewusstlos geschlagen und dann mit einer Plastiktüte erstickt. Das ergab die Obduktion des Fünfjährigen.

Die Amokschützin von Lörrach hat ihren Mann mit zwei Schüssen in Kopf und Hals getötet sowie ihren kleinen Sohn bewusstlos geschlagen und mit einer Plastiktüte erstickt. Das habe die Obduktion der Leichen ergeben, erklärte die Polizei am Dienstag. Die 41-Jährige hatte erst ihre Familie getötet und dann die Wohnung in Brand gesteckt. Danach war sie ins benachbarte St. Elisabethen-Krankenhaus gestürmt und hatte dort einen Pfleger erschossen. Mit 17 Schüssen aus Polizeiwaffen war die Sportschützin dann im Krankenhaus von Beamten erschossen worden.

Unterdessen ist erneut eine Debatte um das Waffenrecht entbrannt. Die Grünen werfen der Regierung Versäumnisse beim Waffenrecht vor. "Es ist ein skandalöser Umstand, dass wir anderthalb Jahre nach Winnenden schon wieder um die Opfer eines tragischen Amoklaufs trauern müssen", sagt Parteichefin Claudia Roth. Sportwaffen müssten aus privaten Wohnungen verbannt werden. "Waffen haben zu Hause nichts zu suchen."

Tickende Zeitbomben

Roth kritisierte, dass sich Millionen Waffen in Deutschland legal in Privatbesitz befänden. "Während die schwarz-gelbe Bundesregierung vor der Waffenlobby und den Schützenverbänden einknickt und sich konsequenten Waffenverboten verweigert, bleiben die tödlichen Schusswaffen in Privathaushalten tickende Zeitbomben, die Menschenleben gefährden." Schießsport mit tödlichen Waffen müsse generell verboten werden.

Polizei und FDP lehnen eine Verschärfung jedoch ab. "Wir müssen erst mal die Novellierung, die wir nach Winnenden haben, in die Praxis umsetzen", sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, am Dienstag im ZDF-Morgenmagazin. Die Kommunen könnten schon jetzt die sichere Aufbewahrung von Waffen kontrollieren - unabhängig davon, ob ein Verdacht besteht. Doch dies scheitere vielerorts am mangelnden Personal.

Nach Angaben des Deutschen Schützenbundes war die Amokläuferin bereits 1996 aus dem Schützenverein ausgetreten, hatte ihre Waffe aber behalten. "Dies wäre heute so nicht mehr möglich", sagt ein Sprecher. Das geltende Recht hätte den Amoklauf verhindern können.

Seit 2003 muss ein Schützenverein jeden Austritt der kommunalen Behörde melden. Diese prüft dann, ob der Ausgetretene weiterhin ein berechtigtes "Bedürfnis" habe, eine Waffe zu besitzen. Schießt ein Sportschütze nicht mehr regelmäßig im Verein, müsse ihm die Waffe jetzt in der Regel abgenommen werden. "Natürlich werden jetzt Generalverdächtigungen über die ganzen Schützen ausgebreitet." Aber die Schützenvereine seien an strenge gesetzliche Vorgaben gebunden: "Wir haben in Deutschland schon mit eines der strengsten Waffengesetze der Welt."

"Absolute Sicherheit gibt es nicht"

Die Fraktionschefin der FDP im Bundestag, Birgit Homburger, mahnte striktere Kontrollen von Waffenbesitzern an. "Die Aufbewahrungsvorschriften müssen stärker überprüft werden", sagte sie am Dienstag in Stuttgart. Eine generelle Verschärfung des Waffenrechts lehnte Homburger ab. Sie glaube nicht, dass es eine Debatte um das Waffenrecht brauche. Der Amoklauf zeige, dass es absolute Sicherheit nicht geben könne.

Die Hinterbliebenen des Amoklaufs von Winnenden forderten dagegen eine erneute Verschärfung. "Man muss die Waffen aus den Privathaushalten verbannen", sagte Hardy Schober, Mitbegründer des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden. "Die Amokläuferin in Lörrach war eine Sportschützin und war aus dem Schützenverein ausgetreten. Warum musste sie die Waffen nicht abgeben? Zumal sie psychisch labil war." Nichts spreche dagegen "Waffen zentral und gut gesichert aufzubewahren."

Bei der Bluttat am Sonntagabend in Lörrach hatte eine 41-jährige Frau ihren Mann erschossen. Sie ist vermutlich auch für den Tod ihres fünf Jahre alten gemeinsamen Sohnes verantwortlich. Die beiden Leichen wurden in ihrer Wohnung gefunden. Danach stürmte sie in ein benachbartes Krankenhaus, tötete dort einen Pfleger und wurde kurz darauf von der Polizei erschossen.

Die Obduktion der Leichen soll Aufschluss über den genauen Tathergang. Im Laufe des Tages rechnet die Polizei mit weiteren Ergebnissen, sagte ein Sprecher am Dienstag. Die Spurensicherung an den Tatorten sei abgeschlossen, ebenso die Befragung von Zeugen.

In Winnenden - ebenfalls Baden-Württemberg - hatte ein Jugendlicher im März vergangenen Jahres mit der Waffe seines Vaters, eines Sportschützen, 15 Menschen und sich selbst erschossen. Anschließend war das Waffenrecht verschärft worden. Vor dem Landgericht Stuttgart wurde am Dienstag der Prozess gegen Vater des Amokläufers von Winnenden fortgesetzt. Der Sportschütze wird beschuldigt, die Tatwaffe im unverschlossenen Schlafzimmerschrank aufbewahrt und damit gegen das Waffengesetz verstoßen zu haben.

DPA/fo / DPA