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Bolivien: Aufruhr in Gefängnisstadt fordert Dutzende Tote

Ein Machtkampf unter Häftlingsgruppen hat in einem bolivianischen Gefängnis mehr als 30 Todesopfer gefordert. Die Häftlinge sind sich selbst überlassen, die Wärter trauen sich kaum in die Haftanstalt.

Die Tragödie in der bolivianischen Gefangenenstadt Palmasola beginnt gegen Morgengrauen. Im Sicherheitstrakt Chonchocorito, der rund 500 der insgesamt 5200 Häftlinge der Anstalt beherbergt, dringen um 5.30 Uhr bewaffnete Häftlinge des Sektors B in den Sektor A ein. Ziel ihres Angriffs sind - so berichtet die Zeitung "La Razón" - jene Gefangenen, die das Areal kontrollieren - und Neuankömmlingen einen Betrag von zwischen 200 Bolivianos und 2500 Dollar (20 bis 1900 Euro) abverlangen. Für Schutz und einen Schlafplatz in dem völlig überfüllten Gefängnis.

Die Angreifer tragen Messer und Gasflaschen-Flammenwerfer, möglicherweise auch Schusswaffen und Dynamit. Bei dem Angriff fangen die mit Stroh gefüllten Matratzen sofort Feuer, drei Gasflaschen explodieren. Ein Inferno bricht aus, das viele Häftlinge im Schlaf überrascht. Gegen 7.00 Uhr dringen 700 Polizisten in den Bereich ein, um die Kontrolle zu übernehmen, den Brand zu löschen und die Opfer zu bergen. Erst nach zwei Stunden haben sie dem Bericht zufolge die Unruhen und den Brand unter Kontrolle.

Parallelwelt Palmasola

Die Bilanz ist verheerend: Mehr als 30 Menschen kommen um, mindestens 50 werden verletzt, wie die Zeitung "El Deber" unter Berufung auf verschiedene Krankenhäuser in Santa Cruz de la Sierra berichtete. Drei Verletzte waren demnach noch in kritischem Zustand. Die meisten Opfer erleiden Verbrennungen. Unterdessen versammeln sich vor dem Gefängnis im strömenden Regen Angehörige, die um inhaftierte Freunde und Verwandte bangen.

Meutereien und Brände mit vielen Opfern sind in südamerikanischen Gefängnissen keine Seltenheit, auch weil die Anstalten chronisch überfüllt sind. Das Gefängnis von Palmasola, in Santa Cruz de la Sierra, ist jedoch schon durch seine schiere Größe ein Sonderfall.

Die rund 5200 Häftlinge verwalten sich selbst - unter Ausschluss der Strafvollzugsbehörden, die sich weitgehend auf die Bewachung von außen beschränken. So floriert hinter den Mauern eine Parallelwelt, ein Staat im Staat. Bei dem Vorfall am Freitag ging es wohl um die Kontrolle von Wetten und Drogenhandel, aber auch um den Erlös jener "Steuern", die neuen Insassen für Wohnplatz und Schutz abgepresst werden. Der "Immobilienmarkt" in Palmasola steht unter hohem Nachfrage-Druck: In einer Zelle schlafen auf rund 40 Quadratmetern bis zu 50 Menschen.

Gefängnis als Touristenmagnet

"Viele Haftanstalten werden von den Häftlingen geleitet", gab Innenminister Carlos Romero nach dem Drama zu. Er kündigte eine Umwandlung des Strafvollzugs an. Ob der Vorsatz hält, ist fraglich. Die Regierung hatte bereits den Abbau der autonomen Haftanstalt San Pedro in der Hauptstadt La Paz angekündigt, scheiterte aber.

Das Gefängnis wurde jahrelang von internationalen Reiseführern als Reiseziel in La Paz empfohlen - den Häftlingen bescherte das eine zusätzliche Einnahmequelle. Bei der letzten Razzia in San Pedro hob die Polizei eine Chicha-Brauerei aus. Das bierartige Getränk wurde von den Häftlingen aus Reis, Kartoffeln und Karotten angefertigt. In Palmasola berichten Besucher von Schneider- und Schreinerwerkstätten, Friseursalons, Apotheken und Restaurants, alles von Insassen verwaltet. Die Behörden bitten die Häftlinge sogar um Schutz, um sicher die Anstalt durchkreuzen zu können.

Unter den Toten in Palmasola ist ein Kind von 18 Monaten. Das Gesetz erlaubt den Häftlingen, mit ihren bis zu 6-jährigen Kindern zu leben. Insgesamt wurden im vergangenen November etwa 1500 Kinder in den Haftanstalten des Landes gezählt, 752 davon in Palmasola.

Die Parlamentsvorsitzende Betty Tejada forderte eine Gesetzesänderung, um Kinder aus den Haftanstalten holen zu können. Ombudsman Hernán Cabrera zeigte sich skeptisch. Er hatte die Notwendigkeit der Kinderbetreuung außerhalb der Haftanstalten bereits vor einem Jahr gefordert, ohne Erfolg.

tkr/Juan Garff/DPA / DPA
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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.