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Bombendrohung gegen Dortmunder Stadion Harmloser Wichtigtuer oder gefährlicher Psychopath?


Nach dem Sprengstofffund beim Dortmunder Stadion ist ein 25-Jähriger im Fokus, zu dem es viele Spekulationen gibt. Auch die, dass er ein gefährlicher Psychopath ist.
Von Manuela Pfohl

Seit heute, am Freitag, bekannt wurde, dass er sich um Alexander K. kümmert, steht das Telefon beim Kölner Strafverteidiger Wolfgang Heer nicht mehr still. Die halbe Republik will wissen, was es mit seinem Mandanten und dessen Bombendrohung gegen das Dortmunder Stadion auf sich hat. Heer bemüht sich um Freundlichkeit, auch wenn es ihm angesichts der vielen wilden Gerüchte, die ins Kraut schießen, mitunter schwer fallen dürfte. Ein Psychopath soll sein Mandant sein. Heer sagt: "Das ist doch ausgemachter Blödsinn."

Und dennoch behaupten einige Fachleute, schon den genauen Durchblick zu haben: "Wir müssen von einem unberechenbaren und brandgefährlichen Menschen ausgehen (...)", sagte der Psychotherapeut und Traumatologe Christian Lüdke am Freitag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur DPA. Und: "Man muss so einen Fall immer ernst nehmen. Es ist hohe kriminelle Energie im Spiel." Heer schüttelt darüber nur den Kopf. Und einer der beteiligten Ermittler meint im Gespräch mit stern.de solche Äußerungen seien unverantwortlich.

Auch im Bundeskriminalamt (BKA) herrscht zunächst Zurückhaltung. Zwar räumt man Alexander K. eine erhebliche Beharrlichkeit ein. Immerhin hatte er verdeckt über eine internationale E-Mail-Adresse mit den Behörden kommuniziert. Und er schien über umfangreiche Kenntnisse beim Bau von so genannten unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen (USBV) zu verfügen. Dennoch dämpft BKA-Chef Jörg Ziercke die Aufregung. Offenbar habe der Mann die Behörden erpressen wollen. "Er wollte ein gesichertes Leben danach, er wollte letztlich Geld von uns, und die Chance habe ich ihm natürlich nicht gegeben", sagte der BKA-Chef am Donnerstag der ARD.

"Wenn ich nicht geliebt werde, werde ich wenigstens gehasst"

Seltsam bleibt der Fall Alexander K. allerdings trotzdem. Der bis jetzt unbescholtene 25-Jährige, der am Mittwoch in einem Kölner Hotel festgenommen wurde, hatte in seiner ersten Vernehmung gestanden, dass er im Februar bei der Deutschen Botschaft in Pakistan anonym zwei Anschläge angedroht hatte. Jetzt behauptet er zwar, er hätte diese Anschlagspläne einer angeblich islamistischen Gruppe nur erfunden. Gleichzeitig sagte er jedoch aus, im Bereich des Dortmunder Westfalenstadions drei Sprengsätze abgelegt zu haben. Auch in seiner Wohnung würden drei Sprengsätze lagern. Und tatsächlich: Als Beamte des BKA und des Landeskriminalamtes (LKA) am Mittwoch die Umgebung des Dortmunder "Signal Iduna Parks" filzen, finden sie drei "sprengstoffverdächtige Gegenstände".

Und in der Wohnung des 25-Jährigen in einem roten Backsteinhaus im noblen Krefelder Musikantenviertel lagern ebenfalls Sprengmaterial und Chemikalien. Und nicht nur die Nachbarn fragen sich: Warum tut einer so etwas? Psychotherapeut Lüdke hat auch darauf schon eine Antwort. "Sein familiärer Hintergrund deutet darauf hin, dass er nicht materiell verwahrlost war." Es sei aber nicht auszuschließen, dass Alexander K. "emotional verwahrlost" sei. "Psychopathen handeln oft nach dem inneren Drehbuch: Wenn ich nicht geliebt werde, dann werde ich wenigstens gehasst - und damit endlich wahrgenommen."

"Die Eltern fielen aus allen Wolken"

Im Gespräch mit dem regionalen Online-Auftritt von "RP Online" erklärten Nachbarn gestern, dass sie sich kaum vorstellen können, dass Alexander K. wirklich der brutale Psychopath ist, zu dem er jetzt erklärt wird. Einer sagte dem Blatt: "Die Eltern fielen aus allen Wolken, als sie das hörten. Der war immer ein superfreundlicher Mann, gut und unauffällig gekleidet, immer höflich." Einer sagt: "Der hat unseres Wissens studiert." Doch taugt das zur Entlastung? Verteidiger Heer sagt: "Ich habe die Familie kennengelernt. Das was über Alexander K. behauptet wird, ist doch völlig an den Haaren herbeigezogen. Die Familie lebt in absolut ordentlichen Verhältnissen." Für ihn ist absurd, was Lüdke vermutet.

Lüdke, als Therapeut auf Fälle von Gewalt und Kriminalität spezialisiert, betont: "Es geht dem Täter darum, Angst und Schrecken zu verbreiten und Machtgefühle zu erleben." Es handele sich bei dem mutmaßlichen Erpresser sicherlich um einen "real gefährlichen" Menschen, der trotz seines noch recht jungen Alters offenbar schon einmal auffällig geworden sei. Damit meinte der Fachmann Hinweise, die die Beamten entdeckten, als sie den Computer von Alexander K. checkten. In einer Erklärung des BKA heißt es dazu: "Der mögliche Zusammenhang auf eine versuchte Erpressung zum Nachteil eines Wirtschaftsunternehmens im Jahr 2010 hat sich bestätigt."

stern.de sagt ein Ermittler: "Wir werden noch eine ganze Weile brauchen, ehe wir wirklich wissen, was hinter der ganzen Geschichte steckt und was der Typ für einer ist."

Mit DPA

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