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Brand in Obdachlosenheim: Richter erlässt Haftbefehl gegen Verdächtigen

Es war ein verheerendes Feuer, dem vier Männer nicht entkommen konnten. Sie starben in den Flammen, als ein Obdachlosenheim in Calw brannte. Ein Richter hat inzwischen Haftbefehl gegen einen Verdächtigen erlassen, der das Feuer gelegt haben soll.

Es ist eine Mischung aus Erleichterung und Entsetzen: Gerade hat der Calwer Polizeichef Joachim Kurz gemeinsam mit dem leitenden Tübinger Staatsanwalt Walter Vollmer verkündet, dass der mutmaßliche Brandstifter von Calw (Baden-Württemberg) gefasst ist. Doch es schwingt Entsetzen in seinen Worten mit, wenn Kurz davon berichtet, wie der 22-Jährige die Brandstiftung in dem Obdachlosenwohnheim eingeräumt hat: Regungslos und ohne einen Ausdruck von Reue oder Bedauern habe er den Hergang detailliert geschildert, berichten die Ermittler. Inzwischen hat ein Richter Haftbefehl wegen vierfachen Mordes erlassen.

Der arbeitslose, angelernte Maler habe sich am frühen Mittwochmorgen nach eigener Aussage selbst das Leben nehmen wollen, dann habe ihn aber der Mut verlassen. Schließlich habe er nachts das Haus verlassen, ohne sich um den zuvor entzündeten Brand zu kümmern. Die Folge: Vier Tote, zwei Schwerverletzte und mehr als 800.000 Euro Schaden an dem Heim mitten in der Calwer Innenstadt, in welchem der 22-Jährige ein Einzelzimmer hatte. Mit ihm lebten elf weitere ehemals Wohnungslose in dem Gebäude des diakonischen Sozialunternehmens Erlacher Höhe. Nur vier von ihnen entkamen der Katastrophe ohne Verletzungen.

Vergebliche Flucht zum Bruder

Im etwa 50 Kilometer entfernten Waiblingen hatte die Kriminalpolizei den 22-Jährigen am Donnerstagmittag aufgegriffen. Nachdem er das in Brand gesteckte Haus mit einem Rucksack verlassen hatte, war er zu seinem Bruder nach Winnenden (Rems-Murr-Kreis) gefahren, um dort Unterschlupf zu finden. Dem Bruder erzählte er, er sei aus dem Obdachlosenheim "rausgeflogen", dennoch nahm ihn dieser nicht auf. Die Polizei suchte den 22-Jährigen zunächst als Zeugen und fragte bei dessen Bruder nach. Dieser brachte die Beamten schließlich auf die Spur.

Der introvertierte und wortkarge junge Mann ließ sich ohne Gegenwehr in der Waiblinger Innenstadt festnehmen. Polizeilich war der 22-Jährige bis dato nicht aufgefallen. Nach aktuellen Erkenntnissen der Ermittler war er wohl trotz seiner depressiven Grundstimmung auch weder in psychischer noch psychotherapeutischer Behandlung.

Staatsanwalt äußert Zweifel an Selbstmord-Absicht

Staatsanwalt Vollmer äußerte allerdings indirekt Zweifel an der Darstellung des jungen Mann zu seinem angeblich geplanten Selbstmord. Obwohl der 22-Jährige angegeben hatte, dass er "des Lebens müde gewesen ist", sei man weiter auf der Suche nach dem genauen Motiv, erklärte Vollmer.

Und einige Details zum Brand hielt der Staatsanwalt auch zurück: "Das ist Täterwissen", betonte er. Angesichts der weiter notwendigen Ermittlungen könne er diese Informationen zum jetzigen Zeitpunkt nicht preisgeben. Keine weiteren Details wollte die Polizei auch zu den vier Todesopfern geben. Zuerst müssten die Angehörigen informiert werden. Sicher sei nur, dass alle, bis auf einen Bewohner, bereits längere Zeit in der Obhut des Heims gewesen seien.

DPA / DPA
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