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Tochter und Neffe sehen zu 84-Jährige kämpft monatelang auf der Couch mit dem Tod

Brandenburg: Fünf Monate lang musste eine 84-Jährige sich quälen (Symbolbild)
Brandenburg: Fünf Monate lang musste eine 84-Jährige sich quälen, weil ihre eigene Tochter und eigener Neffe ihr keine Hilfe leisteten (Symbolbild)
© Oliver Berg/Picture Alliance/DPA / Picture Alliance
Fünf Monate lang lag die todkranke Liselotte B. hilflos auf der Couch, bis sie schließlich starb. Ihre Tochter und Neffe sahen die ganze Zeit tatenlos zu. Am Mittwoch wurden sie dafür verurteilt.

Monatelang versagten die 47-jährige Anke B. und der 62-jährige Wolfgang K. ihrer krebskranken und schwer verletzten Mutter und Tante jede Hilfe. Am Mittwoch wurden sie dafür vor dem Amtsgericht in Oranienburg in Abwesenheit zu einer Geldstrafe verurteilt. 1500 Euro für die Tochter, 1350 Euro für den Neffen. Sollten die Strafen nicht bezahlt werden, müssen die beiden in Haft. Nach Angaben des Gerichtsdirektors Olaf Adamus drohen Anke B. in diesem Fall 100 Tage Gefängnis, Woldgang K. nur 90 Tage. Das berichtet die Lokalzeitung "Märkische Allgemeine".

Im Dezember 2013 war die 84-jährige Liselotte B. in ihrem Haus in Leegebruch (Brandenburg) gestürzt. Dabei zog sie sich eine Oberschenkelhalsfraktur zu. Ihre Tochter und ihr Neffe, die zusammen mit der alten Frau in dem Haus wohnten, riefen damals jedoch "aus Gleichgültigkeit nicht den Rettungsdienst“, zitiert das Blatt die Anklage. Eine Notversorgung sei ebenfalls nicht veranlasst worden. Außerdem blieb eine bereits 2009 festgestellte Brustkrebserkrankung unbehandelt.

Tochter und Neffe seit Wochen verschwunden

Monatelang musste die alte Frau höllische Schmerzen erleiden. Bis am 24. April 2014 ein Nachbar sie bewusstlos in ihrem Haus auffand. "Eines Nachts klopfte ihr Neffe bei uns", erzählte Sebastian Wohler der "Bild"-Zeitung. "Seiner Tante ginge es schlecht. Wir fanden sie röchelnd, ohne Bewusstsein, mit blauen Armen und Beinen und wundgelegenem Rücken auf dem Sofa."

Wie die "Märkische Allgemeine" berichtet, wurde bei der Frau außer der Oberschenkelhalsfraktur ein Wundgeschwür 4. Grades im Rückenbereich diagnostiziert. Die Rentnerin befand sich aufgrund eines desaströsen Pflege- und Ernährungszustands in akuuter Lebensgefahr, wie die Ärzte in der Klinik feststellen mussten. Am 16. Mai 2014 verstarb sie schließlich im Krankenhaus an einer Lungenentzündung.

Bis zu dem Tod ihrer Mutter und Tante lebten Anke B. und Wolfgang K. von der Rente der Seniorin. Wo sie sich zur Zeit aufhalten, ist nicht bekannt. Das Haus, in dem die beiden gemeldet sind, steht seit einigen Wochen leer.

ivi

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