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Brandenburg: Babys ertränkt und verhungert

Eine grausame Serie: Innerhalb von 14 Tagen sind in Brandenburg drei Babys getötet worden. Beim jüngsten Fall hat in Lübben eine 22-Jährige ihr Neugeborenes in der Badewanne ertränkt. Die Mutter soll Anfang der Woche dem Haftrichter vorgeführt werden.

In Brandenburg sind binnen zwei Wochen drei getötete Babys gefunden worden. Eine 22-Jährige aus Lübben gestand, ihr Neugeborenes in einer Badewanne ertränkt zu haben, wie der Sprecher der Cottbuser Staatsanwaltschaft, Horst Nothbaum, sagte. Ein Verwandter hatte das tote Mädchen am Samstag im Bett der Mutter entdeckt. Erst am vergangenen Freitag hatte der Hungertod des sechs Monate alten Florian aus Frankfurt (Oder) für Entsetzen gesorgt. Dessen Eltern sitzen wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. In Nauen starb ein Säugling, nachdem die Mutter ihn nach Auskunft ihres Anwalts in eine Plastiktüte gesteckt hatte. Die Leiche wurde am 5. Februar gefunden. Gegen die 21-Jährige erging Haftbefehl.

Die junge Frau aus Lübben soll an diesem Montag dem Haftrichter vorgeführt werden - die Staatsanwaltschaft geht von Totschlag aus. Die Mutter habe gestanden, das Mädchen heimlich in ihrer Wohnung zur Welt gebracht und wenig später getötet zu haben, sagte Nothbaum. Das Motiv der 22-Jährigen liege noch im Dunkeln. "Die Angaben der Frau stimmen mit dem vorläufigen Obduktionsergebnis überein." Demnach war das kleine Mädchen "lebensfähig", es starb durch Ertrinken. Die Tat hatte sich bereits in der Nacht zum vergangenen Mittwoch ereignet. Angaben zum Kindesvater machte die festgenommene Frau bisher nicht.

Junge Eltern seien oft überfordert

Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) zeigte sich angesichts der Vorfälle geschockt und mahnte eine "Gemeinschaft des Kümmerns" an. Nach Angaben des Kriminologen Christian Pfeiffer werden im Osten Deutschlands drei- bis viermal häufiger Kinder von ihren Eltern getötet als im Westen. "Vermutlich ist eine Ursache, dass es im Osten mehr junge Mütter gibt, die in sozialer Isolation und Armut aufwachsen und überfordert sind mit ihrer Mutterrolle", sagte der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen.

"Oft versuchen es die jungen Eltern zunächst, ihr Kind aufzuziehen, sind dann aber völlig überfordert und irgendwann passiert es, dass Vater oder Mutter das Kind zu Tode schütteln oder es nicht mehr versorgen." So gestand die Mutter des kleinen Florian aus Frankfurt (Oder), dem Kind immer weniger zu essen gegeben zu haben, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Michael Neff, sagte. Florian habe bei seinem Tod weniger als zur Geburt gewogen. "Wir gehen davon aus, dass die Eltern das Kind über einen längeren Zeitraum nicht ausreichend versorgt haben." Damit sei das Mordmerkmal niederer Beweggründe erfüllt. Das Motiv ist zunächst noch unklar.

Sowohl Platzeck als auch Brandenburgs Sozialministerin Dagmar Ziegler (SPD) sprachen sich für einen weiteren Ausbau der Netzwerke "Gesunde Kinder" aus, in denen junge Schwangere intensiv betreut werden. Eine Legalisierung der anonymen Geburt, wie sie die CDU- Abgeordnete Roswitha Schier forderte, lehnte Ziegler ab. "Für die Mutter mag dies eine vermeintlich gute Lösung sein, die Kinder jedoch leiden das Leben lang unter Spätfolgen, weil sie nicht wissen, woher sie kommen."

DPA / DPA