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Brandserie in Hollywood Deutscher Feuerteufel wird dem Richter vorgeführt


Mehr als 50 Mal soll er um den Jahreswechsel in Los Angeles Feuer gelegt haben. An diesem Mittwoch wird der 24-jährige Deutsche Harry B. dem Richter vorgeführt. Ermittelt wird zudem, ob B. an den Autobrandstiftungen von Berlin beteiligt gewesen sein könnte.

Wegen der Serie dutzender Brandstiftungen in Los Angeles wird der verdächtige 24-jährige Deutsche an diesem Mittwoch erstmals dem Richter vorgeführt. Dies verlautet am Dienstag aus Justizkreisen. Harry B., der aus Frankfurt stammen soll, werden Brandstiftungen vorgeworfen, die Los Angeles und insbesondere Hollywood seit dem Jahreswechsel in Atem gehalten hatten.

Wie die Zeitung "Los Angeles Times" und der Fernsehsender CNN berichteten, wurde der Verdächtige Harry B. am Montag auf dem Sunset Boulevard in Hollywood gefasst. Ein Hilfssheriff, der für einen symbolischen Lohn von einem Dollar arbeitet, habe ihn angehalten, weil er dem gesuchten Serienbrandstifter ähnlich gesehen habe. Anschließend hätten zur Verstärkung gerufene Polizisten Harry B. festgenommen, hieß es. Am Montagabend hätten Ermittler die Wohnung des Verdächtigen auf dem Sunset Boulevard durchsucht.

Der Bürgermeister von Los Angeles, Antonio Villaraigosa, sagte bei einer Pressekonferenz, dass Harry B. Brandstiftung vorgeworfen werde. Zunächst sei er nur in einem Fall beschuldigt worden. "Wir erwarten, dass bei fortschreitenden Ermittlungen weitere Fälle dazukommen", sagte Villaraigosa jedoch. Zwei weitere festgenommene Männer im Alter von 22 und 55 Jahren sollen mit der Serie von Bränden nichts zu tun haben, möglicherweise aber Trittbrettfahrer sein.

"Nicht ganz richtig im Kopf"

Die Ermittler hatten am Sonntagabend ein Video veröffentlicht, das einen zwischen 20 und 30 Jahre alten Mann nach einem der Brände auf einem Parkplatz zeigt. Noch am frühen Montagmorgen gab es innerhalb von zwei Stunden 16 Feuer, nach rund drei Dutzend in den drei vorherigen Nächten. Insgesamt wurden an den Tagen um den Jahreswechsel in Hollywood und umliegenden Stadtteilen von Los Angeles 53 Brände gelegt. Der gesamte Schaden wird auf mehr als drei Millionen Dollar geschätzt.

Betroffen waren vor allem Autos, die vor Häusern im Freien oder auf Stellplätzen geparkt waren. Aber auch Häuser wurden angezündet, darunter eine Villa in den Hollywood Hills, in der einst Jim Morrison von der Rockband The Doors gelebt hatte. Der verursachte Schaden liegt US-Medien zufolge bei rund drei Millionen Dollar. "Glücklicherweise hat es keine Toten gegeben", sagte Jaime Moore von der Feuerwehr Los Angeles.

Das Motiv des Verdächtigen ist noch unklar. Lokale TV-Sender in Los Angeles berichteten aber, dass der Deutsche möglicherweise aus Rache gehandelt habe, weil seine Mutter aus den USA ausgewiesen werden solle. Eine Anhörung sei negativ verlaufen, Harry B. sei dabei sehr ausfällig geworden, heißt es. Wegen antiamerikanischer Parolen sei er aus dem Saal entfernt worden. "Ich hasse Amerika", soll der seit zwei Jahren Arbeitslose bereits nach seiner Festnahme zu den Ermittlern gesagt haben. Dorothee B., die Mutter des Verdächtigen, die von der gemeinsamen Wohnung aus angeblich einen erotischen Massage-Service betrieben hat, hält offenbar nicht allzu viel von ihrem Sohn. Dieser sei "nicht ganz richtig im Kopf" wird sie in einem lokalen TV-Bericht zitiert.

Verbindung zu Autobränden in Berlin?

Für die Ermittler passt Harry B. dagegen vor allem in das Profil eines Feuerlegers. "Diese Feuerteufel sind meist sehr wütende Menschen", kommentiert ein früherer FBI-Agent den Fall. Feuer zu legen, gebe diesen Menschen ein Gefühl der Macht. Harry B. sei nicht besonders vorsichtig, ja sogar eher schlampig vorgegangen.

Nur sehr vage sind Hinweise, dass der Feuerteufel von Los Angeles auch an den Autobränden von Berlin beteiligt sein könnte. Eine solche Verbindung wollte die Polizei von Los Angeles bisher nicht bestätigen, aber auch nicht ausschließen. Die deutschen Behörden seien über den Fall informiert worden, hieß es. Für die Ermittler in den USA gilt es als wahrscheinlich, dass er in Berlin war. Sie schließen das daraus, dass Harry B. bei seiner Festnahme Reisepapiere aus Tschetschenien bei sich geführt habe. Andererseits kann es für einen deutschen Staatsbürger natürlich viele und völlig unverdächtige Gründe geben, nach Berlin zu reisen.

fsi/dho/AFP AFP

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