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Braunau in Österreich: Töchter vom Vater jahrzehntelang missbraucht

Im idyllischen Braunau hat ein 80-Jähriger seine beiden Töchter offenbar über Jahrzehnte missbraucht. Er soll die Frauen mit Waffen bedroht und wie Gefangene behandelt haben.

Hübsche Landhäuser, weißer Putz, sauber aufgeschichtete dunkelbraune Holzscheite. An den Fenstern üppige dunkelrote Geranien - und dahinter das Grauen. Mitten in die oberösterreichische Idylle eines kleinen Nachbarortes von Braunau am Inn drängt sich ein schwerer Verdacht. Gottfried W., einer der ihren, soll seit 1970 seine beiden Töchter in seiner Gewalt gehalten, sie regelmäßig sexuell missbraucht und körperlich misshandelt haben. Schon sprechen manche von einem Inzestfall, der an den von Amstetten erinnere.

Kann das wirklich sein? Im Dorf herrscht blankes Entsetzen. Sehr zurückgezogen habe der inzwischen 80-jährige ehemalige Mitarbeiter der Straßenmeisterei zwar gelebt. Aber konnte man ahnen, dass da sowas dahinter steckte? Der Bürgermeister der 2400-Seelen-Gemeinde jedenfalls ahnte es nicht. Und auch keiner im Dorf sonst. "Wenn jemand davon gewusst hätte, hätte er Alarm geschlagen" erklärte das Gemeindeoberhaupt einer österreichischen Nachrichtenagentur.

Angst vor der Mistgabel

Nun drängeln sich die Fotografen und die Fernsehleute im Ort und wollen detailliert wissen, was geschehen ist. Noch könne man da nicht so viel sagen, heißt es beim Landespolizeikommando. Nach ersten Ermittlungen der Sicherheitsdirektion Oberösterreich sollen die jetzt 53 und 45 Jahre alten Töchter mit ihrem Vater in einem kleinen Zimmer gehaust haben, obwohl das Haus sehr geräumig ist. Der Fall kam im Mai durch eine Sozialarbeiterin ans Licht, wurde jedoch erst jetzt bekannt.

Der Mann habe ihnen jeden sozialen Kontakt verwehrt und sie mit Waffen bedroht. Angst vor Stockschlägen und der Prügel mit einer Mistgabel habe die beiden gefügig gemacht. Jahrelang hätten sie es wehrlos hingenommen, dass sie auf einer kleinen Bank in der Küche schlafen mussten. Auch seine Ehefrau, die 2008 starb, soll der Mann vergewaltigt und misshandelt haben.

Bei den Opfern sollen "geistige Defizite" vorhanden sein

Nur gut, dass es endlich ein Ende hat, jetzt, nach 41 Jahren Tortour, sagt eine Dorfbewohnerin den Journalisten, die sie fragen. Dabei ist das Ganze eher zufällig herausgekommen. Laut Landespolizeikommando wollte der Vater seine ältere Tochter Anfang Mai abermals vergewaltigen. Nur dieses Mal stieß sie ihn zurück, sodass er stürzte. Dabei sei der 80-Jährige so gefallen, dass er nicht mehr ohne fremde Hilfe aufstehen oder Hilfe rufen konnte.

Nun, so scheint es wenigstens, wurden sich die beiden Frauen ihrer dramatischen Situation bewusst - und ließen den Mann einfach liegen. Erst zwei Tage später sei eine Sozialarbeiterin auf den Hilflosen gestoßen und habe die ärztliche Versorgung veranlasst.

Die Schwestern sind jetzt ebenso in Betreuung wie ihr Vater, der in einem Pflegeheim untergebracht wurde. Der alte Mann gibt sich uneinsichtig und streitet die Vorwürfe ab. Die Staatsanwaltschaft muss den Fall prüfen. Und natürlich geht sie der Frage nach, warum die Frauen sich 41 Jahre lang nicht gegen die möglichen Übergriffe wehrten. "Bei den mutmaßlichen Opfern sind geistige Defizite vorhanden", deutet Bezirkspolizeikommandant Martin Pumberger gegenüber der Nachrichtenagentur APA vorsichtig an.

Er meint: "Sie sind offensichtlich erleichtert, dass sie von der Last befreit sind." Auch der Tatverdächtige werde abgeschirmt und medizinisch versorgt. Für sein Alter sei er aber geistig noch sehr rege. Bleibt zu hoffen, dass er das auch noch in einem möglichen Gerichtsprozess ist. Noch sind viel zu viele Fragen unbeantwortet.

Der Fall erinnert an den Inzesttäter Josef Fritzl, der seine Tochter fast ein Vierteljahrhundert lang in seinem Keller in Amstetten festgehalten und mit ihr sieben Kinder gezeugt hatte. Im März 2009 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt.

mcp/iml/DPA / DPA
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Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?