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Breivik-Prozess kurzzeitig unterbrochen "Fahr zur Hölle!"


Beim Prozess zu den Anschlägen in Norwegen hat ein Zuschauer einen Schuh auf den Attentäter Anders Behring Breivik geworfen. "Du bist ein Mörder, fahr zur Hölle!", rief der Mann.

Die Aktion überraschte selbst das Sicherheitspersonal: Aus Wut auf den Angeklagten hat ein Zuschauer beim Prozess zu den Anschlägen in Norwegen einen Schuh auf den Attentäter Anders Behring Breivik geworfen. Mitten in der Verhandlung rief der Mann: "Du bist ein Mörder, fahr zur Hölle!." Das berichtet ein AFP-Journalist am Freitag aus dem Gerichtssaal. Ein Teil der Zuhörer applaudierte. Einige begannen auch zu weinen.

Der Schuh traf nicht Breivik, sondern seine Anwältin Vibeke Hein Bæra, die zwischen dem Angeklagten und dem Publikum saß. Sicherheitsbeamte packten den Mann nach dem Schuhwurf und führten ihn energisch aus dem Gerichtssaal. Dabei schrie der Schuhwerfer, der aus dem Irak stammt und auf Utøya seinen Bruder verloren hatte, immer wieder auf Englisch "Fahr zur Hölle!".

"Glücklicherweise war es nur ein Schuh", sagte Breivik-Anwältin Hein Bæra. Der Prozess wurde nach dem Vorfall einige Minuten unterbrochen. Breivik sagte nach der Wiederaufnahme des Verfahrens: "Wenn jemand etwas auf mich werfen will, dann soll er das tun, während ich rein- oder rausgehe - und nicht auf meine Anwältin." Es war der erste derartige Vorfall in dem Verfahren, das am 16. April begonnen hatte.

Noch ist Breiviks Schuldfähigkeit ungeklärt

Breivik hatte am 22. Juli 2011 zunächst im Osloer Regierungsviertel mit einer Autobombe acht Menschen getötet, bevor er in einem Jugendlager der regierenden Arbeiterpartei auf Utøya 69 Menschen tötete. Der 33-Jährige ist geständig, plädierte aber auf nicht schuldig. Seinen Angaben zufolge waren die blutigen Anschläge "grausam, aber notwendig", um Norwegen vor einer angeblich drohenden "muslimischen Invasion" zu retten.

Ob der Massenmörder vom Gericht als schuldfähig oder nicht eingestuft wird, gilt als entscheidende offene Frage bei dem bis Ende Juni angesetzten Prozess. Breivik hatte am 22. Juli kurz vor dem Massaker mit einer Bombe in Oslo acht Menschen umgebracht. Er begründet sein Verbrechen als "notwendig" beim Kampf gegen islamische Zuwanderer und die Befürworter einer multikulturellen Gesellschaft. Das Urteil soll Ende Juli, kurz vor dem ersten Jahrestag der beiden Anschläge verkündet werden.

mcp/DPA/AFP DPA

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