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Nach 40 Jahren Haft: Ihre Mordlust ging in die (Musik-)Geschichte ein. Nun könnte Brenda Spencer freikommen

Brenda Spencer tötete mit ihren Schüssen auf eine Grundschule zwei Menschen und verletzte neun weitere. Die Amoktat gilt als Blaupause für spätere Schulmassaker. Nun, über 40 Jahre später, kann die heute 57-Jährige angeblich auf ihre Freilassung hoffen.

1. Oktober 1979: Brenda Spencer verlässt das Gericht in Santa Ana, Kalifornien, nachdem sie sich schuldig bekannt hat

1. Oktober 1979: Brenda Spencer verlässt das Gericht in Santa Ana, Kalifornien, nachdem sie sich schuldig bekannt hat

Picture Alliance

29. Januar 1979, ein Montagmorgen in Kalifornien. Brenda Spencer, 16, startet in den Tag mit einem Schluck Whiskey, um ihre Epilepsie-Medizin runterzuspülen. So wird sie es später schildern. Dann greift die junge Frau zu einem halbautomatischen Gewehr, einem Ruger 10/22. Ihr Vater, mit dem sie unter einem Dach lebt und sich angeblich eine Matratze teilt, hatte es ihr gerade erst zu Weihnachten geschenkt. Gegen 8.30 Uhr zielt sie aus einem Fenster auf die gegenüberliegende Grover Cleveland Grundschule, rund 46 Meter von ihrem baufälligen Haus entfernt. Und drückt ab. Insgesamt 36 Mal.

Brenda Spencer tötet am 29. Januar 1979 zwei Menschen. Den Schulleiter Burton Wragg, der den (insgesamt acht) verletzten Schülern zur Hilfe eilen wollte, und Hausmeister Mike Suchar, der den Schulleiter retten wollte. Auch ein Polizist wurde während des rund 20 Minuten andauernden Beschusses verwundet. Es wären vermutlich mehr Tote und Verletzte gewesen, hätte nicht ein weiterer Polizist ein Fahrzeug in Spencers Schusslinie platziert.

Später bekennt sich Brenda Spencer vor Gericht schuldig, wird wegen zweifachen Mordes und Körperverletzung mit einer tödlichen Waffe zu zweimal 25 Jahren bis lebenslanger Haft verurteilt. Der Todesstrafe entgeht sie nur, weil sie zum Tatzeitpunkt erst 16 Jahre alt ist. Nun, über 40 Jahre später, kann Brenda Spencer angeblich auf ihre Freilassung hoffen. Darüber berichten die "Daily Mail" und der "Mirror"

Brenda Spencer: Inspiration für Bob Geldof 

Ihre Amoktat ging in die Geschichte ein: als erstes Schulmassaker, so, wie es seitdem häufiger in den USA vorgekommen ist. Damit womöglich als Blaupause für ähnliche Taten. Und gewissermaßen in die Musikgeschichte, als Inspiration für einen bekannten Popsong. 

Spencer ging damals ans Telefon, als sie ein Journalist der "San Diego Tribune" zufällig Zuhause erreichte und Polizisten ihr Haus umstellten. Der Reporter klingelte Häuser in der Nachbarschaft ab, um Informationen über die Amoktat zu erhalten – irgendwann hob Spencer den Hörer ab. Der Journalist fragte sie nach ihrem Motiv. "I don't like Mondays. This livens up the day.", antwortete sie ihm. "Ich mag keine Montage. Das belebt den Tag." Auch bei ihrer Verhaftung – nachdem sich Spencer sechs Stunden verschanzt hatte und schließlich für ein Essen der Fast-Food-Kette Burger King kapitulierte – wiederholte sie: "I don't like Mondays." Es sollte der Titel sowie bekannteste Song der Band Boomtown Rats um Bob Geldof werden.

Für die Justiz illustrierte nicht nur diese Begründung die Kaltblütigkeit, Grundlosigkeit und schiere Mordlust, mit der Spencer tötete. Bei ihrer Vernehmung sagte sie außerdem Dinge, wie: "Es gab keinen Grund dafür, es hat einfach viel Spaß gemacht" oder "Die Kinder sahen wie eine herumstehende Kuhherde aus und waren wirklich einfache Ziele." 

Kommt sie bald frei?

Spencer versuchte bei mehreren Gnadengesuchen, ihre Schuld zu schmälern. So sagte Spencer aus, bei der mittlerweile eine Depression diagnostiziert wurde, sie habe zur Tatzeit unter dem Einfluss von Alkohol und halluzinogenen Drogen gestanden. Außerdem sei sie von ihrem Vater sexuell missbraucht worden und habe bis sie 14 Jahre alt war ein Bett mit ihm teilen müssen (was dieser bestreitet). Bei ihrer letzten Haftprüfung, 2009, gab sie an, sie habe bei ihrer Amoktat darauf gehofft, erschossen zu werden. Vorige Suizidversuche seien missglückt.  

In diesem Jahr kann Spencer ihre fünfte Haftprüfung – nach 1993, 2001, 2005 und 2009 – beantragen. Juristen, die mit dem Fall vertraut seien, halten diese für aussichtsreich. Das berichtet der "Daily Mirror". Demnach würde Spencer beachtliche Fortschritte bei ihrer Rehabilitation machen. Darüber hinaus habe ihr Verbrechen durch die zahlreichen Schulmassaker, die ihrem folgten, gewissermaßen an außergewöhnlicher Grausamkeit verloren. Zudem habe sie bei einem Gnadengesuch Reue gezeigt: "Bei jedem Schulmassaker fühle ich mich zum Teil verantwortlich. Was ist, wenn sie die Idee von mir haben?", sagte sie. 

Quellen: "The Daily Mail", "The Mirror"

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fs