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Brigitta Sirny-Kampusch: "Das ist meine Geschichte"

Acht Jahre hat Brigitta Sirny-Kampusch um ihre Tochter gebangt, bis Natascha vor knapp zwölf Monaten die spektakuläre Flucht gelang. In "Verzweifelte Jahre" beschreibt die Mutter nun die Zeit, in der ihre Tochter verschwunden war. Bei der Buchvorstellung sprach sie auch über das Mutter-Tochter-Verhältnis heute.

Knapp ein Jahr nach der Flucht von Natascha Kampusch aus dem Verlies ihres Entführers hat ihre Mutter ein Buch über ihr Leben ohne die Tochter veröffentlicht. Sie werde von Eltern vermisster Kinder immer wieder um Rat gefragt, wie sie die acht Jahre Ungewissheit durchgestanden habe, sagte Brigitta Sirny-Kampusch vor Journalisten. Das Buch "Verzweifelte Jahre" habe sie ihrer Tochter gewidmet. Im März 1998 war die Zehnjährige auf dem Schulweg verschleppt und bis Ende August 2006 von ihrem Kidnapper in einem Versteck unter der Garage gefangen gehalten worden.

Die mittlerweile 19-Jährige Kampusch huschte in einem schwarz-rosa gemusterten Sommerkleid einige Minuten nach Beginn der Pressekonferenz in den Raum und setzte sich ganz nach hinten. Sie trug eine große Sonnenbrille und hielt ihr Gesicht hinter einem weißen Fächer verborgen. Kampusch wolle sich nicht äußern und wolle nicht fotografiert werden, sagte ihr Begleiter, der sie gegen Fotografen und Journalisten abschirmte.

Keine Differenzen wegen des Buches

Sirny-Kampusch wies den Vorwurf zurück, dass sie sich mit dem Buch nicht an den Wunsch von Kampusch gehalten habe, dass niemand als sie selbst über ihr Leben schreiben solle. "Das ist meine Geschichte - ihre Geschichte ist eine andere", sagte sie. Ihre Tochter habe das Buch vor der Veröffentlichung gelesen und die Möglichkeit bekommen, Korrekturen anzubringen. Zwischen Mutter und Tochter gebe es wegen des Buches keine Differenzen, sagte Sirny-Kampusch.

Das Verhältnis zu ihrer Tochter bezeichnete sie als gut. "Wir gehen schwimmen, wir gehen shoppen - wir besuchen die Großmutter und die Schwestern", sagte sie. Kampusch lebt allein in einer eigenen Wohnung. "Es ist nicht so, dass ich jeden Tag zu ihr fahre ... ich will sie ja nicht nerven", sagte Kampusch-Sirny. Ihre Tochter hole die Schulausbildung nach.

Das Buch erschien in der ersten Auflage mit 50.000 Stück. Es gebe Interesse an Übersetzungen in Großbritannien, Spanien und Italien, teilte der Verlag Ueberreuter mit.

Die Frage nach dem "Wieso?" bleibt offen

Sie habe sich oft gefragt, warum ihre Tochter entführt worden sei, sagte Kampusch-Sirny. "Die Frage bleibt offen. Die kann uns niemand mehr beantworten", fügte sie hinzu. Der Entführer Wolfgang Priklopil beging nach der Flucht von Kampusch Selbstmord.

In einem Interview Anfang des Jahres hatte Kampusch die Behandlung durch ihren Entführer als zwiespältig beschrieben. Sie sei ihm zwar wichtig gewesen, aber er habe sie auch "wie den letzten Dreck behandelt". Priklopil hatte für Kampusch ein fensterloses Zimmer im Keller seines Hauses eingerichtet. Sie habe an Einsamkeit und an Hunger gelitten, sagte Kampusch nach ihrer Flucht.

Reuters / Reuters