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Mord an transsexueller Ehefrau: Gekochte Füße, zerstückelte Leiche - der Horror aus Wohnung Nr. 3

Es ist Samstagabend in Brisbane. Der Elektriker Brad Coyne wird zu einem gewöhnlichen Einsatz gerufen. Einem jungen Mann ist ein Malheur passiert: Ihm sind die Sicherungen rausgesprungen. Doch in der Wohnung Nr. 3 ist noch etwas ganz anderes am Gange.

Polizisten bergen eine Mülltonne aus dem Wohnung Nr. 3 in einem Wohnhaus in Brisbane

Polizisten bergen eine Mülltonne aus dem Wohnung Nr. 3 in einem Wohnhaus in Brisbane

"Hallo! Ist das ein 24-Stunden-Elektriker?", meldet sich ein freundlicher junger Mann in einem ländlichen Dialekt am Telefon. "Ich habe ein kleines Problem. Ich habe auf meinem Herd gekocht. Es ist ein Elektroherd, und der Topf ist übergelaufen. Etwas ist in den Ofen gekommen. Und das hat einen großen Knall ausgelöst", beschreibt er ruhig sein kleines Malheur. "Klingt es nach etwas, was sie heute noch beheben könnten?", erkundigt er sich.

Elektriker Brad Coyne macht sich auf den Weg. Es ist Samstagabend, und er hat Dienst. Wenig später kommt er am neu eröffneten Wohnkomplex DoubleOne3 an, einem noblen Appartementhaus im Zentrum von Brisbane. Im Foyer liegt ein seltsamer Geruch in der Luft.

Als Marcus Volke dem Elektriker die Tür öffnet, schlägt Coyne ein regelrechter Gestank entgegen. Er sei Koch und habe Schweinebrühe zubereiten wollen, erklärt der Kunde.

Die Wohnung ist dunkel und ranzig. Volke geleitet den Elektriker in seine Küche. Ein industrieller Topf, ein Sieb, Gummihandschuhe, Bleichmittel - das Bild, was sich Coyne dort bietet, jagt ihm Angstschauer über den Rücken. Er beginnt sich zu fragen, ob er da noch lebendig rauskommt.

Flucht und Tod

Doch Volke lässt ihn unbehelligt. Coyne montiert die rausgesprungene Sicherung wieder rein und geht. Doch das, was er gesehen hat, lässt ihm keine Ruhe. Etwas stimmt nicht in der Wohnung Nr. 3.

Noch auf dem Weg nach draußen ruft der Elektriker die Hausverwaltung an. Der Hausmeister alarmiert die Polizei.

Als die Beamten klingeln, öffnet Volke lässig die Tür. Der Geruch? "Schweinebrühe", antwortet der 27-Jährige wieder. Doch die Polizisten geben sich damit nicht zufrieden. Sie wollen die Wohnung sehen. "Natürlich", erwidert Volke. Er müsse nur noch schnell seine Hunde wegschließen, drei kleine Möpse. Er dreht sich um, macht die Tür zu, schließt ab - und flieht.

Volke springt vom Balkon. Mit einem Messer in der Hand rennt er durch den Garten, legt mehrere Blocks zurück, bis er einen Müllcontainer entdeckt. Dort versteckt er sich, schlitzt sich die Kehle auf und verblutet schließlich.

Senior Constable Bryan Reid und Constable Liam McWhinney verfolgen ihn, verlieren aber schon bald die Spur. Also kehren sie in die Wohnung zurück. In der Küche steht immer noch der übergekochte Topf. Sein Inhalt verschlägt den beiden Polizisten die Sprache: gekochte menschliche Füße.

Perfider Plan

Mehr als zweieinhalb Jahre sind inzwischen seit dem grausigen Fund vergangen, doch der Schock sitzt immer noch tief. "Anfangs dachte ich, es müsse sich um irgendeinen kranken Streich handeln", erinnerte sich Constable McWhinney nun an jenen 4. Oktober 2014. "Aber als ich eins und eins zusammengezählt habe, wurde mir bewusst, dass es keiner war", sagte er laut dem australischen Sender ABC News. In dieser Woche wurde der Fall vor Gericht aufgerollt. Die Füße, die McWhinney und sein Kollege in der Wohnung Nr. 3 gefunden haben, gehörten einst der jungen Mayang Prasetyo, der transsexuellen Ehefrau von Volke. Weitere Teile ihrer zerstückelten Leiche fand man in Plastikbeuteln in Volkes Appartement.

Zweifel daran, dass er die 27-Jährige ermordet hat, bestehen nicht. Die Beweislage sei eindeutig, befand am Freitag Coroner Terry Ryan, wie australische Medien berichten. Volke habe mehrmals auf Prasetyo eingestochen, bevor er ihr in die Kehle schnitt und dabei mehrere Arterien durchtrennte.

Nach dem Mord entschied sich Volke, sein Verbrechen zu vertuschen. Er besorgte einen großen Kochtopf, Gummihandschuhe und verschiedene Reinigungsmittel. Den Körper seiner Frau zerstückelte er und begann die menschlichen Überreste zu kochen - bis sein Topf überlief und er den Elektriker rufen musste.

Aber warum musste die junge Frau sterben? 

Im Escort-Sumpf

Volke lernte Prasetyo in einem Club in Melbourne kennen, berichtete Detektiv Sergeant Joshua Walsh vor Gericht. Dort versuchte er, in die Escort-Szene zu kommen, um auf diese Weise seine Schulden abbezahlen zu können, insgesamt 9000 Dollar. Zuvor hatte er in Teilzeit als Koch gearbeitet. Aber diese Arbeit konnte er aufgrund von psychischen Problemen nicht fortsetzten.

Prasetyo führte ihn in die Escort-Welt ein. Sie selbst arbeitete bereits als Edel-Prostituierte und schickte regelmäßig Geld an ihre Familie in Indonesien. Aufgewachsen war sie als Junge auf der Insel Sumatra. Bis sie ihrer Mutter mitteilte, als Frau ihr Leben weiterführen zu wollen. "Das war es, was er wollte. So war es eben. Er war ziemlich entschlossen", zitiert die Zeitung "The Courier Mail" Nining Sukarni, die Mutter von Prasetyo.

2009 begann sie mit der Geschlechtsumwandlung, zog dann nach Australien und arbeitete dort im "Pleasure Dome", einem Bordell, das sich selbst als "Premium-Agentur für Männer und Transsexuelle" bezeichnet. "Sie war eine schöne, friedliche Person, die freundlich und vertrauenswürdig war", erinnert sich Ivan Gneil, der Besitzer des Bordells. "Unglücklicherweise geriet sie in die Welt der Illegalität und Drogen." Volke habe sie in diese Welt hineingezogen, behauptet er.

Der Deal zwischen Volke und Prasetyo

Die Ermittlungen der Polizei ergaben, dass es zwischen Volke und Prasetyo einen Deal gab. "Er würde ihr helfen, ein permanentes Partner-Visum in Australien zu bekommen und sie würde ihn dafür in die Transgender-Szene in Melbourne und Übersee einführen", erzählte Detektiv Walsh im Prozess. 

Zusammen reisten sie nach Europa und Asien. Verdienten mit Escort-Diensten gutes Geld. 2013 heirateten sie in Kopenhagen. Zuvor hatte Volke sogar bei ihrer Mutter um ihre Hand angehalten.

Seine eigene Familie ließ er jedoch im Dunkeln. Womit ihr Sohn sein Geld verdiente, ahnten die Eltern von Volke nicht. Auch über die Existenz von Prasetyo wussten sie nichts. Seiner Familie erzählte Volke, er arbeite als Chef auf einem Kreuzfahrtschiff. Ein Lügengeflecht, das im Oktober 2014 im Begriff war, einzustürzen. 

Wollte sie sein Doppelleben aufdecken?

Am 2. Oktober kam es zwischen Volke und Prasetyo zum Streit. Nachbarn hörten Schreie. Am Tag danach ließ Volke im Royal-Brisbane-Krankenhaus eine Handverletzung behandeln. Seine Freundin sei verrückt und habe ihn mit einem Messer verletzt, erklärte er auf Nachfragen. Am selben Tag vernahmen die Nachbarn zum ersten Mal den seltsamen Geruch aus seiner Wohnung.

Warum genau Volke seine Frau umgebracht hat, wird man nicht mehr erfahren. Es sei eindeutig ein Fall häuslicher Gewalt, erklärte Coroner Ryan lediglich in seinem Schlussplädoyer am Freitag. Ermittler vermuten jedoch, dass Prasetyo das Doppelleben von Volke bedroht haben könnte. Freunde von ihr erzählten, dass sie nach Indonesien zurückkehren wollte.

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