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Prozess in Neuseeland: Britische Backpackerin getötet und in Koffer gesteckt – Verdächtiger: Es war ein Sex-Unfall

Sie war auf Weltreise – und starb bei einem Tinder-Date. Die Leiche der britischen Backpackerin Grace Millane wurde in einem Koffer im neuseeländischen Outback gefunden. Unter Mordverdacht steht ein 27-Jähriger. Er behauptet: Ihr Tod war ein Sex-Unfall.

Grace Millane bei ihrer Abschlussfeier

Grace Millane brach nach ihrem Uniabschluss zu einer Weltreise auf

Picture Alliance

Was geschah an Grace Millanes 22. Geburtstag? Sicher ist nur: Die britische Backpackerin überlebte ihn nicht. Ermittler fanden ihre Leiche in einem Koffer, vergraben im neuseeländischen Buschland außerhalb Aucklands.

Wie die junge Frau aus Wickford, Essex, gestorben ist und wer möglicherweise dafür verantwortlich sein könnte, das versucht nun ein neuseeländisches Gericht zu klären, berichten mehrere britische Medien.

Grace Millane textet an Freundin: Es hat "geklickt"

Mit ihrem Uni-Abschluss in der Tasche beschloss die damals 21-Jährige Ende 2018, auf Weltreise zu gehen. Ihren 22. Geburtstag im Dezember wollte sie in Neuseeland feiern. Über die Dating-App Tinder verabredete sich Millane an diesem Tag mit einem jungen Mann. Der 27-Jährige, dessen Namen vom Gericht nicht bekanntgegeben wurde, und die junge Frau zogen zunächst durch verschiedene Restaurants und Bars in Auckland, bevor sie zusammen ins CityLife Hotel gingen.

Während ihres Dates soll die junge Frau einer Freundin geschrieben haben, dass sie jemanden kennengelernt und es "geklickt" habe. Videoaufnahmen aus den Bars zeigen, wie die beiden sich küssten.

Sex-Unfall? Wieso nicht Notruf gewählt?

Was genau danach in dem Hotelzimmer passierte, "wissen nur zwei Personen", sagte Staatsanwalt Robin McCoubrey in seinem Eröffnungsstatement am Mittwoch vor Gericht laut "Guardian". "Eine dieser zwei Personen kann es uns nicht sagen und die andere hat uns nicht die Wahrheit über das gesagt, was passiert ist." Angeklagt ist der 27-Jährige, McCoubrey wirft ihm Mord vor. Doch der Verdächtige ließ über seinen Anwalt erklären, er sei nicht schuldig. 

Nach Erkenntnissen der Ermittler starb Millane aufgrund von Gewalt gegen ihren Hals. Die Staatsanwaltschaft behauptet, der Angeklagte habe sie erdrosselt. Die Verteidigung spricht von einem unglücklichen Unfall während einvernehmlichen Geschlechtsverkehrs.

McCoubrey äußerte vor Gericht jedoch massive Zweifel an dieser Erklärung. Wenn es sich tatsächlich um einen Unfall im Rahmen eines einvernehmlichen Aktes gehandelt haben sollte, wieso versuchte der 27-Jährige dann nicht, die junge Frau zu reanimieren oder den Notruf zu wählen, fragte der Staatsanwalt.

Anwalt: Junge Frau wollte stranguliert werden

Nach Schilderungen der Verteidigung habe Millane Sex mit dem 27-Jährigen gehabt, der schließlich "gewaltsam geworden" sei. Die junge Frau bat den Angeklagten demnach, sie zu strangulieren.

Nach dem Akt sei Millane auf dem Boden liegengeblieben und der 27-Jährige habe geduscht, erklärte der Verteidiger weiter. Danach sei er ins Bett gegangen – im Bewusstsein, dass Millane das Hotelzimmer bereits verlassen habe. Erst beim Aufwachen am nächsten Tag habe er den leblosen Körper der jungen Frau auf dem Boden entdeckt. Es handle sich bei dem Tod Millanes um eine Folge eines Aktes, der "das sexuelle Vergnügen verstärken sollte. [...] Dieser Akt wurde ausgeführt mit Millanes Wissen und Ermutigung", führte die Verteidigung aus.

Verdächtiger wollte jede Verbindung zu Grace kappen

All das zweifelte die Staatsanwaltschaft an und verwies auf Ermittlungsergebnisse, wonach der Angeklagte nach dem Tod Millanes online nach "Waitakare Ranges" – dort wurde ihre Leiche gefunden – und "heißestes Feuer" gesucht hatte. Außerdem habe er Pornofilme angesehen und intime Fotos der toten Frau gemacht.

Am Morgen nach dem Tod habe der 27-Jährige Reinigungsmittel und einen Koffer gekauft, sagte McCoubrey weiter. Außerdem habe er eine Teppichreinigungsmaschine und einen Mietwagen organisiert. "Er hat ruhig, eiskalt und systematisch versucht, jegliche Verbindung zwischen sich und Miss Millane zu kappen", so der Staatsanwalt. Anschließend soll der Angeklagte sogar ein weiteres Tinder-Date ausgemacht haben.

Der Anwalt des 27-Jährigen erklärte dieses Verhalten damit, dass manche Menschen unüberlegt handeln, wenn sie mit schwierigen Situation konfrontiert werden.

Der Körper der Backpackerin wurde am 8. Dezember entdeckt - in einem Koffer versteckt und begraben. Ein Urteil wird erst in einigen Wochen erwartet.

Quellen: "The Guardian", "BBC"

mik