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Busen-Protest in Tunesien: Femen-Aktivistinnen entschuldigen sich

Seit einem Monat sitzt eine junge Deutsche in Tunis im Gefängnis. Sie hatte nackt für die Freilassung einer tunesischen Femen-Aktivistin protestiert. Beim ersten Prozesstermin entschuldigt sie sich.

Drei wegen barbusiger Proteste in Tunesien zu Haftstrafen verurteilte Aktivistinnen haben sich am Mittwoch im Berufungsprozess entschuldigt. "Ich bedauere die Tat und entschuldige mich", sagte die Deutsche Josephine M. "Wir wollten die Tunesier nicht schockieren und werden es bestimmt nie wieder tun", sagte Pauline H., eine von zwei inhaftierten französischen Mitgliedern der Frauenrechtsbewegung Femen.

Bei der Anhörung waren die jungen Frauen in einen traditionellen Safsari gekleidet, der sie von Kopf bis Fuß verhüllte. Die Aktivistinnen waren vor zwei Wochen zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil sie Ende Mai mit entblößten Brüsten vor dem Justizpalast in Tunis für die Freilassung einer tunesischen Femen-Aktivistin demonstriert hatten. "Das muslimische Recht untersagt derartige Handlungen", bekräftigte Richter Moez Ben Frej am Mittwoch.

Ein Anwalt der drei Frauen, Patrick Klugman, verlangte ihre umgehende Freilassung. Sie hätten es nicht für möglich gehalten, dass sie in einem Land, "das sich gerade für die Freiheit erhoben hat", mit ihrem Protest etwas riskieren würden. Die Femen-Mitglieder seien schon "viel zu lange" festgehalten worden.

Deutsche wird konsularisch betreut

Während Paris das Urteil offen kritisiert, hält sich die deutsche Regierung mit öffentlichen Kommentaren zurück. Beobachter in Tunis verweisen darauf, dass die Frauen hätten wissen müssen, dass Tunesien bei aller Liberalität und Zugewandtheit zu Europa ein wertkonservatives Land ist. Zudem gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass die von moderaten Islamisten dominierte Regierung das Verfahren zum Nachteil der Frauen beeinflusst. Theoretisch hätte die in Hamburg Philosophie studierende Deutsche auch zu einem Jahr Haft verurteilt werden können.

"Die deutsche Botschaft in Tunis ist seit der Inhaftierung der deutschen Femen-Aktivistin mit dem Fall befasst und betreut sie umfassend konsularisch", teilte das Auswärtige Amt am Dienstag mit. Zuletzt habe es am 20. Juni einen Besuch gegeben. Drei Tage vorher schaute auch der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung im Gefängnis vorbei. Markus Löning berichtete anschließend, dass Josephine schockiert über das Urteil sei, aber einen gefassten Eindruck mache. Die Zelle müsse sie sich mit 29 weiteren Inhaftierten teilen.

Kein Mitleid seitens der Tunesier

In Tunesien hat selbst in den liberalen, westlich orientierten Bevölkerungsschichten kaum jemand Mitleid. Die Menschen befürchten, dass Nacktproteste wie die von Femen Wind in die Segel der extremen Islamisten bringen könnten. Diese hatten zuletzt erfolglos dagegen gekämpft, dass die Gleichberechtigung von Mann und Frau explizit in den Entwurf für die neuen Verfassung geschrieben wird. Er soll im Sommer verabschiedet werden.

Josephine M. versucht vor Gericht, eine milde Strafe zu erreichen, indem sie immer wieder betont, dass sie mit ihrem Protest nicht die Gefühle der Tunesier verletzen wollte. Dies glaubhaft zu machen, dürfte allerdings auch vor dem Berufungsgericht nicht einfach sein. Bei ihrem von zahlreichen Kameras festgehaltenen Auftritt vor dem Justizpalast schrien die drei jungen Frauen nicht nur "Lasst Amina frei" sondern auch "Fuck your morals". Das bedeutet in kinderfreundlicher Übersetzung: "Wir pfeifen auf Eure Moralvorstellungen."

kgi/AFP/DPA / DPA