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Calden: Massenschlägerei in Flüchtlingsunterkunft

Eine Gruppe Flüchtlinge ist nach einer Massenschlägerei aus einer Notunterkunft im nordhessischen Calden geflüchtet. Wie es nun weitergehen soll, ist noch unklar.

Vor einer großen Halle mit Metallwänden stehen Dutzende Geflüchtete in der Nacht. Vor ihnen steht ein Polizeiwagen
DPA

Fast schon verzweifelt fleht die Frau die Polizisten an, doch es gibt kein Durchkommen. Sie dürften derzeit nicht zurück in die Unterkunft, sagt ein Beamter den Flüchtlingen auf Englisch. Kurze Zeit später bringt ein Helfer Wasser aus der Einrichtung im nordhessischen Calden und verteilt es an die Flüchtlinge vor dem Eingang der Zeltstadt. Zu Dutzenden stehen diese seit Stunden vor der Notunterkunft, nicht alle haben an diesem kalten Sonntagabend eine Wolldecke.

Die Polizisten bewachen den Eingang, zum Teil mit Schutzschild und Helm. Denn sie wollen zwei Gruppen verschiedener Nationalitäten trennen, die im Verlauf des Tages mehrfach aneinandergeraten waren.

Zunächst habe es während der Essenausgabe in der Kantine eine Rangelei zwischen zwei Männern gegeben, sagt Polizeisprecher Torsten Werner aus Kassel. Am Nachmittag sei dann der Streit aufgeflammt und habe eine Auseinandersetzung von zwei Gruppen zweier Nationalitäten ausgelöst. Je rund 60 Menschen auf beiden Seiten seien aufeinander losgegangen, acht Flüchtlinge wurden dabei verletzt. 

Großteil ist froh, in Frieden leben zu können

Gegen Abend eskalierte die Gewalt: Rund 300 Flüchtlinge einer Nationalität prügelten sich mit 70 anderen. Die Beteiligten schlugen unter anderem mit Stöcken aufeinander ein und sprühten Reizgas. Als die Beamten die Lage beruhigen wollten, wurden auch sie angegriffen, drei Polizisten und drei weitere Flüchtlinge wurden verletzt. Die kleinere Gruppe flüchtete nach Polizeiangaben schließlich aus der Einrichtung. Es dauerte Stunden, bis die Polizei die Lage in Calden unter Kontrolle bringen konnte. 

In der Ende Juli eröffneten Aufnahmeeinrichtung Calden leben nach Angaben des Sprechers derzeit etwa 1500 Menschen aus etwa 20 Nationen nebeneinander. Die Zeltstadt war zunächst für 1000 Menschen ausgelegt, wurde aber dann erweitert. Flüchtlinge aus Syrien, Albanien, Pakistan und vielen anderen Ländern sind dort in rund 50 Zelten untergebracht. Viele sind froh, in Ruhe schlafen zu können und in Frieden zu leben. Bei anderen steigt der Frust, auch weil sie wenig Chancen sehen, Asyl in Deutschland zu bekommen.

Polizei bringt kleinere Gruppe in Ausweichunterkunft

Am Abend hatte sich die Lage auf dem ehemaligen Flughafengelände beruhigt. Gegen 23.00 trafen Busse ein, um die Flüchtlinge der kleineren Volksgruppe in ein Ausweichquartier zu bringen. Wohin die Reise gehen sollte verriet die Polizei nicht. 

"Wenn die Gruppe woanders untergebracht ist, ist auch der Einsatz beendet", sagte Polizeisprecher Werner. Unklar ist, wie danach verfahren wird. 

Timo Lindemann / DPA