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Canterbury: Während einer Klassenfahrt - deutscher Schüler in England ins Koma geprügelt

Eine Klassenfahrt nach England endet für einen Schüler in einer Tragödie. In der City von Canterbury wird der 17-Jährige so schlimm verprügelt, dass er im Koma liegt. Das Geschehen ist nebulös.

Besonders viele Details hat die britische Polizei (Symbolbild) noch nicht zu der folgenschweren Attacke in Canterbury auf einen deutschen Schüler bekannt gegeben

Besonders viele Details hat die britische Polizei (Symbolbild) noch nicht zu der folgenschweren Attacke in Canterbury auf einen deutschen Schüler bekannt gegeben

AFP

"Im Namen von Canterbury – es tut uns sehr leid", steht auf einem Zettel am Tatort. Menschen haben hier, in der Innenstadt der uralten südenglischen Metropole, Blumen abgelegt. Die Stadt ist schockiert von der brutalen Attacke auf einen deutschen Austauschschüler, der sich dort am vergangenen Donnerstagabend ereignet hatte.

Mehrere Tage nach der Tat ist nun Gewissheit, was Medien nach dem Angriff spekuliert hatten: Der Schüler liegt im Koma. Das bestätigte seine Heimatstadt am Mittwoch. Das 17-jährige Opfer gehe in Mönchengladbach zur Schule und sei auf Abschlussfahrt mit insgesamt zwei Klassen gewesen, zitierte die Deutsche Presse-Agentur einen Sprecher der nordrhein-westfälischen Stadt. "Sein Zustand ist ernst", fügte er hinzu Die Mutter sei bei ihrem Jungen, der in einem Londoner Krankenhaus notoperiert worden war. Die "Rheinische Post" hatte zuvor berichtet.

Offenbar Prügelei mit vielen Menschen in der City von Canterbury

Der Schüler mit libanesischen Wurzeln soll am Donnerstagabend im südöstlichen Canterbury von mehreren Jugendlichen möglicherweise aus rassistischen Gründen angegriffen worden sein. Er wurde mit schweren Kopfverletzungen in ein Londoner Krankenhaus geflogen – London liegt etwa 100 Kilometer von Canterbury entfernt.

Eine Person, die das Geschehen beobachtet haben soll und in der Nähe des Tatorts in einem Geschäft arbeite, schilderte der Newswebsite "Kent Online" das verhängnisvolle Geschehen: "Da waren zwei große Gruppen von Menschen“, sagte die Person, von der aus dem Bericht nicht hervorgeht, ob sie männlich oder weiblich ist. Es habe eine Art der Auseinandersetzung gegeben. Plötzlich habe der Austauschschüler am Boden gelegen”.

"Es war schrecklich. Vermutlich waren an die 40 Menschen dort", so die Person. Weil so viele Menschen an dem Gerangel beteiligt waren, sei es für Außenstehende unmöglich gewesen, einzuschreiten. Als einzelner in eine solche Gruppe mit all diesen Jugendlichen – "man hätte nichts tun können".

Klassenfahrt vorzeitig abgebrochen

"Wir sind in Gedanken bei dem Jungen und der Familie", sagte der Sprecher Mönchengladbachs. Das Opfer war seinen Informationen zufolge mit anderen Schülern unterwegs, als sich die Attacke ereignete. Nach der Gewalttat wurde die Klassenfahrt, die noch bis Samstag geplant war, vorzeitig abgebrochen. "Das ist nicht spurlos an den Schülern vorbeigegangen. Sie waren geschockt und betroffen", sagte der Stadt-Sprecher. Vor der Rückfahrt seien die Jugendlichen von der Polizei vernommen worden. Der Schulpsychologische Dienst sei jetzt für die Jugendlichen ansprechbar.

Die folgenschwere Prügelei soll sich laut britischen Medien in der Innenstadt von Canterbury, in der Whitefriars Street, ereignet haben (rote Markierung)

Die folgenschwere Prügelei soll sich laut britischen Medien in der Innenstadt von Canterbury, in der Whitefriars Street, ereignet haben (rote Markierung)

Die Polizei geht nach einem Bericht der Zeitung "The Guardian" unter anderem einem möglichen rassistischen Hintergrund nach. Nach dem Angriff waren sechs Teenager aus Canterbury und Umgebung im Alter von 15 bis 17 Jahren sowie ein 44 Jahre alter Mann festgenommen worden. Der Mann stand unter dem Verdacht der Beihilfe. Alle Festgenommenen wurden auf Kaution freigelassen. Die Polizei suchte nach Zeugen des Angriffs.

Ein Bürger Canterburys habe eine Fundraising-Aktion gestartet, berichtet "Kent Online". Bis Dienstag sollen umgerechnet knapp 7700 Euro zusammengekommen sein. Das Geld soll der Familie des Opfers helfen, die Reisen nach Großbritannien zu finanzieren. Außer der Mutter sollen inzwischen weitere Familienmitglieder des schwer verletzten Jungen nach London geflogen sein, um ihm beizustehen.

Quelle: "Kent Online"

anb / DPA