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Nach jahrelanger US-Haft: Berüchtigter Drogenbaron Carlos Lehder offenbar nach Deutschland ausgeliefert

Carlos Lehder war einstmals einer der Anführer des berüchtigten Drogenkartells von Medellín. Dann wurde er gefasst und saß viele Jahre in einem US-Gefängnis. Jetzt soll "Crazy Charly" nach Deutschland ausgeliefert worden sein.

Beamte der Bundespolizei auf dem Frankfurter Flughafen (Archivbild)

Beamte der Bundespolizei auf dem Frankfurter Flughafen (Archivbild): Der frühere Drogenboss Carlos Lehder soll am Dienstagmorgen in Frankfurt gelandet und an die deutschen Behörden übergeben worden sein 

DPA

Die USA sollen einen der bekanntesten Drogenhändler der Welt nach Deutschland ausgeliefert haben. Carlos Enrique Lehder Rivas sei von zwei US-Marshalls mit einem Linienflug von New York nach Frankfurt am Main gebracht und dort am Dienstagmorgen den deutschen Behörden übergeben worden, berichtet der "Spiegel". Der 70-Jährige sei mit einem temporären deutschen Pass eingereist, den ihm die deutsche Botschaft ausgestellt habe.

Carlos Lehder revolutionierte den Kokainschmuggel

Lehder, der während seiner Verbrecherkarriere den Spitznamen "Crazy Charlie" trug, hatte in den 70er- und 80er-Jahren gemeinsam mit dem kolumbianischen Drogenbaron Pablo Escobar das berüchtigte Medellín-Kartell geführt. Der Sohn eines Deutschen Ingenieurs revolutionierte das Transportsystem des Kartells, indem er für den Schmuggel von Kokain in die USA statt der bis dahin üblichen Drogenkuriere - also Menschen, die das Rauschgift an oder in ihrem Körper transportierten - eine Armada von Kleinflugzeugen einsetzte. Dadurch stieg die Menge der geschmuggelten Drogen enorm an.

Schätzungen zufolge beförderte Lehders Netzwerk in den 80er-Jahren bis zu 80 Prozent des Kokains, das in die Vereinigten Staaten gelangte. Mit seinen Milliardeneinnahmen kaufte er sich irgendwann eine Bahamas-Insel namens Norman's Cay und nutzte sie als Zwischenlager für seine Kokainlieferungen in Richtung der südöstlichen US-Bundesstaaten.

1987 wurde Lehder in Kolumbien festgenommen und anschließend sofort an die USA ausgeliefert. Dort verurteilte ihn ein Gericht zu lebenslanger Haft ohne Bewährung und weiteren 135 Jahren Gefängnis. Im Jahr 1991 sagte Lehder gegen den damaligen panamaischen Machthaber und Drogenboss Manuel Noriega aus. Im Gegenzug wurde seine Strafe auf 55 Jahre reduziert. Außerdem soll er in ein staatliches Zeugenschutzprogramm aufgenommen worden sein, das vom US-Justizministerium verwaltet und vom United States Marshals Service durchgeführt wird.

Gemeinnützigen Organisation betreut Lehder

Lehder war schon einmal in Deutschland: Im Mai 1979 hielt er sich zehn Tage lang in Hamburg auf, ließ sich in der Universitätsklinik Eppendorf in der Hals-Nasen-Ohren-Abteilung untersuchen, schaute sich ein paar zum Verkauf stehende Wohnungen und Villen an und gründete einen Ableger seiner Firma "International Dutch Ressources" über die er später drei Stuttgarter Luxus-Sportwagen kaufen und nach Kolumbien verschiffen ließ

Verwandschaft hat "Crazy Charlie" hier dem "Spiegel" zufolge nicht mehr. Zunächst einmal solle er deshalb von einer gemeinnützigen Organisation betreut werden. Von den deutschen Behörden habe der ehemalige Drogenbaron nichts zu befürchten, da er seine Strafe in den USA abgesessen habe und er deswegen nicht erneut dafür vor Gericht gestellt werden könne.

Hinter Lehders Abschiebung soll dem Bericht zufolge ein diplomatischer Deal stecken. Kolumbien habe über viele Jahre die Auslieferung des Kokain-Königs nach dem Ende seiner US-Haft eingefordert. Einige seiner Verwandten hatten demnach aber dagegen protestiert, da sie fürchteten, dass Lehder in Kolumbien erneut hinter Gitter kommen würde. Der 70-Jährige soll laut dem Bericht mittlerweile schwer krank sein, vermutlich auch deshalb habe sich Deutschland bereiterklärt, ihn im Zuge einer humanitären Geste aufzunehmen.

Crystal Meth Abhängiger: Vorher-Nachher Vergleichsbild

Lehder, dessen Vater Antisemit gewesen sein soll, verehrte früher angeblich Adolf Hitler und wetterte gegen die Juden. Innerhalb des Kartells galt er laut "Spiegel" als besonders brutal bei der Verfolgung möglicher Verräter. Das Leben des Deutsch-Kolumbianers fand unter anderem Einzug in den Kinofilm "Blow" mit Johhny Depp und die Netflix-Serie "Narcos".

Hinweis: In der ersten Fassung dieses Artikels hieß es, Lehder sei noch nie in Deutschland gewesen. Diese Angabe war falsch und wir haben sie korrigiert. Für den Fehler bitten wir um Entschuldigung.

Quellen: "Spiegel", "Vice", Britannica

mad