Charles Taylor Brutaler Ex-Diktator boykottiert Prozess

Seine Milizen haben gemordet, vergewaltigt und geplündert. Nun steht Liberias Ex-Diktator Charles Taylor wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor dem UN-Tribunal. Der Prozess begann mit zwei Paukenschlägen.

Der mit Spannung erwartete Prozess gegen den früheren Präsidenten und Diktator von Liberia, Charles Taylor, hat am Montag mit einem Eklat begonnen. Der wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagte Taylor blieb dem Verfahren fern und sein Anwalt Karim Khan legte demonstrativ das Amt nieder. Beide protestierten damit gegen die nach ihrer Auffassung unzureichenden Arbeitsmöglichkeiten für die Verteidigung.

Taylor ist vor dem internationalen Sondergericht für Sierra Leone angeklagt, das über die mutmaßlichen Hauptverantwortlichen für den Bürgerkrieg in den 90er Jahren urteilen soll. Aus Sicherheitsgründen tagt das Gericht in Den Haag. Überraschend blieb Taylor am Morgen in seiner Gefängniszelle statt zum ersten Verhandlungstag zu erscheinen.

Scharfer Wortwechsel zwischen Richterin und Anwalt

Rechtsanwalt Khan lieferte sich einen scharfen Wortwechsel mit der aus Uganda stammenden Vorsitzenden Richterin Julia Sebutinde, die nach den Gründen für Taylors Fernbleiben fragte. Der Jurist beklagte, dass er mit nur sehr wenigen und zum Teil gerade erst eingestellten Mitarbeitern einer personell und finanziell übermächtigen Anklagebehörde gegenüberstehe. Er verlas einen Brief Taylors, in dem dieser feststellt: "Ich kann zur Zeit kein faires Verfahren erwarten." Deshalb werde er vorerst am Prozess nicht teilnehmen und habe das Mandat für seine Verteidiger beendet, schrieb Taylor.

Ungeachtet dieser Entscheidung ordnete das Gericht an, dass Khan zumindest an diesem Tag noch die Verteidigung behalten müsse. Doch der britisch-pakistanische Anwalt weigerte sich und verließ den Saal. Daraufhin wurde der vom Gericht angestellte Jurist Charles Jalloh mit der Verteidigung beauftragt, und Ankläger Stephen Rapp (USA) konnte mit der Verlesung der Anklage beginnen.

13 mutmaßliche Haupttäter angeklagt

Rapp machte Taylor verantwortlich für die Gräueltaten der von ihm geförderten Rebellengruppe RUF in Sierra Leone. Die RUF habe Kindersoldaten eingesetzt, ihre Opfer verstümmelt und vergewaltigt und in großem Maßstab geplündert. Taylor habe von Liberia aus Waffen und Geld für die RUF zur Verfügung gestellt, die ihn mit illegal geförderten Diamanten bezahlt habe.

Taylor ist nach dem früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic erst das zweite Staatsoberhaupt, das sich vor einem internationalen Gericht wegen Kriegsverbrechen verantworten muss. Das Sondergericht wurde nach dem Bürgerkrieg vom Staat Sierra Leone und den Vereinten Nationen aufgebaut. Insgesamt 13 mutmaßliche Haupttäter der Bürgerkriegszeit wurden angeklagt.

DPA/Reuters DPA Reuters

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