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Vorwurf in Chemnitz: Beamte erwischen Hakenkreuz-Sprayer und lassen sie weitermachen? Die Polizei wehrt sich

Bilder aus Überwachungskameras in Chemnitz sollen zeigen, wie Unbekannte Hakenkreuze an eine Fassade schmieren - bis die Streife kommt. Nach deren Abfahrt sollen die Täter einfach weitergemacht haben - das sagt die Polizei.

Ein an eine Hauswand gesprühtes Hakenkreuz. Dies ist auch in Chemnitz geschehen.

Die Täter sprühten in Chemnitz unter anderem ein Hakenkreuz an die Fassade (Symbolbild). Die Polizei wehrt sich gegen den Vorwurf der Untätigkeit

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In der sächischen Großstadt ermittelt der Staatsschutz wegen rechter Schmierereien: In der Nacht zu Dienstag haben drei Unbekannte am Bäckerei- und Großhandelsgebäude eines kurdischen Geschäftsmanns rassistische Sprüche an die Fassade und die Fenster sowie auf einen Firmenwagen gesprüht.

In verschiedenen Farben seien Parolen und Symbole mit verfassungsfeindlichen Inhalten auf einer Länge von bis zu 2,40 Meter hinterlassen worden. Unter anderem handele es sich um SS-Runen und ein , sagt eine Polizeisprecherin dem stern. Der Sachschaden betrage vermutlich mehr als 10.000 Euro.

Polizei in Chemnitz ermittelt nach Schmierereien

Die Ermittlungen der Staatsschutz-Abteilung laufen wegen "Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen in Tateinheit mit ".

Die PR-Abteilung der Polizei hat unterdessen aus einem anderem Grund wegen des Vorfalls alle Hände voll zu tun. Denn die drei Männer wurden bei der Begehung ihrer Straftat von mehreren Überwachungskameras gefilmt. Und - so berichtete das Nachrichtenportal "Tag24" - die Aufnahmen sollen auch zeigen, wie ein Streifenwagen der Polizei am Tatort vorfuhr, die beiden Beamten einen der beteiligten Männer ansprachen und anschließend unverrichteter Dinge wieder davonfuhren. Das Trio soll nach der kurzen Störung seine Schmierereien unbeeindruckt fortgesetzt haben.

"Vorverurteilung ist unglaublich"

Polizisten erwischen rechte Sprayer auf frischer Tat und lassen Sie gewähren? Das wäre ein ungeheuerlicher Vorgang, der aber noch lange nicht bewiesen ist. Die sächsische verspricht Aufklärung: "Derzeit läuft unter anderem die Auswertung einer Vielzahl von Aufnahmen mehrerer Kameras", erklärte die Polizeisprecherin, nachdem sie mit dem Vorwurf der möglichen Untätigkeit ihrer Kollegen konfrontiert wurde. Erst nach Abschluss der Prüfung könne eine Aussage dazu getroffen werden, wann genau die Streife vor Ort gewesen sei. Auch werden die beteiligten Beamten zu dem Geschehen in der Nacht befragt, kündigte die Sprecherin an. Nutzer in sozialen Netzwerken äußerten sich ungeachtet der laufenden Sichtung der Bilder empört über das mögliche Fehlverhalten der Polizisten. Die sächsische Polizei wehrte sich indes vehement gegen die Vorverurteilungen.

Der betroffene Inhaber des Firmengebäudes sagte im Gespräch mit dem stern, er halte es auch für möglich, dass die Beamten nicht mitbekommen haben, was die Gruppe an seinem Grundstück getrieben habe. Ihm sei derweil nur wichtig, dass die Männer schnell gefasst werden. "Ich habe Angst, dass die Täter wiederkommen und ihre Hassparolen praktisch umsetzen", zitierte ihn "Tag24".

Zur Ergreifung der Täter hoffen die Ermittler neben Erkenntnissen aus der Auswertung der Videoaufnahmen auch auf Hinweise von Zeugen, die in der Nacht zu Dienstag im Bereich Jakob-/Sonnen-/Martinstraße im Stadtteil Sonnenberg verdächtige Beobachtungen gemacht haben. Sie werden gebeten, sich unter der Telefonnummer (0371) 387495808 an die Chemnitzer Polizei zu wenden.