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Deutscher Mordfall in China: Liebe und Tod in Xiamen

In einem chinesischen Gefängnis sitzt Philipp B. und hofft, dass er seiner Hinrichtung entgeht. Der Deutsche hat zwei Menschen das Leben genommen – weil ihr Glück für ihn unerträglich war.

Von Felix Hutt und Janis Vougioukas

Der Haupteingang des Gefängnisses "Nummer 1" von Xiamen. Hier sitzt der zum Tode verurteilte Philipp B. und wartet auf sein Berufungsverfahren

Der Haupteingang des Gefängnisses "Nummer 1" von Xiamen. Hier sitzt der zum Tode verurteilte Philipp B. und wartet auf sein Berufungsverfahren

Dieser Text erschien zuerst in unserer gedruckten Ausgabe des stern Nr. 2 am 2. Januar 2015

Der Junge weiß es noch nicht. Er ist sechs Jahre alt und wird von Verwandten großgezogen, die alles dafür tun, dass es ihm gut geht. So gut es eben gehen kann, wenn beide Eltern fort sind. Ermordet in einer dunklen Straße in China, da war der Junge noch sehr klein. Wenn er irgendwann fragen sollte, warum Mama und Papa sterben mussten, bleibt nur eine Antwort, wunderschön und traurig zugleich: weil sie sich liebten.

Der Mann, der diese Liebe nicht ertragen konnte, sitzt im Gefängnis "Nummer 1" der südostchinesischen Hafenstadt Xiamen. Philipp B., 37, teilt seine Zelle mit bis zu 15 anderen Häftlingen und wartet darauf, dass ein Berufungsgericht über sein Leben entscheidet. Die Chancen stehen schlecht, in China wird man schon für weniger als einen Doppelmord hingerichtet. Ein fröhlicher Surfertyp sei er gewesen, sagen die, die den hochgewachsenen Bayern von früher kennen. Sie sprechen von ihm in der Vergangenheitsform, wollen anonym bleiben. Zu sehr hat seine Tat das Bild verändert, das sie von ihm hatten.

Drei junge Deutsche suchen in China ihr Glück

Er habe abgenommen, sagt einer der wenigen, die ihn in den letzten Monaten besucht haben, ansonsten wirke er ruhig und gefasst. Als ob er sich mit dem, was kommen könnte, abgefunden habe. Seit vier Jahren beschäftigt sein Fall das Auswärtige Amt, die höchsten Kreise der Politik und Diplomatie. Es gilt zu verhindern, was vielleicht nicht zu verhindern ist. Wenn kein Wunder geschieht, wird Philipp B. der erste Deutsche sein, den man in China hinrichtet. Und schuld daran ist die größte Gegenspielerin der Liebe, die Eifersucht.

Die Geschichte der drei jungen Deutschen, die in China ihr Glück suchten und das Gegenteil fanden, beginnt im Jahr 2000, nur ein paar Kilometer vom Gefängnis entfernt, auf dem Campus der Universität von Xiamen. Philipp B. und Jennifer M., Sinologie Studenten aus München, verbringen hier ihr erstes Auslandssemester. Er, ein weltoffener und intelligenter junger Mann aus Teisendorf an der Grenze zu Österreich. Sie, eine schwarzhaarige Deutsch-Venezolanerin, die seit Langem in München lebt. Schön wie ein Model sei sie gewesen, sagen Freunde. Beide eint ihre Leidenschaft für China. Nach dem Grundstudium wollten sie dort leben und die Kultur besser kennenlernen, ihre Professoren in München hatten ihnen Gutachten für den Deutschen Akademischen Austauschdienst geschrieben, der Stipendien vermittelt.

Xiamen - das Nizza Chinas

Als Philipp B. und Jennifer M. auf die traditionsreiche Hochschule mit der weitläufigen Parkanlage und dem traumhaften Blick über die Stadt kommen, ist China noch ein anderes Land als heute. Die Wirtschaft öffnet sich gerade, fast jede Woche verkündet die Regierung neue Reformen und Pilotprojekte. Es herrscht Aufbruchstimmung. Xiamen liegt am Meer, die Vier-Millionen-Einwohner-Stadt ist so etwas wie das Nizza Chinas. In der Altstadt stehen Palmen, es gibt Alleen, Cafés und Strände – eine Lebensqualität, die in anderen chinesischen Boomregionen verloren gegangen ist.

Zu dieser Zeit leben nicht viele Ausländer in Xiamen, ein paar Hundert vielleicht. Studenten, Jungunternehmer und Abenteurer auf der Suche nach einträglichen neuen Geschäften, dem Glück, der Freiheit oder allem zusammen. Das Leben ist leicht, man trifft sich in den Restaurants rund um den großen See in der Innenstadt.

Philipp B. und Jennifer M. kennen sich aus München, wann ihre Liebe beginnt, lässt sich nicht mehr datieren. Klar ist nur, dass sie für Philipp B. die Liebe seines Lebens wird, eine Obsession. Jennifer M. sieht das wohl etwas nüchterner. Beiden gefällt die Stimmung in Xiamen. Eigentlich sollen sie nur ein Jahr bleiben und dann in München weiterstudieren, aber sie verlängern ihren Aufenthalt.

Schlecht beleuchtet und düster: Hier wurden Jennifer und Jörn erstochen

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Für Philipp B. wird Jennifer M. zur Obsession

Auch Jörn H. aus der Nähe von Hamburg ist einer der Ausländer, die in Xiamen ihr Glück suchen, allerdings nicht als Student, sondern als Geschäftsmann. Anfang 2000 gründet er das Textilunternehmen Texem. Die Fabrik gibt es noch immer. Sie liegt etwas außerhalb der Stadt im Nordwesten, ein braun gekacheltes Gebäude mit neun Stockwerken. Vor allem kleinere Textilfirmen haben sich hier eingemietet und teilen sich die Produktionsanlagen.

Im Dezember 2001 öffnet in Xiamen "The Londoner". Der Pub ist erst die dritte Bar der Stadt. An den Wänden hängen Bilder von Golfturnieren und Fußballspielen. Im Fernsehen laufen amerikanische Sportsendungen. "Der Londoner war damals ein Hotspot für die Ausländer", erzählt der Besitzer, "auch Jörn, Jennifer und Philipp kamen regelmäßig." Die drei jungen Deutschen lernen sich kennen, freunden sich an, verbringen viel Zeit miteinander, bei Partys am Strand oder beim Guinness an der Bar.

Nach zwei Jahren kehren Philipp B. und Jennifer M. wieder nach München zurück. Anfangs wirken sie auf Bekannte am Institut für Sinologie wie ein glückliches Paar. Aber je größer der Abstand zu ihrer Zeit in Xiamen wird, umso weniger scheint Jennifer M. an die Beziehung zu glauben. Ein Mitarbeiter der Universität, der beide kannte, glaubt, dass Philipp B. viel mehr in Jennifer M. verliebt war als sie in ihn. So richtig weiß keiner zu der Zeit, ob die beiden noch zusammen sind oder nicht – wahrscheinlich, so wirkt es auf Außenstehende, wissen sie es nicht einmal selbst.

"Die Depressionen konnte man ihm ansehen"

Im Februar 2004 stirbt Philipp B.s Mutter an Lungenkrebs. Sie hat ihn und seinen Bruder lange Zeit mithilfe eines Kindermädchens allein großgezogen, der Vater hatte die Familie verlassen und lebt heute in der Steiermark. Helga B. galt in Teisendorf als engagierte und angesehene Frau, ihre Zahnarztpraxis war ein beliebter Anlaufpunkt für alle, vom Dorfpfarrer bis zum Bürgermeister. Philipp B. fällt nach dem Tod der Mutter in ein Loch. Sein Zustand lässt sich auch an der Universität nicht verbergen, "die Depressionen konnte man ihm ansehen", sagt einer, der ihn lange begleitete.

Jennifer M. kehrt 2006 nach Xiamen zurück. Sie hat den Kontakt zu Jörn H. nie abreißen lassen und arbeitet bald als Managerin in seiner Firma. Es dauert wohl nicht lange, bis sie sich näherkommen. Im Winter desselben Jahres fliegt Jennifer M. nach München zurück, auch um die Beziehung mit Philipp B. endgültig zu beenden. Dem geht es danach noch schlechter, er nimmt eine Auszeit und reist für ein paar Monate zu seinem Onkel nach Kanada. Sein Studium verzögert sich, seine Magisterarbeit wird erst im Herbst 2008 begutachtet.

Aus dem Exfreund wird ein Stalker

Philipp B. pendelt in den folgenden Jahren zwischen München und Xiamen. Aus dem Exfreund wird über die Jahre ein manisch Verzweifelter, ein Stalker, der sich nicht mehr im Griff hat. Er heuert sogar einen Privatdetektiv an, der seine Exfreundin und den neuen Mann an ihrer Seite überwachen soll. Jennifer M. und Jörn H. werden Eltern, sie bekommen einen Sohn. Ein Lebenstraum geht für Jennifer in Erfüllung, oft sieht man die junge Mutter in der Stadt mit ihrem Kleinen, dem sie in der Fremde Spanisch beibringt, ihre Sprache.

Jörn H. und Jennifer M. ziehen aus ihrer Wohnung in eine Anlage, die gesichert ist wie eine Festung. Der Compound ist von meterhohen Mauern umgeben, wird von Kameras und einem Sicherheitsdienst überwacht. Gemeinsame Freunde der drei Deutschen hoffen noch, dass Philipp B. sich beruhigt. Sie halten ihn für einen verliebten Spinner, der eine Lebenskrise durchmacht. Niemand ahnt, wie groß seine Probleme sind, wie weit sein Hass gehen wird.

In China sprechen Polizisten selten mit ausländischen Medien. Doch dieses Mal machen sie für den stern eine Ausnahme. Seit Jahren beschäftigt Philipp B.s Fall Polizei und Staatsanwaltschaft von Xiamen. Sie wissen, dass ein deutscher Todeskandidat für Aufsehen sorgt. Chinas Regierung will zeigen, wie sorgfältig die Behörden gearbeitet haben. Deshalb treffen sich drei hochrangige Ermittler vor wenigen Wochen mit dem stern im Konferenzraum des Marco-Polo-Hotels in Xiamen. "Hier unten ist es passiert", sagt einer der Beamten gleich zur Begrüßung und deutet auf die Straße vor dem Hotel.

Xiamen liegt an der Südwestküste Chinas, hat 3,5 Millionen Einwohner und hat sich mit dem Aufschwung des Landes rasant entwickelt

Xiamen liegt an der Südwestküste Chinas, hat 3,5 Millionen Einwohner und hat sich mit dem Aufschwung des Landes rasant entwickelt

GPS-Sender, um das Paar zu verfolgen

Die Fahnder haben Akten in braunen Umschlägen dabei. Was sie in den nächsten Stunden daraus vorlesen, hört sich an wie der Plot eines Thrillers. Rund 20 Mordfälle gebe es jedes Jahr in Xiamen, sagen sie, doch dieser sei schon sehr besonders gewesen. Am 13. Mai 2010 fliegt Philipp B. von Deutschland nach China. Er landet zunächst in Peking, zwei Tage später kommt er in Xiamen an. Er hat ein Zimmer in einem kleinen Hotel gebucht, nach kurzer Zeit zieht er zu einem Freund, einem Studenten aus Nepal. Wieder sucht er einen Privatdetektiv, dem er erzählt, das Paar schulde ihm Geld. Drei Wochen lang bereitet er seine Tat vor. Besorgt einen GPS-Tracker, den er an Jörn H.s Auto montiert. Verfolgt das Paar, studiert seine Gewohnheiten. Kauft ein Messer mit einer 30 Zentimeter langen Klinge, einen Hammer, eine Luftpistole, Seile und ein Klebeband.

Der 5. Juni 2010 ist ein Samstag, ein warmer Sommertag. Philipp B. wartet vor der Wohnanlage, folgt Jörn H., als der in die Fabrik fährt. Gegen acht Uhr abends fahren Jörn H. und Jennifer M. ohne ihren Sohn ins Marco-Polo-Hotel am See in der Innenstadt. Im Restaurant gibt es ein sehr gutes Büfett. Sie parken ihren chinesischen Kleinbus, Marke "Goldbecher", gegenüber dem Hotel auf Parkplatz 27 neben einem dicken Baum. Nach dem Essen wollen sie zum Auto zurück.

"Da liegt ein Toter!"

Zu dem Zeitpunkt ist die Jianye-Straße dunkel. Es gibt Lampen, doch ihr Licht dringt kaum durch das dichte Laub der Mango- und Wollmispelbäume, der Gehweg liegt im Schatten. Vom See kommen Spaziergänger zurück und verschwinden in den Hochhäusern.

Philipp B. trägt schwarze Arbeitskleidung, als er die beiden überrascht. Er sticht auf Jörn H. ein, dann auf Jennifer M., die Philipp B. noch angefleht haben soll, sie am Leben zu lassen. Verdammt schnell geht alles, so schnell, dass niemand eingreifen kann. Augenzeugen berichten später von einem Blutbad. „Ich stand in meinem Laden, als ich plötzlich Schreie hörte", sagt der Friseur von der Ecke. "Ich rannte nach draußen und sah zwei Ausländer auf der Straße neben dem Auto liegen, überall war Blut." Jemand rief: "Da liegt ein Toter!"

Im Obduktionsbericht ist von schweren Stichwunden und Verletzungen der Organe die Rede, Jennifer M. und Jörn H. verbluten innerhalb kürzester Zeit. Philipp B. verletzt sich bei der Attacke selbst, schneidet sich mit dem Messer in sein rechtes Bein. Er trifft eine Arterie, verliert viel Blut. Taumelt noch ein paar Schritte Richtung Hotel. Dann bricht er zusammen.

Wut und Unverständnis

Innerhalb von Minuten erscheint die Distriktpolizei am Tatort, etwas später der Krankenwagen. Gegen 23 Uhr wird Philipp B. in die Notaufnahme der "Zhongshan"-Klinik eingeliefert. "Das größte Problem war der Blutverlust", sagt Liu Xiaomei, die Ärztin, die damals Dienst hatte. "Wir gaben ihm Bluttransfusionen, doch er brauchte fast zwei Tage, bis er wieder zu sich kam, und konnte sich zunächst an nichts erinnern."

Nachdem er sich erholt hat, wird Philipp B. in ein Einzelzimmer im siebten Stock verlegt und rund um die Uhr von Polizisten bewacht. "Er war ein freundlicher Patient", sagen Ärzte und Krankenschwestern, der perfektes Chinesisch sprach und mit seinen Wächtern über klassische chinesische Literatur plauderte. "Man konnte ihm weder Schuldgefühle noch irgendeine Form der geistigen Verwirrung anmerken", sagt Liu Bin, die Stationsschwester.

Einige Zeit nach dem Mord verstreuen Familienangehörige und Freunde von Jörn H. und Jennifer M. die Asche der beiden auf dem Meer vor der Stadt. Es ist eine kleine, stille Zeremonie, doch man spürt die Wut und das Unverständnis über die Tat, sagt ein Freund, der dabei war. Die Blutlache auf der Straße ist noch lange zu sehen. "Ich konnte den Anblick nicht ertragen und bin ein halbes Jahr lang extra einen Umweg nach Hause gegangen", sagt Zhu Hong, die gleich nebenan einen Kiosk betreibt.

Das Gefängnis "Nummer 1" liegt in der Innenstadt von Xiamen, umgeben von Wohnhäusern

Das Gefängnis "Nummer 1" liegt in der Innenstadt von Xiamen, umgeben von Wohnhäusern

"Kurz vor der Hinrichtung will jeder leben"

Am 19. August 2014, mehr als vier Jahre nach der Tat, verkündet das Mittlere Volksgericht der Stadt Xiamen das Todesurteil gegen Philipp B. Zwei Mitarbeiter des deutschen Konsulats in Kanton sind im Gerichtssaal dabei. Doch ihre Anwesenheit kann ein Urteil nicht verhindern, das nach chinesischem Recht nicht übertrieben ist. Nach der Verkündung fragt der Richter, ob Philipp B. Einspruch einlegen möchte. Er antwortet mit Nein. Ist lebensmüde.

Zehn Tage gibt das chinesische Strafrecht Angeklagten Zeit, um Berufung gegen ein Urteil einzulegen. Kurz vor Ablauf der Frist reicht Philipp B.s Anwalt einen entsprechenden Antrag ein. Vielleicht auf Drängen der Familie oder des deutschen Konsulats. Vielleicht, weil es irgendjemandem gelang, Philipp B. davon zu überzeugen, dass sein Dasein doch noch einen Wert habe. "Kurz vor der Hinrichtung will jeder leben", sagt der Chef des Ermittlungsteams in Xiamen.

Das zuständige Obere Volksgericht der Provinz Fujian wird nun entscheiden, wie es mit der Berufung umgeht. Sollte das Gericht das vorliegende Urteil bestätigen, muss der Oberste Volksgerichtshof der Todesstrafe zustimmen. Die kann in China sogar schon für Sabotage und in schweren Fällen von Korruption verhängt werden. Jedes Jahr richtet man hier mehr Menschen hin als im Rest der Welt zusammen. Ihre genaue Zahl ist ein Staatsgeheimnis. Doch Menschenrechtsorganisationen schätzen, dass es allein im vergangenen Jahr rund 2400 waren.

Die Todesstrafe ist in China immer wahrscheinlich

Experten halten Philipp B.s Chancen für gering: "Mordfälle enden fast immer mit einem Todesurteil", sagt der Menschenrechtsexperte Joshua Rosenzweig. Auch der Pekinger Anwalt Li Heping sagt: "Solange der Mord kein Versehen war, ist die Todesstrafe sehr wahrscheinlich." Aber das Auswärtige Amt teilt mit, dass man mit dem zuständigen Generalkonsulat in Kanton alles versuche, um eine Hinrichtung zu verhindern. Dass Deutschland die Todesstrafe ablehne, sei kein Geheimnis, und das werde auf höchster Ebene kommuniziert.

Philipp B.s Anwalt Chen Liqun aus einer Kanzlei in Xiamen, die den Deutschen vertritt, übt sich in Zurückhaltung. Ein persönliches Treffen mit dem stern lehnt er ab. "Ohne die Zustimmung meines Klienten kann ich das laufende Verfahren nicht kommentieren. Wenn Anwälte Interviews geben, kann es die öffentliche Meinung negativ beeinflussen und meinem Mandanten am Ende sogar schaden", teilt er mit. Den Kontakt zur Familie hält er über E-Mails, die er auf Englisch schreibt. Philipp B.s Bruder möchte sich gegenüber dem stern ebenfalls nicht äußern, um die Arbeit des Auswärtigen Amts nicht zu gefährden.

Mord und Totschlag im chinesischen Recht

Philipp B. könnte zugutekommen, dass er bei den Ermittlungen kooperiert und jede Einzelheit seiner Tat geschildert habe, sagt die Polizei. Vor Gericht gab er an, den Mord nicht geplant zu haben. Er habe die Waffen lediglich mitgenommen, um das Paar einzuschüchtern. Auch im chinesischen Recht gibt es einen Unterschied zwischen vorsätzlichem Mord und Totschlag. Allerdings kommen die Ermittler zu dem Schluss: "Was er getan hat, war geplant und lässt keinen Zweifel an seinen Vorsätzen."

Philipp B. wäre der zweite Europäer seit 1951, der in China hingerichtet wird. Vor fünf Jahren hat man den Briten Akmal Shaikh wegen Drogenschmuggels exekutiert. Oft wissen die Todeskandidaten nicht, an welchem Tag ihr Urteil vollstreckt werden soll. Irgendwann, meist am Morgen, kommen Polizisten in ihre Zelle. Sie stülpen den Verurteilten einen Sack über den Kopf und nehmen sie mit. Die Hinrichtung in Xiamen erfolgt dann per Giftspritze. Einer Tradition folgend lassen die anderen Gefangenen das Bett des Getöteten drei Nächte lang leer.

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Von:

Janis Vougioukas und Felix Hutt