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Gefangen, betäubt, entführt: Ihre Geschichte wollte kaum jemand glauben. Nun wurde der Entführer von Chloe Ayling verurteilt

Das Martyrium des entführten Models Chloe Ayling schrieb Schlagzeilen - nicht zuletzt, weil ihr viele diese unglaubliche Geschichte nicht abkaufen wollten. Ein Gericht hat die Zweifel nun aus dem Weg geräumt. Und den Mann hinter ihren Qualen verurteilt.

Entführer von Chloe Ayling verurteilt

Lucasz H. muss nach der Entführung von Chloe Ayling für 16 Jahre und neun Monate ins Gefängnis (Archivbild)

Picture Alliance

Gefangen, betäubt, entführt. Eingeschlossen, gefesselt an Händen und Füßen, um im Darknet an den Meistbietenden verkauft zu werden. Die Geschichte des britischen Models Chloe Ayling, das Mitte Juli 2017 in Mailand entführt und eine Woche lang festgehalten wurde, ähnelt einem Alptraum. Nun wurde der Mann hinter ihrem Martyrium verurteilt.

Lucasz H. muss nach der Entführung des Models in Italien für 16 Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Ein Gericht in sprach den 31-Jährigen Polen am Montag schuldig, die Britin im vergangenen Jahr fast eine Woche festgehalten zu haben. Die Richter sprachen dem Opfer italienischen Medienberichten zufolge das Recht auf finanzielle Entschädigung zu. Die Höhe der Summe stehe noch nicht fest.

Auf ihrem Instagram-Account zeigt Model Chloe Ayling ein Selfe von sich im Bad. Sie trägt einen weißen Badeanzug

Model Chloe Ayling wurde entführt und sollte als Sexsklavin versteigert werden

Zweifel an Chloe Aylings Geschichte

Was war passiert? Die inzwischen 20-jährige Chloe Ayling gab an, der Mann habe sie unter dem Vorwand eines Foto-Shootings nach Mailand gelockt. Demnach setzte er sie unter und brachte sie im Kofferraum eines Autos in ein abgelegenes Bergdorf im Nordosten des Landes. Ihr sei dort gesagt worden, eine Gang habe sie entführt und wolle sie im Internet als Sexsklavin verkaufen. Nach einigen Tagen fuhr der Pole Ayling den Angaben zufolge zurück nach Mailand und setzte sie nahe des britischen Konsulats aus. Sie sei wegen ihres kleinen Sohnes verschont worden, erzählte die junge Frau.

Eine unglaubliche Geschichte - die viele zunächst nicht glauben konnten. Warum wurde die 20-Jährige mit einem ihren Entführer beim Einkaufen gesehen? Kollaborierte das Model aus dem Süden Londons insgeheim mit Lucasz H. und dieser ominösen Gang, die sie entführt haben soll? 

"Man sagte ihr, man werde sie für Sex an jemanden im Nahen Osten verkaufen. Man sagte ihr, die Leute würden sie beobachten und seien bereit, sie umzubringen, wenn sie etwas unternehmen würde. Also dachte sie, es sei die beste Idee, freundlich zu ihren Entführern zu sein", erläuterte Aylings Anwalt Francesco Pesce damals in einem Interview mit dem britischen Sender BBC. Deshalb sei sie mitgegangen, als ihr mutmaßlicher Entführer Einkäufe erledigen wollte. Deshalb habe sie keinen Fluchtversuch gewagt. 

"In gewisser Weise ist es nicht überraschend, dass die Medien die Geschichte nur schwer glauben konnten"

Die Verteidigung des nun Verurteilten hatte ähnlich argumentiert: Das Model habe die Entführung inszeniert, um ihre Karriere voranzutreiben. Diese Zweifel hat das Gericht in Mailand nun aus dem Weg geräumt. Laut Staatsanwaltschaft sei Lucasz H. ein "Narzisst und ein von Miss Ayling besessener Phantast" und habe mit "ausgearbeiteten Lügen" versucht, die Gunst des Models zu gewinnen. Das berichtet die BBC.

Demnach habe der 31-Jährige lediglich behauptet, Mitglied einer Entführerbande zu sein, die Sexsklaven verkaufe. Sein (w)irres Kalkül: Sympathien bei dem Model gewinnen, weil er sie aus den Fängen der vermeintlichen Gang befreit hat. Zu seiner Verteidigung sagte Lucasz H. laut BBC, dass er das Model bereits vorher getroffen und sich in sie verliebt habe. Darüber hinaus behauptete er, dass er einen Skandal orchestrieren wollte, um ihre Karriere zu fördern. Die Idee zu dem vermeintlichen PR-Stunt - "eine geistige und körperliche Misshandlung", so ein Polizist - sei Lucasz H. nach dem Film "By Any Means" gekommen. In dem US-Thriller wird ein ähnlicher Entführungs-Plot skizziert. 

"In gewisser Weise ist es nicht überraschend, dass die Medien die Geschichte nur schwer glauben konnten", sagte ihr Agent Adrian Sington der BBC. Nach dem Schuldspruch könne Chloe Ayling ihr Leben fortsetzen. Und endlich sagen: "Ich weiß, es ist eine bizarre Geschichte, aber sie ist wahr."

fs / pg / tkr / AFP
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