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Chronik: Der Fall Motassadeq

Das Hamburger Oberlandesgericht hat den Terrorhelfer Mounir El Motassadeq zu 15 Jahren Haft verurteilt. Es war bereits der dritte Prozess gegen den 32-jährigen Marokkaner wegen der Anschläge vom 11. September 2001. Eine Chronik des jahrelangen Verfahrens.

1995: Der in Marokko geborene El Motassadeq, der 1993 zum Studieren nach Deutschland kam, zieht nach Hamburg, wo er den späteren Todespiloten Mohammed Atta kennen lernt.

Ende Mai bis Anfang August 2000: Motassadeq hält sich in einem Al-Kaida-Ausbildungslager in Afghanistan auf.

11. September 2001: Terroranschläge in den USA.

28. November 2001: Motassadeq wird in Untersuchungshaft genommen.

23. August 2002: Generalbundesanwalt erhebt Anklage wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zum Mord in mehr als 3.000 Fällen. Laut Anklage war Motassadeq "bis zuletzt in die Attentatsvorbereitungen eingebunden".

22. Oktober: Vor dem Hamburger Oberlandesgericht (OLG) beginnt der Prozess gegen Motassadeq. Es ist der weltweit erste Prozess zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001.

19. Februar 2003: Motassadeq wird zur Höchststrafe von 15 Jahren Haft verurteilt. Das OLG sieht es als erwiesen an, dass er als Mitglied der Hamburger Zelle die finanziellen Geschäfte der Attentäter erledigte und ihre Abwesenheit verbarg.

20. Februar: Motassadeqs Anwälte legen Revision gegen das Urteil ein.

14. August: Vor dem OLG beginnt der zweite Hamburger Terrorprozess gegen den Marokkaner Abdelghani Mzoudi, in dem auch Motassadeq als Zeuge gehört wird.

11. Dezember: Mzoudi wird überraschend freigelassen. Hintergrund ist eine anonyme Aussage, die das Bundeskriminalamt besorgt hatte. Demnach gehörte außer dem im September 2002 in Pakistan festgenommenen Ramzi Binalshibh und den drei Todespiloten niemand zur Hamburger Terrorzelle. Motassadeqs Anwälte bemühen sich daraufhin vergeblich um die Freilassung Motassadeqs.

29. Januar 2004: Beginn der Revisionsverhandlung im Fall Motassadeq vor dem Bundesgerichtshof. 5. Februar: Das Hamburger OLG spricht Mzoudi vom Terrorverdacht frei.

4. März: Der BGH hebt das Urteil gegen Motassadeq auf.

9. März: Motassadeq beantragt seine Haftentlassung.

7. April: Motassadeq kommt nach einem OLG-Beschluss unter Auflagen aus der Untersuchungshaft.

10. August: Vor dem Hamburger OLG beginnt der zweite Prozess gegen Motassadeq.

9. August 2005: Die Bundesanwaltschaft fordert erneut die Höchststrafe von 15 Jahren Haft.

12. August: Die Verteidigung bekräftigt die Unschuld des Angeklagten und fordert Freispruch.

19. August: Das Hamburger OLG verurteilt Motassadeq zu sieben Jahren Haft wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Den Vorwurf der Beihilfe zum Mord in über 3.000 Fällen hält das Gericht nicht für erwiesen. Noch im Gerichtssaal wird der Haftbefehl gegen Motassadeq erneut vollstreckt.

23. August 2005: Bundesanwaltschaft und Verteidigung legen jeweils Revision gegen das Urteil ein.

1. Februar 2006: Das Bundesverfassungsgericht sieht Fehler in der neuerlichen Inhaftierung Motassadeqs.

7. Februar: Motassadeq wird aus der Haft entlassen. Allerdings muss er Auflagen wie die regelmäßige Meldung bei der Polizei und das Wohnen bei seiner Familie einhalten.

16. November: Der Bundesgerichtshof verurteilt Motassadeq rechtskräftig wegen Beihilfe zum Mord in 246 Fällen und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Das Oberlandesgericht Hamburg muss ein neues Strafmaß festsetzen.

17. November: Motassadeq kommt erneut in Untersuchungshaft.

22. Dezember: Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe bestätigt den Eingang einer Verfassungsbeschwerde, mit der Motassadeqs Anwälte gegen den Schuldspruch des BGH vorgehen.

5. Januar 2007: Vor dem Hamburger OLG beginnt der dritte Prozess gegen Motassadeq, in dem nur noch das Strafmaß festgelegt werden muss.

8. Januar: Das OLG verhängt die Höchststrafe von 15 Jahren Haft.