Chronologie Chronik eines nicht mehr erwarteten Prozesses


Marc Dutroux war der belgischen Polizei schon lange bekannt, bevor er im August 1996 festgenommen wurde. Im Folgenden eine Chronik der Ereignisse.

Am 1. März beginnt in Arlon der Prozess gegen den belgischen Kinderschänder Marc Dutroux. Dutroux war der belgischen Polizei schon lange bekannt, bevor er im August 1996 festgenommen wurde. Im Folgenden eine Chronik der Ereignisse.

1989:

Marc Dutroux wird wegen Vergewaltigung von fünf Mädchen und jungen Frauen zwischen zwölf und 19 Jahren zu dreizehneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

1992:

Wegen guter Führung kommt Dutroux frei.

1995:

24. Juni:

Die beiden achtjährigen Mädchen Julie und Melissa werden in ihrem Heimatort Grace-Hollogne in der Provinz Lüttich beim Spielen verschleppt.

22./23. August:

Die 17jährige An und ihre 19 Jahre alte Freundin Eefje aus Hasselt werden während eines Urlaubs an der belgischen Küste in Ostende entführt.

13. Dezember:

Der Polizist Rene Michaux durchsucht Dutroux’ Haus in Marcinelle und hört dabei die Schreie von Kindern. Michaux geht davon aus, dass die Schreie von draußen kommen. Zur selben Zeit sitzen Julie und Melissa in einem Kellerverließ des Hauses. Dutroux sitzt zu dieser Zeit wegen Autodiebstahls im Gefängnis.

1996:

28. Mai:

Die zwölfjährige Sabine wird auf dem Heimweg von der Schule in Kain bei Tournai verschleppt.

9. August:

Die 14-jährige Laetitia wird in Bertrix in der belgischen Provinz Luxemburg auf dem Heimweg vom Schwimmbad verschleppt. Eine Zeugin sieht einen weißen Lieferwagen, der auf den Namen Marc Dutroux angemeldet ist.

13.

August: Dutroux, seine Frau Michelle Martin und Komplize Michel Lelievre werden verhaftet.

15. August:

Sabine und Laetitia werden aus einem Keller von Dutroux’ Haus in Marcinelle bei Charleroi befreit.

17. August:

Auf dem Grundstück von Dutroux’ Haus in Sars-la-Buissiere gräbt die Polizei die Leichen von Julie und Melissa aus. Die Beamten finden zudem die Leiche von Dutroux’ Freund Bernard Weinstein.

3. September:

Die Polizei findet die vergrabenen Leichen von An und Eefje auf einem weiteren Grundstück Dutroux’ in Jumet aus.

15. Oktober:

Der Untersuchungsrichter Jean-Marc Connerotte wird der Fall Dutroux wegen Befangenheit entzogen. Der Richter hatte am 21. September an einer Wohltätigkeitsveranstaltung für An und Eefje teilgenommen.

18. Oktober:

Das belgische Parlament beschließt einstimmig die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses im Fall Dutroux.

20. Oktober:

Auf einem "Weißen Marsch" gedenken über 300.000 Menschen der ermordeten Kinder.

24. Oktober:

Der Untersuchungsausschuss nimmt seine Arbeit auf.

1997

15. April:

Die Dutroux-Kommission stellt ihren Bericht vor. Der mehr als 200 Seiten umfassende Bericht zeigt sowohl Fehlverhalten einzelner Personen als auch strukturelle Unzulänglickkeiten der belgischen Justiz auf. Reformen werden gefordert.

18. April:

Das belgische Parlament nimmt den Abschlussbericht der Dutroux-Kommission einstimmig an.

6. Mai:

Die parlamentarische Sonderkommission nimmt ihre Arbeit wieder auf. Nun wird die Frage untersucht, ob Dutroux von ranghohen Persönlichkeiten gedeckt wurde.

2. September:

Justizminister Stefaan de Clerck fordert Christian de Vroom, einen der Chefermittler, zum Rücktritt auf. De Vroom kommt dem nach. Das höchste Verwaltungsgericht erklärt drei Wochen später, dass de Vroom wieder eingestellt werden muss, weil De Clerk seine Kompetenzen überschritten habe.

23. November:

Aus dem Auto eines Brüsseler Polizisten werden drei Mappen gestohlen, die Akten über die Dutroux-Affäre enthalten.

1998:

17. Februar:

Die Dutroux-Kommission kommt in ihrem Abschlussbericht zu dem Ergebnis, dass die Kinderschänderbande zwar nicht von hohen Stellen der Polizei und Justiz gedeckt wurde, aber indirekt von Korruption, professionellem Versagen und Schlamperei begünstigt wurde.

18. Februar:

Die belgische Regierung beschließt eine Polizeireform.

19. Februar:

Der belgische Ministerpräsident Jean-Luc Dehaene lehnt einen Rücktritt als Konsequenz aus der Dutroux-Affäre ab.

23. April:

Dutroux bekommt Akteneinsicht im Gerichtsgebäude von Neufchateau. Dabei gelingt ihm die Flucht. Nach vier Stunden nimmt ein Großaufgebot der Polizei den Häftling wieder fest. Wegen der Panne müssen Justizminister Stefaan de Clerck und Innenminister Johan Vande Lanotte zurücktreten.

28. April:

Ein Misstrauensvotum gegen die Regierung scheitert.

1999:

14. Juli:

Der mit der Untersuchung der Dutroux-Affäre beauftragte Staatsanwalt Hubert Massa nimmt sich das Leben.

2000:

19. Juni:

Wegen seines Fluchtversuchs wird Dutroux zu fünf Jahren Haft verurteilt.

2002:

22. Januar:

In einem Interview weist Dutroux den Vorwurf des Mordes an vier Mädchen zurück. Dutroux’ Äußerungen über ein angebliches Pädophilen-Netzwerk, das sich bis in höchste politische Kreise im Königreich erstreckt, löst einen neuen Skandal aus.

2004:

1. März:

Dutroux muss sich wegen Verschleppung, Geiselnahme und sexueller Mishandlung in sechs Fällen sowie Mord in vier Fällen vor einem Geschworenengericht in Arlon verantworten. Angeklagt sind auch seine Ex-Frau Michelle Martin, sein Komplize Michel Lelievre und der Brüsseler Geschäftsmann Michel Nihoul.


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