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CIA-Entführungsopfer: El Masri wegen Brandstiftung festgenommen

Das CIA-Entführungsopfer Khaled el Masri hat offenbar einen Großhandelsmarkt im bayerischen Neu-Ulm angezündet. Der 43-Jährige wurde festgenommen und in eine Psychiatrie-Abteilung eingewiesen. Sein Anwalt sprach von einer "Verzweiflungstat".

Nach einem Feuer in einem Großhandelsmarkt ist der durch seine Entführung nach Afghanistan bekannt gewordene Deutsch-Libanese Khaled el Masri festgenommen worden. Der 43-Jährige gelte als dringend verdächtig, das Feuer in Neu-Ulm gelegt zu haben, teilte die Polizei Krumbach mit. Der offenbar verwirrte El Masri wurde per richterlichem Unterbringungsbefehl in die psychiatrische Abteilung eines Bezirkskrankenhauses gebracht. Zum Motiv habe El Masri bisher keine Angaben gemacht. El Masris Anwalt Manfred Gnjidic sprach von einer "Verzweiflungstat".

Seit langem sei bekannt, dass El Masri "ein furchtbares Folterschicksal" erlitten habe, sagte Gnjidic der dpa. Dennoch habe die Politik nicht auf die Hilfeersuchen nach einer Psychotherapie reagiert. Als Grund für die Tat nannte Gnjidic eine Auseinandersetzung zwischen El Masri und dem METRO-Markt, die dann eskaliert sei. Schon bei Nichtigkeiten explodiere El Masri.

Erst vor zwei Wochen habe er Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Fall seines Mandaten um Hilfe gebeten, sagte Gnjidic. "Er entgleitet jetzt", habe er dabei gewarnt. Das Kanzleramt habe das Therapie-Ersuchen weiter an die Bayerische Staatskanzlei geleitet, die bislang noch nicht darauf reagiert habe.

Bei dem Brand war in der Nacht zum Donnerstag ein Schaden von rund 500.000 Euro entstanden. Der Täter hatte eine Glastür eingeschlagen und im Eingangsbereich Feuer gelegt, berichtete die Polizei. Noch in der Nacht war El Masri in der Nähe des Tatortes festgenommen worden.

El Masri hatte durch seine Verschleppung nach Afghanistan durch den US-Geheimdienst CIA Schlagzeilen gemacht. Er war an der mazedonisch-serbischen Grenze festgenommen und Anfang 2004 nach Afghanistan entführt worden. Dort wurde er monatelang festgehalten und nach eigenen Angaben gefoltert. Anfang dieses Jahres erließ die Münchner Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen mehrere mutmaßliche CIA-Agenten. Die Verdächtigen sind international zur Fahndung ausgeschrieben. Mit dem Fall El Masri beschäftigte sich auch der BND- Untersuchungsausschuss des Bundestags.

Erst kurz vor dem Brand in Neu-Ulm war die Abhöraktion der bayerischen Justiz gegen den Anwalt El Masris für verfassungswidrig erklärt worden. Nach einem am Mittwoch veröffentlichten Beschluss des Bundesverfassungsgerichts verstieß die Überwachung gegen das Fernmeldegeheimnis (Az: 2 BvR 2151/06 - Beschluss vom 30. April 2007). Amts- und Landgericht München hatten 2006 angeordnet, Telefon, Fax und Handys der Kanzlei von Gnjidic zu überwachen - in der Hoffnung, dass die Entführer mit ihm Kontakt aufnehmen.

DPA/AP / AP / DPA