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Co-Chef der Deutschen Bank Staatsanwaltschaft hat Jürgen Fitschen seit 2011 im Visier


Schon bevor er im Mai 2012 seinen Posten als Chef der Deutschen Bank antrat, liefen Ermittlungen gegen Jürgen Fitschen. Er wird der schweren Steuerhinterziehung verdächtigt.

Die Ermittlungen gegen Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen wegen des Verdachts der schweren Steuerhinterziehung laufen einem Bericht zufolge bereits länger als bislang bekannt. Gegen Fitschen werde bereits seit Ende August 2011 ermittelt, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Demnach liefen die Ermittlungen schon weit vor dem Amtsantritt Fitschens.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, wurden die Ermittlungen gegen Fitschen erst mit einer Razzia bei der Deutschen Bank im vergangenen Dezember bekannt - also weit nach deren laut Zeitung tatsächlichem Beginn im August 2011. Die Benennung Fitschens gab die Deutsche Bank am 25. Juli 2011 bekannt. Fitschen teilt sich den Chefposten mit dem indischstämmigen Investmentbanker Anshu Jain.

Fitschen war im August 2011 noch normales Vorstandsmitglied. Seinen Job als neuer Co-Chef trat der Manager nach der Hauptversammlung des Konzerns am 31. Mai 2012 an.

Verdacht der schweren Steuerhinterziehung

Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, zahlte die Deutsche Bank für das Geschäftsjahr 2009 knapp 155,5 Millionen Euro Umsatzsteuer zu wenig. Co-Vorstandschef Fitschen unterschrieb die entsprechende Steuererklärung ebenso wie Finanzvorstand Stefan Krause, gegen den die Staatsanwälte ebenfalls ermitteln. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main wollte den Bericht nicht kommentieren.

Die Staatsanwälte ermitteln wegen des Verdachts der schweren Steuerhinterziehung, Geldwäsche und versuchter Strafvereitelung beim Handel mit Luftverschmutzungsrechten (CO2-Zertifikate). Hintergrund sind mögliche Unregelmäßigkeiten im Handel mit Luftverschmutzungsrechten. Betroffen sind Fitschen und Krause, da diese die Umsatzsteuererklärung der Bank für das Jahr 2009 unterschrieben.

Im Dezember hatte es bei der Deutschen Bank zwei Mal innerhalb einer Woche Razzien gegeben. Schwerpunkt der einen Durchsuchung in der Frankfurter Konzernzentrale waren die Ermittlungen wegen möglicher Unregelmäßigkeiten im Emissionsrechtehandel. Auch Büros an anderen Standorten und Wohnungen waren durchsucht worden. Fünf Mitarbeiter wurden vorläufig festgenommen.

Fitschen beschwert sich beim Ministerpräsidenten

Konzern-Co-Chef Fitschen rief im Zusammenhang mit den Durchsuchungen bei Hessen Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) an und beschwerte sich Berichten zufolge über die fatale Außenwirkung der Aktion. Dies stieß in der Öffentlichkeit auf massive Kritik wegen des Eindrucks, das Unternehmen wolle Einfluss auf die staatliche Justizgewalt nehmen.

Fitschen rechtfertigte jetzt den Anruf öffentlich. "Ich wollte in der Tat den Ministerpräsidenten darauf aufmerksam machen, dass das, was hier geschehen war, unverhältnismäßig ist", sagte Fitschen laut einem Bericht des "Weser-Kuriers" (Donnerstagsausgabe) bei einem Neujahrsempfang seiner Bank im Bremer Park Hotel. Die Durchsuchung der Konzernzentrale habe er als "nicht angemessen" empfunden.

Indes soll die Deutsche Bank in einem weiteren Skandal durch die Manipulation international bedeutender Zinssätze alleine im Jahr 2008 rund 500 Millionen Euro Gewinn gemacht haben. Diese Summe sei bei Wetten auf den britischen Libor-Satz angefallen, zum dem in Großbritannien Banken anderen Instituten Geld leihen, berichtete das "Wall Street Journal" am Donnerstag unter Berufung auf Unterlagen der Bank, die an Ermittler ausgehändigt wurden. Wegen des Skandals laufen oder liefen Ermittlungen gegen eine Reihe internationaler Großbanken.

kgi/AFP/DPA DPA

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