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Crystal Meth: Neonazi-Drogenring in Leipzig vor Gericht

Drei Rechtsextreme sollen die hoch gefährliche Partydroge Crystal aus Tschechien geschmuggelt und in Deutschland verkauft haben. Jetzt stehen die Männer vor Gericht. Einer war NPD-Mitglied.

Eine mutmaßliche Neonazi-Drogenbande aus Nordsachsen steht seit Freitag vor dem Landgericht Leipzig. Die drei Männer im Alter von 30, 26 und 25 Jahren sollen im großen Stil mit Crystal aus Tschechien gedealt haben. Laut Anklage schmuggelten sie über Kurierfahrer mehr als drei Kilogramm Rauschgift nach Deutschland und verkauften es. Die Behörden zählen die Angeklagten zur gewaltbereiten rechten Szene, einer der Männer war Stadtratskandidat für die NPD. Im vergangenen August war die Bande aufgeflogen. Seither sitzen die Männer in U-Haft.

Zum Prozessauftakt erklärten alle drei, zunächst zu den Vorwürfen schweigen zu wollen. Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidiger zogen sich nach der Verlesung der Anklage zu einem Rechtsgespräch zurück, um über einen sogenannten Deal zur Abkürzung des Verfahrens zu verhandeln. Der kam aber nicht zustande. Nun wird das Verfahren fortgesetzt. Ein Kurierfahrer soll als Zeuge gehört werden.

NPD um Distanz bemüht

Der 54 Jahre alte Kurier war im August bei Pirna gestoppt worden. Unter seinem T-Shirt hatte er knapp 300 Gramm Crystal verborgen. Laut Anklage stammte das Rauschgift aus Decin kurz hinter der deutsch-tschechischen Grenze. Bei einem Verkaufspreis von 80 bis 100 Euro pro Gramm hatte das gesamte geschmuggelte Crystal einen Wert zwischen 272.000 und 340.000 Euro.

Die rechtsextreme NPD bemühte sich um Distanz zu der Drogenbande. Sie bestätigte, dass der 30-Jährige ein Parteimitglied war, betonte aber, er sei erst nach seinem Austritt 2011 kriminell geworden. Der Mann hat bereits eine Vorstrafe wegen Drogenhandels. Auch die anderen beiden sind polizeibekannt, aber nicht einschlägig vorbestraft.

lin/DPA / DPA