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Crystal-Meth-Variante in Thailand: Erdbeerdroge soll Kinder süchtig machen

Thailändische Dealer wollen Crystal Meth besser an die junge Kundschaft bringen. Daher versetzen sie die Droge mit leckeren Aromen. Die Droge hat in Thailand inzwischen dem Heroin den Rang abgelaufen.

Von Gernot Kramper

Von Alcopops kennt man das Prinzip, wie man Teenies an berauschende Getränke gewöhnt: Zuckrige Limonade muss den unangenehmen Alkoholgeschmack überdecken. Auf die gleiche Weise "optimieren" asiatische Drogenköche Crystal Meth für eine Kinderkundschaft in Thailand. Dort lutschen Drogenkonsumenten den Stoff nämlich meist. Die Aufnahme durch den Mund hat eine geringere Hemmschwelle als das Erhitzen und Inhalieren des Stoffes. Nur: Die Kunstdroge schmeckt eigentlich unangenehm bitter. Bisher, denn die Polizei in Thailand hat nun große Mengen der Aufputschdroge gefunden, die für Kinder verändert worden sind. Das Aussehen und Geschmack von "Yaba" - so der Name der Meth-Variante - erinnert an Bonbons. Yaba bedeutet "verrückte Medizin". Geschmacklich ist alles von Erdbeer bis Schokolade dabei.

Crystal Meth stellt Thailand vor große Probleme. Die Drogen stammen meist aus dem von den Shan kontrollierten Gebiet in Burma, dem sogenannten Golden Dreieck. Eine Staatsgewalt im eigentlichen Sinne gibt es dort nicht. Die Drogenköche können ungehindert Crystal Meth in Fabriken inmitten der Wälder synthetisieren. Der Verkauf in Thailand soll dann über Netzwerke wie Facebook organisiert werden.

"Diese neuen Geschmacksrichtungen machen es den Konsumenten leichter, die Droge zu nehmen," sagt Viroj Verachai vom Nationalen Institut für die Behandlung von Drogenabhängigen sagte der thailändischen Zeitung "The Nation". Zusätzlich sei die Droge heute wesentlich gefährlicher als noch vor einigen Jahren. In der kristallinen Form würden die Drogenköche Konzentrationen von 95 Prozent des Wirkstoffes erreichen, früher seien es nur 20 Prozent gewesen.

In Thailand sei es inzwischen in allen Kreisen üblich, Methamphetamin zu nehmen. Es helfe den Thailändern lange Arbeitszeiten zu überstehen, sei aber auch als Partydroge sehr beliebt. Drei Viertel aller Personen, die wegen Drogenentzuges in Thailand in Behandlung seien, wären heute von Chrytal Meth abhängig, sagt Verachai.

Wer in Europa die desaströsen Fotos von Meth-Abhängigen gesehen hat, kann sich Crystal Meth kaum als Party- und Einstiegsdroge vorstellen. Dabei eignet sich das Teufelszeug aus dem Chemielabor dafür ausgezeichnet. Gelutscht und in schwacher Dosierung geht von Chrystal-Meth eine anregende und belebende Wirkung aus. Bis in die vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde die Chemikalie in Europa zur Leistungssteigerung und als Wachmacher eingesetzt. Und auch den Trick mit der Süße kannte man damals schon. In Deutschland wurde Schokolade mit der Droge versetzt.