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Arzt aufsuchen!: Polizeihund beißt in Darmstadt HIV-Infizierten - und danach noch weitere Menschen

Beunruhigender Vorfall in Darmstadt: Bei einem Polizeieinsatz biss ein Polizeihund einen an Hepatitis C und mit dem HI-Virus infizierten Mann - und anschließend noch weitere Menschen. Die Polizei ruft zum Arztbesuch auf.

Polizeihund beißt in Darmstadt HIV-Infizierten

Ein Polizeihund hat in Darmstadt mehrfach zugebissen - Betroffene sollten unbedingt einen Arzt aufsuchen (Symbolbild)

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Die Ausschreitungen im Darmstädter Herrngarten vom Wochenende haben Folgen - juristische, dienstrechtliche und möglicherweise auch medizinische.

Bei dem Polizeieinsatz nach dem Ende des dritten Schlossgrabenfest-Tages setzten die Beamten auch Diensthunde ein, von denen mindestens einer mehrfach zubiss.

Am Dienstag meldete sich ein Mann bei der Darmstädter Polizei: Er sei gebissen worden und habe den Beamten vorsorglich mitteilen wollen, dass er an der Leberkrankheit Hepatitis C erkrankt sei. Bei der Polizei löste die Mitteilung Alarm aus. "Sofortige Recherchen zum Einsatzgeschehen und weitere Ermittlungen ergaben, dass der betroffene Diensthund im Verlauf des Einsatzes noch weitere Personen gebissen hat", teilte eine Sprecherin mit.

Übertragung durch Polizeihund "unwahrscheinlich"

Zwei Tage später kam eine weiter besorgniserregende Mitteilung hinzu: Der an Hepatitis C Erkrankte ist zusätzlich mit HIV infiziert.

Eine Übertragung der beiden Krankheiten über einen Hundebiss sei nach medizinischer Meinung "unwahrscheinlich", so die Polizei, sie könne jedoch nicht ausgeschlossen werden. Daher rief sie alle Personen, die in der Nacht zu Sonntag von einem Polizeihund gebissen wurden auf, vorsorglich einen Arzt aufzusuchen.

Um welche Hunderasse es sich handelte, konnte ein Sprecher nicht sagen. Die eingesetzten Tiere seien weiter im Dienst, da Hunde laut Polizei weder Hepatitis C noch HIV übertragen können.

Rund 100 Festnahmen in Darmstadt

Bei den Ausschreitungen am Wochenende waren nach Angaben der Polizei rund 100 Menschen vorübergehend festgenommen worden. Sie sollen nach Darstellung der Einsatzkräfte Beamte mit Steinen und Flaschen beworfen haben.

Es laufen Ermittlungen wegen Körperverletzungen, Sachbeschädigungen und Drogendelikten. Es habe wohl einen "Solidarisierungseffekt" gegeben, sagte ein Sprecher der Polizei. "Wir gehen davon aus, dass dem keine Strategie oder Planung zugrunde lag. Auch eine politische Motivation ist nicht erkennbar." Die Ermittler suchen weiterhin Zeugen.

Im Zusammenhang mit dem Vorfall im Zentrum von Darmstadt geriet auch ein Polizeianwärter in den Blick seiner Kollegen. Gegen den 22-jährigen wird ermittelt, weil er versucht haben soll, festgenommene Freunde zu befreien. Die laufenden Ermittlungen könnten neben strafrechtlichen auch disziplinarrechtliche Folgen für ihn haben.

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mit DPA-Material