VG-Wort Pixel

Drei Überfälle auf Geldtransporter Das "Mastermind" wurde wieder gefasst: Reemtsma-Entführer Drach nach Serienraub verhaftet

Thomas Drach, verurteilter Reemtsma-Entführer, sitzt Ende 2013 in einem Auto
21. Oktober 2013, Hamburg: Thomas Drach, verurteilter Reemtsma-Entführer, verlässt nach 15-jähriger Haft das Gefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel im Auto seines Anwalts. Nun droht ihm wieder eine Gefängnistrafe.
© TV News Kontor / DPA
Er war einer der bekanntesten Verbrecher Deutschlands – und soll als solcher rückfällig geworden sein: Reemtsma-Entführer Thomas Drach wird vorgeworfen, an drei spektakulären Geldtransporter-Überfällen beteiligt gewesen zu sein.

Ein kriminelles Genie, ein "Mastermind" nannten Medien Thomas Drach immer wieder. Die Polizei war nun allerdings schlauer. Die Ermittler hatten den verurteilten Reemtsma-Entführer nach Informationen der Nachrichtenagentur DPA bereits seit langer Zeit im Visier – und verhafteten den heute 60-Jährigen am Dienstagmorgen in Amsterdam. Er soll an drei spektakulären Raubüberfällen auf Geldtransporter in Köln und Frankfurt am Main beteiligt gewesen sein.

Drach habe sich widerstandslos festnehmen lassen und sitze nun in Auslieferungshaft, meldete der "Spiegel". Laut der "Bild"-Zeitung, die Drachs Namen zuerst enthüllt hatte, sucht die Polizei noch nach zwei Komplizen. Am Mittwoch soll er in Amsterdam dem Haftrichter vorgeführt werden. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur in Amsterdam. Die Kölner Staatsanwaltschaft hat einen Antrag auf Auslieferung gestellt. Wann der 60-Jährige nach Deutschland ausgeliefert werden könne, ist noch unklar. Nach einem schnellen Verfahren könnte das nach Angaben des Justizsprechers in den Niederlanden innerhalb von zehn Tagen der Fall sein.

Für Drach ist es nach acht Jahren eine Rückkehr hinter Gitter. Sollte er schuldig gesprochen werden, wird er dort vermutlich den Rest seines Lebens verbringen. Er schrammte nach der Entführung des Millionenerben Jan Philipp Reemtsma und einer späteren Erpressung seines Bruders aus dem Knast heraus bereits kurz an der Sicherungsverwahrung vorbei.

Ist von der Beute aus der Reemtsma-Entführung nichts mehr da?

Thomas Drach, gebürtig aus Erftstadt, brachte die Fahnder bei einem Überfall am nahen Flughafen Köln/Bonn auf seine Spur. Im März 2019 soll er dort mit Komplizen einen Geldtransporter überfallen haben. Ein Augenzeuge filmte den offensichtlich höchst professionell vorbereiteten Coup.

Den ersten Fluchtwagen fackelten die Täter samt der Tatwaffe – einer "Kalaschnikow" – ab. Den zweiten entdeckte die Polizei auf Videoaufnahmen. Nach den "daraufhin geführten sehr aufwendigen, zum Teil verdeckt geführten Ermittlungen" sei es den Kölner Fahndern gelungen, die Spur des Wagens bis in die Niederlande zu verfolgen, so die Staatsanwaltschaft. Der Wagen sei inzwischen sichergestellt.

Neben dem Raubzug am Airport rechnen die Ermittler Drach auch einen früheren, ähnlichen Überfall am Ikea-Möbelhaus in Köln-Godorf (24. März 2018) und einen späteren an einem Frankfurter Ikea (6. März 2019) zu. Die Höhe der Beute ist unklar. Dass Drach nun als Krimineller rückfällig geworden sein soll, würde dafür sprechen, dass von der Beute aus der Reemtsma-Entführung tatsächlich nichts mehr da ist.

Im März 1996 hatten Drach und seine Komplizen den Hamburger Soziologen und Erben der Tabak-Dynastie, Jan Philipp Reemtsma, entführt und nach 33 Tagen wieder freigelassen. Gegen 15 Millionen D-Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken Lösegeld. Zwei Jahre später wurde Drach in Buenos Aires (Argentinien) gefasst und Ende 2000 in Hamburg zu vierzehneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Zum Verbleib des Lösegelds hatte Drach stets geschwiegen, beziehungsweise seinen Bruder reingezogen – der Millionen versenkt habe. Staatliche und private Ermittler im Auftrag Reemtsmas sicherten noch Reste des Lösegelds. Als Drach im Herbst 2013 frei kam, bot er sich für Interviews an – gegen Geld. Direkt nach seiner Freilassung setzte er sich ins Ausland ab. Die Staatsanwaltschaft teilte zu dem 60-Jährigen – den Namen Drach bestätigten die Behörden nicht – lediglich mit, dass er aus dem Rheinland stamme und in Deutschland keinen festen Wohnsitz habe.

Das dürfte sich in den kommenden Tagen ändern. Die Adresse wird dann die einer deutschen JVA sein.

Oliver Auster und Ulrike Hofsähs / fs DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker