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Kader K.: Das Autoschleif-Opfer spricht zum ersten Mal: "Was, wenn er es zu Ende bringen will?"

Es war eine der brutalsten Familien-Taten der letzten Jahre: Vor einem Jahr stach Nurretin B. auf seine Ex-Frau ein, schlug sie mit einer Axt und schleifte sie mit dem Auto hinter sich her. Der Sohn musste zusehen. Jetzt spricht das Opfer über das Erlebte.

Auto Schleifen Kader K Nurettin B.

Nach der schrecklichen Tat zeigten viele Menschen in Hameln ihre Anteilnahme

Es ist ein Wunder, dass sie überlebt habe, erklärten die Ärzte Kader K. Weil sie ihn verlassen hatte, stach Nurretin B. sie mit einem Messer in den Oberkörper, traf Lunge und Herz. Dann holte er eine Axt aus dem Kofferraum und schlug sie auf den Kopf. Mit einem Seil im Henkersknoten um den Hals schleifte er sie am Ende über die Straßen Hamelns, bis das Seil riss und sie durch die Luft flog.

Jeder einzelne der Angriffe hätte tödlich enden können, waren sich die Ärzte sicher. "Der liebe Gott hat mir das Leben gerettet", erklärte sich K. ihr Überleben im Gespräch mit der "". Auch ein Jahr nach der grausigen Tat scheint sie noch stark darunter zu leiden. Sie kann sich nicht konzentrieren, schlägt sich verzweifelt mit der Hand gegen die Stirn, um klar denken zu können. Die Narben versteckt sie unter einer Mütze. Um mit den Folgen des grauenhaften Angriffs klar zu kommen, hat sie nun gemeinsam mit einem Co-Autor ein Buch darüber geschrieben. Der Titel: Novemberwut.

Ehe ohne echte Liebe

Darin schildert sie den Weg in den schlimmsten Moment ihres Lebens. Ein Bekannter hatte ihr B. vorgestellt, wie sie war er Kurde. Als er sie bald zur Hochzeit drängte, gab sie nach. Nicht aus Liebe, sondern weil sie nicht mehr mit ihrem Bruder zusammenleben und eine Familie gründen wollte. "Er hat sich verstellt", sagt sie der Zeitung, und habe sich nur von seiner besten Seite gezeigt. "Die habe ich später nie wieder gesehen."

Schnell will sie sich trennen, er schikaniert sie, verlangt Gehorsam. Immer will er alles bestimmen, die in einer Partnerschaft eigentlich selbstverständliche Mitsprache akzeptiert er nicht. Weil sie schwanger ist, bleibt sie zunächst, hofft auf Besserung. Doch auch als Sohn Cudi geboren wird, gehen die Misshandlungen weiter. Irgendwann zieht sie die Reißleine und geht. Die Demütigung der Trennung und die Tatsache, dass seine Ex auch noch um Unterhalt kämpft, scheinen in B. extreme Rachegelüste geweckt zu haben.

Angst vor Rache

Im Prozess ist der Gutachter sicher: Das war keine Tat im Affekt. Er habe K. möglichst schmerzhaft umbringen wollen. Und B. bereut es nicht, ist das Opfer sich sicher. Die Reue habe er vor Gericht nur vorgetäuscht, um eine niedrigere Strafe zu bekommen. "Ich kenne ihn." Deshalb hat sie nun Angst, träumt immer wieder davon, dass er sie verfolgt. Mit guter Führung könnte B. in nur neun Jahren wieder frei sein. "Was, wenn er es dann zu Ende bringen will?"

Noch immer wohnt K. in , träumt von einer Flucht in die alte Heimat Türkei. Sie lebt aktuell von Spenden, eine Erwerbsunfähigenrente wird noch geprüft. Sein vor Gericht gegebenes Versprechen, K. und dem gemeinsamen Sohn eine umfassende Wiedergutmachung zukommen zu lassen, hat B. nicht gehalten. Unterhalt zahlt er bislang ebenfalls nicht. Die Erlöse aus dem Buch sollen nun erst einmal beim Überleben helfen. Bis Mutter und Sohn irgendwann wieder ein normales Leben führen können, dürfte es noch dauern.

mma
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