Der Fall Kampusch Pause für den Medienstar


"Urängste" und "Männerfantasien" sind die Hauptgründe für das riesige öffentliche Interesse am Fall Natascha Kampusch. Das meint der Medienberater des Entführungsopfers, der seiner Mandantin nun eine Ruhepause gönnen will.

Der Medienberater von Natascha Kampusch erklärt sich das große Interesse an Entführung und Flucht der jungen Frau auch dadurch, dass der Fall menschliche Urängste anspricht. "Das ist sicher eine Mischung aus verschiedenen Aspekten", sagte Dietmar Ecker dem österreichischen Rundfunk ORF. Dabei spielten "Urängste vor dem Eingesperrtsein" eine Rolle, aber auch Männerfantasien. "Und dann am Ende das Wunder, eine Art Wieder-Auferstehung".

Die junge Frau sei mit ihrem Auftritt im Fernsehen zufrieden gewesen, denn es sei ihr gelungen, Missverständnisse auszuräumen. So sei ihr Verhältnis zur Mutter in vielen Berichten falsch dargestellt worden. Sie habe Wert darauf gelegt, klar zu machen, dass sie ein sehr gutes Verhältnis zu ihrer Mutter habe. Auch das Ziel, mit dem Gang an die Öffentlichkeit Druck von der schwer traumatisierten 18- Jährigen zu nehmen, sei erreicht worden.

Auch Polizei will Pause bei Befragungen

Die Teams der großen Fernsehstationen seien abgereist, bereits am Tag nach dem Interview sei es bereits deutlich ruhiger geworden, sagte der 42-jährige Medienprofi. Auf Einwände, manche Antworten in dem Interview hätten "einstudiert" gewirkt, wehrte Ecker ab: "Man kann sie nicht trainieren". Sie sei aber sehr diszipliniert und darauf konzentriert, was sie mitteilen wolle.

Nach Eckers Ansicht sollte sie sich jetzt eine lange Ruhepause zugestehen und sich erst "mit deutlichem Abstand" wieder öffentlich zeigen. Auch die Polizei hat für ihre Befragungen der jungen Frau am Freitag eine Pause angekündigt. Sie will weiter ermitteln, ob der Entführer Wolfgang Priklopil mögliche Mitwisser oder Komplizen hatte und ob der 44-Jährige weitere Straftaten verübt hatte. In Österreich war der Mann nicht in Täter-Datenbanken aufgetaucht. Der Vergleich von Priklopils DNA mit der Datenbank der Interpol brachte nach Angaben eines Polizeisprechers bisher auch keine Ergebnisse.

Indessen wurden im Haus Priklopil die Ermittlungen weiter geführt. Mit Hilfe von Sachverständigen und Archäologen sei das Grundstück genau untersucht worden. Dabei sei auch ein Bodenradar zum Einsatz gekommen, um eventuelle Hohlräume aufzuspüren. Bisher seien jedoch keine kriminaltechnisch relevanten Ergebnisse bekannt, sagte ein Polizeisprecher in Wien.

Sieben Millionen Zuschauer bei RTL

Natascha Kampusch war am 2. März 1998 von dem Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil entführt und mehr als acht Jahre in seinem Haus in Strasshof bei Wien gefangen gehalten worden. Am 23. August gelang ihr die Flucht, ihr Kidnapper nahm sich wenig später das Leben. Die heute 18-Jährige hatte sich am Mittwoch erstmals mit Interviews der Öffentlichkeit gezeigt. In Österreich verfolgten rund 2,5 Millionen Menschen die Ausstrahlung auf ORF 2, in Deutschland zählte der Privatsender RTL mehr als sieben Millionen Zuschauer.

DPA DPA

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