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Der Fall Marco W.: Das sagen die stern.de-Leser

Der Experte Christian Rumpf sagte im stern.de Interview, das Verfahren gegen Marco W. verlaufe korrekt. Die stern.de-Leser haben kontrovers über das Interview und den Fall diskutiert. Manche stimmen mit Rumpf überein, viele sind jedoch anderer Meinung.

Normales Verfahren oder Justizskandal? Ungerecht lange Untersuchungshaft oder angemessene Vorsichtsmaßnahme? Der Fall des seit sieben Monaten in der Türkei inhaftierten Marco W. wird in Deutschland kontrovers diskutiert. Nun will sich sogar da EU-Parlament für den 17-jährigen Schüler einsetzen, viele Politiker üben heftige Kritik an der türkischen Justiz und sprechen dem Land sogar die EU-Tauglichkeit ab. Jedoch sagte der Experte für türkisches Recht, Christian Rumpf, im stern.de-Interview, das Gericht in Antalya habe sich keine Fehler zu Schulde kommen lassen, in Deutschland wäre ein solches Verfahren kaum anders verlaufen. Dieses Interview und der gesamte Fall Marco wurde von den stern.de-Lesern daraufhin vielfach kommentiert.

Kritik und Rückendeckung

So gab es neben reichlich Kritik auch viel Zustimmung und Anerkennung für den Experten Rumpf . stern.de-Leser "Dolbert" schreibt, "dass dasselbe Verfahren mit denselben Problemen und Unzulänglichkeiten auch in Deutschland stattfinden könnte. Das kann ich als Jurist nur bestätigen".

Ebenso sieht es "DerJurist": "Selbst ein deutsches Gericht hätte U-Haft verhängen müssen, wenn der Angeklagte Ausländer ohne soziale Bindung zum Land wäre. Die Tatsache, dass es nun schon sieben Monate dauert, ist nicht so sehr verwunderlich wie Sie meinen. Schließlich geht es hier darum, eine gerichtsverwertbare Aussage aus England im Rahmen eines Rechtshilfeersuchens zu erlangen."

Viele Leser werfen jedoch den türkischen Behörden Schlampigkeit und gar absichtlichen Verzögerung vor. Leser "undjetztnochder" etwa meint, die Dauer der Beweisführung sei unangemessen lang. Viele stören sich vor allem daran, dass eine offizielle Übersetzung der Aussage von Charlotte offenbar nun schon seit Wochen nicht vorliegt. "Zeus166" meint: "In Deutschland wäre ein Richter in der Lage, auch einen englischen Bericht zu lesen und zu verstehen. Natürlich muss er übersetzt werden. Das ist klar. Aber vielleicht hätte es für eine Haftverschonung gereicht."Leser "Alex64" stört sich hingegen an der "Unfähigkeit der türkischen Justiz, ein (von mir aus auch berechtigtes Verfahren) schnell und effizient abzuarbeiten". "Mupfeline" schreibt, die Justiz in der Türkei habe "einfach Mist" gebaut und fragt nach dem Grund für die Verzögerungen.

Ist die Haft gerechtfertigt?

"Zeus166" ist der Meinung an, dass die Fluchtgefahr von Marco gering sei, denn Deutschland würde ein Untertauchen sicher nicht unterstützen. Doch hier widerspricht der engagierte Kommentator "DerJurist". Deutschland und die Türkei hätten ein Abkommen, sich gegenseitig keine Staatsangehörigen auszuliefern, weshalb aus türkischer Sicht sehr wohl die Möglichkeit bestünde, dass Marco zur Verhandlung nicht erscheint, schreibt "DerJurist".

"Balaban" gibt hierfür indirekt deutschen Politikern die Schuld, die sich mit ihrer Einmischung profilieren wollten. "Die Türkei hätte Marco auf Bewährung ohne Pass freilassen können, doch so muss sie doch befürchten, dass die deutsche Botschaft Marco auch so außer Lande bringt."

"Sie hätten anders handeln können"

Viele Leser appellieren an die türkische Justiz und bitten, das Alter des jungen Angeklagten zu berücksichtigen und im Zweifel für den Marco zu entscheiden. "Gruni36" schreibt: "Mag ja sein, dass die Türken nicht gegen Gesetze verstoßen. Aber eines ist Fakt: Sie hätten anders handeln können!!! Die Abwicklung dieser Geschichte ist peinlich und unverschämt dem Verdächtigten gegenüber."

"Provocateur" erinnert an das Prinzip "Im Zweifel für den Angeklagten". Er schreibt: "Lieber 100 straffällig gewordene Täter laufen lassen, als einen Unschuldigen einknasten."

sh