Der Fall Natascha Jetzt soll der Rubel rollen


Die Öffentlichkeit kann offenbar nicht genug Einzelheiten vom Schicksal der entführten Natascha bekommen. Deshalb soll ihr Fall nun medial ausgeschlachtet werden, fordern Experten - und zwar zu ihrem eigenen Besten.

Zum ersten Mal nach ihrer Flucht hat das Entführungsopfer Natascha Kampusch in einem Brief über ihre Gefangenschaft berichtet: über ihr Selbstbild, ihr Verhältnis zum Entführer Wolfgang Priklopil und ihr abgeschirmtes Leben. Doch die ersten Details scheinen noch nicht genug zu sein.

In der österreichischen Sendung "Offen gesagt" fordert der Kommunikationsberater Wolfgang Rosam, dass der "Hunger der Meute, der Öffentlichkeit" nach weiteren Informationen so schnell wie möglich gestillt werden müsse. Sonst werde die Jagd nach dem ersten Foto, dem Exklusivinterview gnadenlos weitergehen, so Rosam. Er verlangt aber auch, dass die betroffenen Medienberater und Psychologen zusammen eine Strategie erarbeiten sollen, damit Natascha kein weiterer Schaden zugefügt werde.

Rosam findet es durchaus legitim, wenn "man daraus ein Geschäft für Natascha macht". Schließlich gehe es um Geld für ihren Neustart. Und da sie offenbar selbst das Bedürfnis habe, von ihrem Schicksal zu erzählen, könne sich eine "Win-Win"-Situation ergeben, so Rosam.

Laut der Zeitung "Kurier" sollen bereits Angebote für Film-, Kino- und Buchrechte an Nataschas Schicksal vorliegen. Dem ORF-Journalisten Christoph Feuerstein, der mit Nataschas Mutter gesprochen hatte, liegen Angebote für "Vermittlungshonorare" in Höhe von bis zu 4000 Euro vor. "Schon am ersten Tag ging es um Kino- und Filmrechte", so Feuerstein. Zudem würden 50.000 Euro für die Buchrechte und 10.000 Euro für einen Fernsehauftritt Nataschas geboten.

Laut eigener Aussage habe selbst das österreichische Bundeskriminalamt Angebote erhalten, die jedoch an die Jugendanwaltschaft weitergeleitet würden, so Gerhard Lang vom BKA. "Es ist nicht unsere Aufgabe, Kapital daraus zu schlagen", sagte Lang.

In der TV-Sendung "Offen gesagt" wurde auch das Thema Schmerzengeld angeschnitten. Der Gerichtspsychiater Reinhard Haller will "mit wissenschaftlichen Methoden" eine mögliche Summe von 665.000 Euro errechnet haben. Es sollte möglich sein, das Geld durch Spenden aber auch durch die mediale Vermarktung zusammenzubringen, sagte Haller. Der jungen Frau solle nun auch ein Medienmanager zur Seite stehen, schreibt die "Kronen-Zeitung".

Das Blatt berichtet zudem, der Wiener Anwalt Günter Harrich mache im Namen von Natascha Kampusch Ansprüche auf jenes Haus geltend, in dem sie gefangen gehalten wurde. Es gehe dabei auch um Schadenersatzforderungen für erlittene seelische Qualen, heißt es. "Wir werden im Verlassenschaftsverfahren von Herrn Priklopil unsere Forderungen auf das Haus anmelden", sagte Harrich dem Blatt, "ich glaube nicht, dass seine Mutter etwas dagegen hat".

kru

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