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Todesschütze von Virginia: "Er war ein schwieriger Mensch"

Der Mann, der eine TV-Reporterin und einen Kameramann erschoss, kannte seine Opfer persönlich: Er war selbst zwei Jahre lang bei dem TV-Sender, für den auch die Erschossenen arbeiteten. Über ihn kommen immer mehr Details ans Licht.

Der ehemalige TV-Moderator von WDBJ7, Bryce Williams, hat zwei seiner Ex-Kollegen erschossen

Vester Lee Flanagan war den Zuschauern des TV-Senders WDBJ7 als Bryce Williams bekannt

Für die Zuschauer von WDBJ7 war der Mann mit dem rundlichen Gesicht TV-Moderator Bryce Williams. Wer ihn persönlich kannte, wusste wahrscheinlich, dass der 41-Jährige eigentlich Vester Lee Flanagan hieß. Nun kennt ihn zumindest die ganze USA - als den Mann, der die WDBJ7-Reporterin Alison Parker und den Kameramann Adam Ward erschoss.

Der Schütze hat die Erschießung der beiden Menschen um 06.45 Uhr (Ortszeit) gefilmt und anschließend Bilder auf Facebook und Twitter verbreitet. "Ich habe die Schüsse gefilmt, siehe Facebook", war in seinem Account zu lesen. Das Video dauert insgesamt eine Minute. Darauf ist der Täter zu sehen, wie er eine Pistole schwingt und dann auf die Reporterin zielt. Niemand scheint dies zu bemerken, weil der Kameramann ihm mit dem Rücken zugewandt steht und die Reporterin auf ihr Interview konzentriert ist. Dann werden acht Schüsse auf die Reporterin abgefeuert, die zu flüchten versucht. Die Bilder wurden in beiden Netzwerken rasch entfernt. Das Twitter-Konto @bryce_williams7, auf dem das Video zu sehen war, wurde nach kurzer Zeit gesperrt.


Suizidversuch auf der Schnellstraße

Flanagan war vor einiger Zeit von WDBJ gefeuert worden. "Alison hat rassistische Kommentare gemacht", twitterte er nach der Tat. Anscheinend beschwerte er sich auch darüber, dass die Journalistin angestellt und er nicht weiterbeschäftigt worden sei. Laut Polizei wurde er auf der Schnellstraße I66 gefasst, fast 280 Kilometer entfernt vom Tatort; eine Fahrzeugkontrolle verweigerte er und gab stattdessen Gas. Einige Minuten später kam sein Auto von der Fahrbahn ab und wurde schwer beschädigt. Die Polizisten fanden den Mann in dem Wagen mit einer Schusswunde vor, er wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. In ersten Berichten auch von WBDJ7 hatte es geheißen, der Schütze habe sich selbst getötet. Tatsächlich erlag er nach Angaben des zuständigen Sheriffs erst im Krankenhaus an Schussverletzungen, die er sich selbst vor seiner Festnahme zugefügt hatte.

Virginias Gouverneur Terry McAuliffe sagte, bei dem Schützen handele es sich möglicherweise um einen "unzufriedenen Mitarbeiter" des Senders. WDBJ7-Manager Jeff Marks sagte Fox News, der 41-Jährige sei ein schwieriger Mensch gewesen, mit dem man nicht gut habe zusammenarbeiten können. Er habe sich schlecht behandelt gefühlt, an seien Vorwürfen sei aber nichts dran gewesen. Er habe zwei Jahre für WDBJ7 gearbeitet.

"Eine Art Manifest"

Der Sender ABC erhielt nach eigenen Angaben ein 23-seitiges Fax von jemandem mit dem Namen des Mannes. ABC bezeichnete das Fax als "eine Art Manifest" und übergab es den Behörden.

Flanagan hatte am Mittwochmorgen um 6.45 Uhr (Ortszeit) die TV-Journalistin und den Kameramann während eines Live-Interviews erschossen. Die Reporterin des Senders WDBJ7 befragte am Mittwochmorgen (Ortszeit) im Staat Virginia eine Frau zum Thema Tourismus, als plötzlich Schüsse fielen. Journalistin Alison Parker wurde 24, Kameramann Adam Ward 27 Jahre alt.

tkr/DPA/AFP/Reuters
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