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Eingangstür des Dachau-Lagers gestohlen: Bestürzung nach Schändung von KZ-Gedenkstätte

Der Diebstahl der Eingangstür zur KZ-Gedenkstätte Dachau hat Bestürzung ausgelöst: "Die Schwere des Anschlags ist einmalig", so Bayerns Kultusminister. Die Polizei geht ersten Spuren nach.

Der Diebstahl der historischen Eingangstür zum ehemaligen Konzentrationslager in Dachau mit der Inschrift "Arbeit macht frei" hat über Deutschlands Grenzen hinaus Bestürzung ausgelöst. "Diese Schändung ist grässlich und schockierend", sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, der "Bild"-Zeitung. "Wer so etwas macht, ist entweder krank oder bösartig. Wahrscheinlich beides."

Ähnlich äußerte sich der Leiter der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau in Polen, Piotr Cywinski: "Das ist ein Angriff auf ein Symbol, ein Angriff auf das Erinnern." In Dachau bei München seien die Grundlagen für Auschwitz und die anderen Todeslager der Nazis gelegt worden. Von den Tätern fehlte zunächst jede Spur.

Auch der Hintergrund der Tat eine Woche vor dem Jahrestag der Pogromnacht am 9. November ist unklar. Es seien einige Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, denen die Polizei nun nachgehe, sagte der Leiter der Polizeiinspektion Dachau, Thomas Rauscher. Der Staatsschutz sei eingeschaltet. Die Polizei prüfe unter anderem einen Neonazi-Hintergrund, es werde aber in alle Richtungen ermittelt.

Hohe kriminelle Energie

Sicherheitskräfte hatten das Fehlen der Tür am frühen Sonntagmorgen entdeckt. Die Täter seien mit hoher krimineller Energie vorgegangen. Die Tür war nach einer Rekonstruktion der Inschrift 1965 eigens mit Widerhaken gesichert worden.

Besucher standen am Montag still vor einer Tafel, die das Verschwinden der Tür und ihre Geschichte auf Deutsch und Englisch erklärt. Die Tür gilt als zentrales Symbol für Leidensweg der von den Nazis eingesperrten, geschundenen und ermordeten Menschen. Im KZ Dachau und seinen Außenlagern hatten die Nationalsozialisten bis 1945 mehr als 200.000 Menschen inhaftiert, Zehntausende kamen ums Leben.

Verhöhnung der Opfer

Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, wertete die Tat als Verhöhnung der Opfer. Es mute angesichts der Anfang nächsten Jahres geplanten Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der KZ-Befreiung wie eine demonstrative Aktion aus rechtsextremen Kreisen an. Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sagte: "Die Schwere des Anschlags ist einmalig."

Bereits vor etwa fünf Jahren hatten polnische Diebe im Auftrag schwedischer Neonazis aus der Gedenkstätte Auschwitz ebenfalls den Schriftzug "Arbeit macht frei" gestohlen. Er konnte aber nach umfangreicher Fahndung innerhalb weniger Tage sichergestellt werden; die Täter wurden gefasst und verurteilt.

amt/DPA / DPA