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TV-Ermittler: Diese spektakulären Kriminalfälle löste "Aktenzeichen XY"

Im Fall der ermordeten Bankiersfrau Maria Bögerl war der jüngste Fahndungsaufruf in "Aktenzeichen XY" ein Fehlschlag. Aber in zahllosen Fällen trugen die Hinweise zur Lösung des Verbrechens bei - eine Auswahl.

Polizei

Ein Polizeitrupp auf der Suche nach Spuren (Symbolbild)

Der Fall der ermordeten Bankiersfrau Maria Bögerl ist einer der bekanntesten Kriminalfälle Deutschlands. Und er ist ungelöst. Deshalb wandte sich die Polizei am vergangenen Mittwoch erneut mit einem Phantombild und einer Stimmprobe an die Öffentlichkeit, "Aktenzeichen XY ungelöst" griff den Fall auf und strahlte den Hinweis am Abend in der Sendung aus. Schon am nächsten Tag nahm die Polizei einen Verdächtigen fest, auf den die Stimmprobe passte. Die Untersuchung der DNS ergab allerdings, dass der Festgenommene nicht unmittelbar mit der Entführung und dem Mord an Bögerl in Verbindung steht.

Dennoch hat "XY" wieder einen Beitrag bei der Ermittlungsarbeit der Polizei geleistet. Seit fast 50 Jahren ist das Magazin auf Sendung und hat mitgeholfen, zahlreiche Verbrechen auf zu klären. Im Folgenden haben wir sechs aufwühlende Fälle aufgeschrieben, die mit Hilfe von "XY" aufgeklärt wurden.

Der Fall Mark Herbert

Das Schicksal von Mark Herbert bewegte die Öffentlichkeit. Im August 2015 startete die Polizei in der Sendung "XY" einen erneuten Versuch, verwertbare Hinweise auf den Täter zu bekommen, der im August 2012 auf einem Volksfest auf dem Bieberer Berg in Offenbach Mark Herbert so brutal zusammengeschlagen hatte, dass der fortan vom Hals abwärts gelähmt war. Der Täter Sven R., ein Fußballfan der Offenbacher Kickers und brutaler Schläger, wurde später wegen versuchtem Totschlags in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung zu elf Jahren Haft verurteilt. Die Polizei hatte den Täter schon länger in Verdacht, aber die Zeugen hatten sich nur anonym geäußert. Nach der Ausstrahlung in "XY" meldete sich endlich ein Mann, der wichtige Hinweise auf weitere Zeugen gab. Die Ermittlungen nahmen Fahrt auf und die Polizei konnte zugreifen. Sven R. lebte seine Aggressionen in wilden Prügeleien aus. Bei seinen Opfern wandte er immer die gleiche Masche an: Er suchte sich Betrunkene und provozierte einen Streit. Dann schlug er die Opfer zusammen. Im Fall von Mark Herbert schleuderte der Täter ihn gegen die Wand eines Aussichtsturmes. Dabei brachen drei Nackenwirbel und das Rückenmark wurde geschädigt. Sven R. trat danach zusätzlich auf sein Opfer ein, bevor er von ihm abließ.

Der Mordfall Metin M.

In der Ausgabe vom 16. Juli 2014 ging es um die Fahndung nach Metin M.: Der 34-Jährige sollte im März 2013 einen Clubbetreiber ausgeraubt und ermordet haben. Metin M. saß schon in U-Haft, machte dann aber mit einem waghalsigen Ausbruch aus dem Gefängnis Berlin Moabit Schlagzeilen. Zusammen mit einem anderen Häftling hatte er die Zellengitter durchgesägt, sich abgeseilt und mehrere Mauern überwunden. Zwei Monate lang blieb M. spurlos verschwunden. Doch dann - nach der Ausstrahlung bei "XY" - erhielt das LKA einen heißen Tipp, der den Ermittlern wichtige neue Ansatzpunkte lieferte. Zwei Wochen später nahmen Zielfahnder und ein Spezial-Einsatzkommando Metin M. in einer Wohnung fest, die einem möglichen Fluchthelfer gehörte.

Lolita Brieger wurde im Jahr 1982 ermordet. Knapp dreißig Jahre später überführte die Polizei den Täter. Es war ihr damaliger Freund

Lolita Brieger wurde im Jahr 1982 ermordet. Knapp dreißig Jahre später überführte die Polizei den Täter. Es war ihr damaliger Freund


Der Fall Lolita Brieger

Im Herbst 1982 verschwand die schwangere Lolita Brieger aus dem Dorf Frauenkron in der Eifel spurlos. Die 17-Jährige war auf dem Weg zu ihrem Freund, einem reichen Bauernsohn. Eine Arbeitskollegin nahm sie im Auto die halbe Strecke zum Hof mit, den Rest des Weges wollte Lolita zu Fuß zurücklegen. Danach wurde sie nie wieder gesehen. Im Frühjahr 1983 fand ein spielender Junge ihren Hausschlüssel zehn Kilometer entfernt von ihrem Heimatdorf. Hatte das schwangere Mädchen aus Verzweiflung Selbstmord begangen? Der Vater des Freundes hatte darauf gedrängt, dass sein Sohn die Beziehung beendet. Lolitas war den Ansprüchen des wohlhabenden Landwirtes nicht gut genug. Nach einer ersten Trennung hatte die Schwangere schon mal einen Suizidversuch begangen. Danach kamen die beiden wieder zusammen. Die Polizei verdächtigte zwar schnell Lolitas Freund, konnte ihm aber nichts nachweisen. Sie tappte ganze 30 Jahre lang im Dunkeln. Nachdem der Fall in "XY" aufgerollt worden war, meldete sich schließlich ein Zeuge. Er habe Lolitas Freund damals bei der Beseitigung der Leiche auf einer Müllkippe geholfen, sagte der aus. Und tatsächlich: Die Polizei fand die sterblichen Überreste Lolitas. Ihr Freund, jetzt 50 Jahre alt, kam vor Gericht. Er wurde des Totschlags schuldig befunden, aber freigesprochen, weil Totschlag nach 30 Jahren verjährt. Für Mord gilt keine Verjährungsfrist. Das Gericht konnte aber nicht mehr klären, wie genau Lolita starb. Das Urteil war ein Schock für Lolitas Hinterbliebene.

Ein Fall von Kinderpornografie

In diesem dramatischen Fall ging es um zwei kleine Mädchen, die 2010 von einem Mann in seiner Wohnung, vermutlich in Deutschland, festgehalten wurden. Der Täter missbrauchte die Kinder schwer, stellte Bilder von der Tat und von sich ins Internet. Die Polizei stand unter Druck, die Mädchen aus den Händen ihres Peinigers zu befreien. Doch sie konnte ihn nicht identifizieren. In "XY" wurden Fotos des Mannes, Bildausschnitte und Details aus der Wohnung gezeigt - ein voller Erfolg. Die Polizei erhielt konkrete Hinweise, nahm den Täter nach kurzer Zeit fest und befreite die Mädchen aus dem Martyrium. Der Festgenommene war 27 Jahre alt, Diakon und Erzieher in einer kirchlichen Einrichtung.

Getötete Carolin aus Weißenhorn

Die getötete Carolin aus Weißenhorn


Der Fall Carolin

Auf der Toilette eines Krankenhauses im bayerischen Weißenhorn fanden Angestellte im Jahr 2003 ein schwer misshandeltes, dreijähriges Mädchen. Sein Kopf war kahl rasiert. Es war offensichtlich verprügelt und dann nackt auf der Toilette ausgesetzt worden. Wenig später starb Carolin. Die Ermittler veröffentlichten ein Bild des Kindes, das am Computer rekonstruiert worden war, um seine Identität festzustellen - und das gelang. Nachdem das Bild Carolins in "XY" gezeigt worden war, erkannte eine Nachbarin das Mädchen. So kam die Polizei auf die Spur der Mutter und ihres Freundes, ein Paar aus dem Drogenmilieu. Die beiden wurden international zur Fahndung ausgeschrieben und im italienischen Brindisi verhaftet.

Der erste aufgeklärte Fall

Das war der Mord an dem Verleger Bernhard Boll im März 1968. Der 54-jährige Verleger überraschte einen Einbrecher in seinem Wochenendhaus, das in einem abgelegen Waldstück in der Nähe von Wuppertal lag. Der Einbrecher erschlug den Verleger mit einer Axt und entwendete zahlreiche Gegenstände aus dem Haus, unter anderem eine Armbanduhr. Außerdem zündete er das Gebäude an. Bernhard Bolls Sohn, der auf der Suche nach seinem Vater war, entdeckte den aufsteigenden Qualm und alarmierte Polizei und Feuerwehr. Die Fahndung nach dem Täter blieb zunächst erfolglos. Im gleichen Jahr kam der Fall in die Sendung. Dort wurde die Armbanduhr gezeigt, die der Täter gestohlen hatte. Die Polizei konnte so den Täter schnappen.

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